Orchideen der Rhön:
Breitblättriges Knabenkraut – Dactylorhiza majalis

21. November 2008

» nächste Seite

 

Familie Orchidaceae
Gültiger Name Dactylorhiza majalis (Rchb.) P.F.Hunt & Summerh. 1965
Basionym Orchis majalis Rchb. 1828, nom. cons.
Synonyme Orchis latifolia var. majalis (Rchb.) Nyman 1882
Dactylorchis majalis (Rchb.) Verm. 1947
Dactylorhiza comosa subsp. majalis (Rchb.) P.D.Sell 1996
Dactylorhiza fistulosa H.Baumann & Künkele 1983, nom. illeg.
Deutsche Namen Breitblättriges Knabenkraut, Breitblättrige Fingerwurz
Blütezeit Ende April – Anfang Juni
Wuchshöhe 10 – 60 cm
Blütengröße 10 – 15 mm
Pflanzengesellschaften O Molinietalia
Florenelement westsubmediterran zentralsubmediterran pannonisch südatlantisch mittelatlantisch subatlantisch zentraleuropäisch
Rote Listen Deutschland: 3 (gefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: 3 (gefährdet)
Thüringen: 2 (stark gefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 53% der MTBl.-4tel
verschollen: 14%
Höhenverbreitung:
von ca. 180 m bis 900 m
Gefährdung:
3 (gefährdet)

 

 

 

 

 

 
Etymologie:
Dactylorhiza: von gr. δάκτυλος dactylos = Finger und ρίζα rhiza = Wurzel ; majalis: von lat. maialis = auf den Mai bezogen.

Merkmale:
Knabenkraut von kräftigem, stämmigem Wuchs. Die Pflanze blüht bereits auf, wenn sie noch niedrig ist und streckt sich erst während der Blütezeit. 3-9 am Stängel verteilte breite, oberseits kräftig gepunktete Laubblätter. Sehr dichte Blütenähre mit bis zu 50 Blüten. Die Tragblätter überragen die lebhaft purpurroten Blüten. Die seitlichen Sepalen sind schräg oder senkrecht aufgerichtet, die dreilappige Lippe ist breiter als lang und gewöhnlich nur im Mittelteil gezeichnet. Der Mittellappen ist etwas länger als die Seitenlappen. Sporn kegelförmig-zylindrisch, schräg abwärts gerichtet und meist kürzer als der Fruchtknoten.

Standort:
Naßwiesen, Sümpfe, auch Quell- und Flachmoore. Vorzugsweise auf basischen Böden (Kalk, Basalt), aber auch auf Silikatböden.

Verbreitung und Bestandssituation:
Noch vor wenigen Jahrzehnten war das Breitblättrige Knabenkraut eine der häufigsten heimischen Orchideen, ging aber in Folge von Drainage und Trockenlegung vieler Standorte sehr stark zurück. Trotzdem ist sie auch heute noch relativ oft anzutreffen. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt auf der Hohen Rhön, wo die Art in den Quellsümpfen sehr regelmäßig und meist in Gesellschaft von Trollblume und Wald-Läusekraut vorkommt. Seltener ist diese Art in den nordwestlichen Sandsteingebieten und in den trockeneren Gebieten am Rande der Fränkischen Platte.

Gefährdung:
Gegenwärtig ist diese Art in der Rhön noch kaum gefährdet. Insbesondere auf der Hohen Rhön erscheint der Fortbestand der Art durch die extensive Nutzung gesichert. Stärker bedroht ist die Art hingegen in tieferen Lagen, wo besonders viele Biotope durch landwirtschaftliche Intensivnutzung vernichtet wurden. Bei weiterer Biotopvernichtung kann sich der Gefährdungszustand der Art sehr schnell verschärfen. Die Roten Listen der Länder tragen der stark rückläufigen Entwicklung bereits Rechnung.


 
Hybriden:
Dactylorhiza majalis (Rchb.) P.F.Hunt & Summerh. × Dactylorhiza fuchsii (Druce) Soó
(Dactylorhiza × braunii Halacsy), Fuchs’ Knabenkraut × Breitblättriges Knabenkraut.
Eine der häufigeren Naturhybriden in der Rhön. Zerstreut an gemeinsamen Wuchsorten der Art, vor allem in Hangmooren der zentralen und östlichen Rhön.
Dactylorhiza majalis (Rchb.) P.F.Hunt & Summerh. × Dactylorhiza incarnata (L.) Soó
(Dactylorhiza × aschersoniana), Breitblättriges Knabenkraut × Fleischfarbenes Knabenkraut. Sehr selten, nur am südlichen Gebietsrand nachgewiesen (Malkmus 1994, 2006).

Problematik:
Das Breitblättrige Knabenkraut gilt nach heutigem Kenntnisstand als Sammelart, die aus hybridogenen Abkömmlingen von Fleischrotem Knabenkraut und Vertretern aus der Artengruppe des Gefleckten Knabenkrautes (Dactylorhiza maculata agg.) entstanden sein soll. Insgesamt präsentiert sich diese Art in unserer Gegend relativ einheitlich, mancherorts jedoch auch mit sehr lokalen Merkmalsausprägungen. Hingewiesen sei auf eine interessante Sippe im südlichen Kreuzberg-Gebiet, die morphologisch stark von der »normalen« Dactylorhiza majalis abweicht. Die Pflanzen unterscheiden sich in folgenden Merkmalen: Blütezeit etwas später; Wuchs im Durchschnitt viel kräftiger, nicht so gedrungen; Blütenfarbe nicht kräftig purpurn, sondern heller; Blätter breit, ungefleckt oder selten ganz schwach gefleckt und nicht in der Mitte, sondern eher am Ansatz am breitesten. Die Pflanzen dieser Populationen sind morphologisch relativ uniform. Die in unserer Gegend übliche Form des Breitblättrigen Knabenkrautes kommt in der Umgebung auch vor, aber kaum im unmittelbaren Kontakt zur genannten Sippe. Eventuell handelt es sich hierbei um eine stabilisierte Hybridsippe Dactylorhiza majalis × Dactylorhiza incarnata – in diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass es alte Fundangaben des Fleischfarbenen Knabenkrautes aus diesem Gebiet gibt. Andererseits könnten die wenigen auf den Kreuzberg bezogenen incarnata-Literaturangaben aber auch auf Verwechslungen mit eben dieser Lokalsippe zurückzuführen sein.

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Breitblättriges Knabenkraut