Orchideen der Rhön:
Weißes Waldvögelein – Cephalanthera damasonium

18. September 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Cephalanthera damasonium (Mill.) Druce 1906
Basionym Serapias damasonium Mill. 1768
Synonyme Epipactis alba Crantz 1769
Cephalanthera lancifolia (F.W.Schmidt) Dumort. 1827
Cephalanthera ochroleuca (Baumg.) Rchb. 1831
Cephalanthera alba (Crantz) Simonk. 1887
Cephalanthera latifolia Janch. 1907
Deutsche Namen Weißes Waldvögelein, Bleiches Waldvögelein, Blasses Waldvögelein
Blütezeit Mitte Mai – Anfang Juli
Wuchshöhe 15 – 55 cm
Blütengröße 12 – 18 mm
Pflanzengesellschaften V Cephalanthero-Fagion
V Mesobromion
Florenelement mediterran submediterran pannonisch danubisch pontisch süd- und mittelatlantisch subatlantisch zentraleuropäisch sarmatisch
Rote Listen Deutschland: * (ungefährdet)
Bayern: * (ungefährdet)
Hessen: * (ungefährdet)
Thüringen: * (ungefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 56% der MTBl.-4tel
verschollen: 13%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 850 m
Gefährdung:
* (ungefährdet)

 

 

 

 
Etymologie:
Cephalanthera: von gr. κεφαλή kephalē, Kopf und ανθηρός anthērós = blühend; dieser Name bezieht sich auf das kopfähnliche Aufsitzen der Anthere auf dem Säulchen; damasonium: Damasonium ist ein antiker Pflanzenname, jedoch ist heute nicht mehr bekannt, welche Pflanze damit gemeint war.

Merkmale:
Stämmige, kräftige Pflanze. Typisch sind die relativ wenigen (2-5) eiförmigen, am Stängel verteilten, schräg oder waagrecht abstehenden Laubblätter. Die 3-20 locker stehenden cremefarbenen Blüten liegen eng am Stängel an und haben bis in die Ähre hinauf ziemlich große laubblattähnliche Tragblätter. Die 15-20 mm langen Blüten öffnen sich kaum. Lippe zweiteilig, Hypochil mit aufrecht stehenden dreieckigen Seitenlappen und mit gelbem Fleck, Epichil herzförmig mit gelben Leistchen. Wichtigste Unterscheidungsmerkmale zum ähnlichen Schmalblättrigen Waldvögelein sind die cremefarbenen Blüten, die großen Tragblätter und die mehr oder weniger waagrecht stehenden Blätter.

Standort:
Das Weiße Waldvögelein ist eine Charakterart des Cephalanthero-Fagion, des Orchideen-Buchenwaldes. Es bevorzugt schattige bis halbschattige Laub- und Mischwälder, Waldränder, Gebüsche und kommt auch auf Halbtrockenrasen. Es wächst nur auf Kalk, kommt mitunter aber auch in den Buntsandsteingebieten an kalkgeschotterten Waldwegen vor.

Verbreitung und Bestandssituation:
In der Rhön ist das Weiße Waldvögelein die häufigste Cephalanthera-Art, sie kommt in den Kalkgebieten nahezu flächendeckend vor. Als Charakterart des Kalk-Buchenwaldes (Cephalanthero-Fagion) kommt es in diesen Biotopen ziemlich regelmäßig und auch häufig vor. Es wächst gleichermaßen in Buchen-, Misch- und Nadelwäldern, Saumgesellschaften und auch auf halbschattigen Halbtrockenrasen. Die dichtesten Bestände findet man in jungen Laubholz-Aufforstungen, die dieser Art ein temporär ökologisches Optimum bieten. Sogar in Gebieten mit saurem Untergrund siedelt sich das Weiße Waldvögelein manchmal an Waldwegen an, die mit Kalk geschottert sind. In den höchsten Berglagen ab 850 m kommt es nicht vor.

Gefährdung:
Aufgrund seiner Verbreitung und Häufigkeit ist das Weiße Waldvögelein in der Rhön gegenwärtig nicht gefährdet.

Hybride:
Cephalanthera damasonium × Cephalanthera longifolia (Cephalanthera × schulzei E.G. Camus, Bergon & A. Camus 1908), Weißes Waldvögelein × Schmalblättriges Waldvögelein. Selten, beispielsweise in der Thüringischen Rhön (Quelle: Horst Kümpel, Die wildwachsenden Orchideen der Rhön, 1996) oder jüngst im Bergwinkel (M. Raschka, schriftlich, 2008) nachgewiesen.

Mehr zum Weißen Waldvögelein:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Weißes Waldvöglein