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Etymologie:
Epipactis: Dieser Pflanzenname wurde von Theophrast, einem antiken griechischen Philosophen und Botaniker, geprägt. Er verwendete ihn jedoch für andere Pflanzen. Erst der Göttinger Botanik-Professor Johann Gottfried Zinn wandte ihn 1757 auf die Stendelwurze an. palustris: von lat. paluster = sumpfig.
Merkmale:
Einzige im Sumpf wachsende Stendelwurz. Pflanze mit 4-8 graugrünen, etwas rinnigen länglich-lanzettlichen Laubblättern (etwa 8-15 cm lang und 2,5-4 cm breit). Infloreszenz 7-30blütig. Die relativ großen hängenden Blüten gehören zu den schönsten unter den heimischen Orchideen: Sepalen 8-11 mm lang, weit spreizend, außen weiß, innen bräunlich-violett. Petalen etwas kürzer, weiß mit rötlichem Grund. Lippe etwa 10-13 mm lang. Hypochil weiß mit roten Adern und zwei zentralen orangen Längsleisten. Epichil rundlich, weiß, am Grund mit zwei weißgelben länglichen Wulsten, am Rande gewellt.
Standort:
Feuchtwiesen, Quell-, Hang- und Flachmoore, sumpfige Stellen im Wald. Ausnahmsweise auch auf Halbtrockenrasen (Walter Malkmus 1994). Auf basenreichen Böden, meist auf Kalk.
Verbreitung und Bestandssituation:
Die Sumpf-Stendelwurz ist gegenwärtig nur noch lückenhaft verbreitet und besonders in den südlichen Gebieten selten geworden. Ursache ist die noch immer voranschreitende Vernichtung ihrer Standorte. Im Gebiet kommt diese Art insbesondere an den Unterhängen der Kalkberge vor, wo das Wasser am Quellhorizont zum Buntsandstein austritt, in den Flusstälern der Randgebiete auch in Talwiesen. Die größte Bestandsdichte ist in der thüringischen Rhön und an den Hängen der Hohen Rhön zu verzeichnen, in der Kuppenrhön ist sie bereits sehr selten geworden und in den restlichen Gebieten nahezu ausgestorben. Die verbliebenen Vorkommen in Feuchtwiesen, Quellmooren und Flachmooren sind mehr und mehr von Nutzungsaufgabe und Sukzessionsdruck gefährdet. Diese Lebensräume sind genauso von der extensiven Nutzung abhängig wie Halbtrockenrasen, aber erheblich schwerer zu pflegen (manuelle Herbstmahd). In intakten Lebensräumen bildet die Sumpf-Stendelwurz oft Massenbestände, in gestörten Habitaten wird sie durch den Wasserdost (Eupatorium cannabinum) sowie aufkommende Gehölze verdrängt. Erfreulich ist der Individuenreichtum mancher Standorte. In Großbeständen sind mitunter Exemplare zu finden, die höher als ein Meter wachsen (maximal 113 cm – gesehen in der Kuppenrhön 1994) und sehr reichblütige Infloreszenzen (bis über 30 Blüten) haben.
Gefährdung:
Aufgrund anhaltender Bestandsrückgänge ist die Sumpf-Stendelwurz bereits stark gefährdet. Die Situation könnte schnell prekär werden, da viele Wuchsorte durch nitratreiche Düngerfrachten aus umliegenden, landwirtschaftlich intensiv genutzten Arealen beeinträchtigt werden. Höherwüchsige, stickstoffliebende Pflanzen (vor allem der Wasserdost) verdrängen zusehends die konkurrenzschwächeren Epipactis palustris-Pflanzen. Auch die Biotoppflege gestaltet sich auf den nassen Hangsümpfen ziemlich problematisch.
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