Orchideen der Rhön:
Braunrote Stendelwurz – Epipactis atrorubens

28. September 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Epipactis atrorubens (Hoffm.) Besser 1809
Basionym Serapias latifolia atrorubens Hoffm. 1804
Synonyme Serapias atrorubens (Hoffm.) Bernh. 1806
Epipactis latifolia var. atrorubens (Hoffm.) Coss. & Germ. 1861
Helleborine atrorubens (Hoffm.) Druce 1905
Epipactis atropurpurea Raf. 1810
Epipactis rubiginosa (Crantz) Gaudin ex W.Koch 1844
Deutsche Namen Braunrote Stendelwurz, Braunroter Sitter, Vanilleständel
Blütezeit Anfang Juni – Mitte Juli
Wuchshöhe 15 – 70 cm
Blütengröße 10 – 15 mm
Pflanzengesellschaften V Cephalanthero-Fagion
V Mesobromion
V Erico-Pinion
Florenelement ostmediterran submediterran pannonisch atlantisch subatlantisch zentraleuropäisch sarmatisch mittelsibirisch skandinavisch
Rote Listen Deutschland: * (ungefährdet)
Bayern: * (ungefährdet)
Hessen: * (gefährdet)
Thüringen: * (ungefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 49% der MTBl.-4tel
verschollen: 11%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 800 m
Gefährdung:
* (ungefährdet)

 

 

 

 
Etymologie:
Epipactis: Dieser Pflanzenname wurde von Theophrast, einem antiken griechischen Philosophen und Botaniker, geprägt. Er verwendete ihn jedoch für andere Pflanzen. Erst der Göttinger Botanik-Professor Johann Gottfried Zinn wandte ihn 1757 auf die Stendelwurze an. atrorubens: von lat. ater = schwarz, lat. rubens = rötlich.

Merkmale:
Pflanze mit 5-11 oft zweizeilig angeordneten Laubblättern, die in deutlichem Abstand zur Infloreszenz angeordnet sind, während die Internodien zwischen den Blättern ziemlich klein sind. Der Stängel ist violett überlaufen, während die eiförmigen, schräg nach oben stehenden Blätter meist dunkelgrün sind. Infloreszenz einseitswendig, oft schmal und hoch. Blüten weinrot und nickend, sehr angenehm nach Vanille duftend. Lippe zweigliedrig; Hypochil halbkugelig und innen dunkelrot, Epichil herzförmig mit zwei seitlichen runden und einem mittleren länglichen warzigen Höckern.

Standort:
Lichte Laub-, Misch- und Nadelwälder (gern Kiefernwälder), Gebüsche, auch Magerrasen. Besonders am Übergang von Halbtrockenrasen zu Wäldern. Auf sandigen und steinigen Böden mit teilweise extremer Trockenheit. Meist auf Kalk.

Verbreitung und Bestandssituation:
Die Braunrote Stendelwurz ist eine typische Art der Saumgesellschaften. Sie ist in den Kalkgebieten der Rhön nahezu lückenlos verbreitet und kommt teilweise auch in umfangreichen Beständen vor. Fast regelmäßig findet man sie in lichten Kiefernwäldern auf Kalk und am Rande von Kalkmagerrasen. Auf steilen Kalkhängen wurzelt sie manchmal im blanken Geröll.

Gefährdung:
In der Rhön gehört die Braunrote Stendelwurz zu den häufigeren Arten. Aufgrund ihrer großen ökologischen Toleranz ist sie gegenwärtig nicht gefährdet.

Variabilität:
Selten, aber lokal konstant treten gelbliche Farbvarianten auf (var. lutescens – beispielsweise im Bergwinkel, Rainer Merkel 2007 mündlich), vereinzelt auch weißlich-grüne (var. viridiflora).

Hybride:
Epipactis atrorubens × Epipactis helleborine (Epipactis × schmalhausenii K. Richter 1890), Braunrote Stendelwurz × Breitblättrige Stendelwurz. Sehr selten, bisher nur in der Thüringischen Rhön nachgewiesen. Beschreibung und Quelle: Horst Kümpel, Die wildwachsenden Orchideen der Rhön, 1996.

Mehr zur Braunroten Stendelwurz:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Braunrote Stendelwurz