Orchideen der Rhön:
Müllers Stendelwurz – Epipactis muelleri

12. Oktober 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Epipactis muelleri Godfery 1921
Basionym Epipactis muelleri Godfery 1921
Synonyme Helleborine muelleri (Godfery) Bech. 1936
Epipactis helleborine subsp. muelleri (Godfery) O.Bolòs 1987 publ. 1988
Deutsche Namen Müllers Stendelwurz, Müllers Sitter
Blütezeit Ende Juni – Ende Juli
Wuchshöhe 20 – 80 cm
Blütengröße 7 – 11 mm
Pflanzengesellschaften V Cephalanthero-Fagion
V Mesobromion
Florenelement westsubmediterran zentralsubmediterran südatlantisch mittelatlantisch südsubatlantisch südzentraleuropäisch pannonisch
Rote Listen Deutschland: * (ungefährdet)
Bayern: * (ungefährdet)
Hessen: * (ungefährdet)
Thüringen: * (ungefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 26% der MTBl.-4tel
verschollen: 10%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 700 m
Gefährdung:
* (ungefährdet)

 

 

 
Etymologie:
Epipactis: Dieser Pflanzenname wurde von Theophrast, einem antiken griechischen Philosophen und Botaniker, geprägt. Er verwendete ihn jedoch für andere Pflanzen. Erst der Göttinger Botanik-Professor Johann Gottfried Zinn wandte ihn 1757 auf die Stendelwurze an. muelleri: benannt nach dem westfälischen Lehrer und Botaniker Hermann Müller (1829-1883) aus Lippstadt. Er untersuchte blütenbiologische und biometrische Merkmale verschiedener Orchideensippen.

Merkmale:
Das typische Merkmal von Müllers Stendelwurz sind die 5-10 zweizeilig stehenden, lanzettlichen, sichelförmig gebogenen Blätter. Sie sind rinnig gefaltet, am Rande mehr oder weniger stark gewellt und werden nach oben hin tragblattähnlich. Blüten hängend, gelblichgrün, selten rötlich überlaufen. Hypochil der Lippe schüsselförmig, nektarführend, innen tiefrot. Epichil herzförmig bis dreieckig, breiter als lang und eher stumpf. In der vollständig geöffneten Blüte fehlen die Klebedrüsen der Pollinien, da sich die Orchidee selbst bestäubt. Anthere sitzend, Pollinien etwa zur Hälfte über die Narbe herausragend. Häufig sind Einzelblüten nicht vollständig resupiniert. Auffällig ist ein standortbedingter Dimorphismus: Pflanzen auf sonnigen Standorten zeichnen sich durch sehr stämmigen Wuchs, außergewöhnlich viele dicht stehende gelblichgrüne Laubblätter sowie im Verhältnis zur Gesamthöhe sehr lange Infloreszenzen aus; Waldpflanzen sind dagegen deutlich zierlicher und schlanker und haben dunklere Blätter.

Standort:
Licht bis halbschattig wachsend. Meist an Waldrändern, in Gebüsch- und Saumzonen, auch auf buschigen Magerrasen und unter freistehenden Bäumen. Auch in mehr oder weniger schattigen Kalkbuchenwäldern nicht selten. Auf mäßig trockenen kalkreichen Böden.

Verbreitung und Bestandssituation:
In der Rhön kommt diese Art in den Kalkgebieten teils häufig, teils zerstreut vor: Am häufigsten ist Müllers Stendelwurz im nordöstlichen Rhöngebiet von Geisa bis Ostheim, aber auch an den Kalkhängen der Kuppenrhön und der nördlichen Vorderrhön sowie entlang der Fränkischen Saale und im Bergwinkel hat sie gute Vorkommen. Sie meidet höhere Berglagen und ist an den Bergen der zentralen Rhön selten. Diese Art wurde zwar schon 1921 beschrieben, die Funde in der Rhön sind jedoch etwa erst seit den 1960er Jahren differenziert. Die zwischenzeitlichen Kartierungen haben aber ein relativ klares Verbreitungsbild dieses gut abgrenzbaren Taxons erbracht. Müllers Stendelwurz ist keine typische Waldpflanze, sie wächst hauptsächlich auf gehölzreichen Halbtrockenrasen, in lichten Mischwäldern und an Waldrändern. Als Art der Saumgesellschaften fand sie in der präindustriellen Kulturlandschaft beste Bedingungen, denn die bis ins 18. Jahrhundert übliche Hutewaldnutzung (Waldweide) kam ihren Standortansprüchen sehr entgegen. Heute findet man in ehemaligen Hutewäldern, die inzwischen durch dichten Baumwuchs ausgedunkelt sind, eine zierliche Schattenform der Müllers Stendelwurz. Diese ist sicherlich ohne taxonomische Relevanz ist, sondern als ökotypische Anpassung an veränderte Standortbedingungen zu verstehen.

Gefährdung:
Gegenwärtig ist die Art in der Rhön potentiell gefährdet, da sich ihre Standorte durch Sukzession und Ausdunklung schleichend verändern. Bis jetzt sind noch keine wesentlichen Bestandsrückgänge eingetreten.

Hybriden:
Epipactis muelleri × Epipactis helleborine (Epipactis × reinekei Bayer 1986), Müllers Stendelwurz × Breitblättrige Stendelwurz. Sehr selten, bisher bei Fulda (Helmer, Klüber 1998) sowie in der Thüringischen Rhön nachgewiesen (Quelle: Horst Kümpel, Die wildwachsenden Orchideen der Rhön, 1996).

Mehr zu Müllers Stendelwurz:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Müllers Stendelwurz