Orchideen der Rhön:
Netzblatt – Goodyera repens

25. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Goodyera repens (L.) R.Br. in W.T.Aiton 1813
Basionym Satyrium repens L. 1753
Synonyme Epipactis repens (L.) Crantz 1769
Serapias repens (L.) Vill. 1787
Neottia repens (L.) Sw. 1800
Orchis repens (L.) Eyster ex Poir. in J.B.A.M.de Lamarck 1805
Peramium repens (L.) Salisb. 1812
Gonogona repens (L.) Link 1822
Goodyera pubescens var. repens (L.) Alph.Wood 1847
Elasmatium repens (L.) Dulac 1867
Orchiodes repens (L.) Kuntze 1891
Deutsche Namen Netzblatt, Kriechendes Netzblatt
Blütezeit Ende Juni – Ende Juli
Wuchshöhe 5 – 30 cm
Blütengröße 4 – 6 mm
Pflanzengesellschaften O Vaccinio-Piceetalia
Florenelement submeridional/montan temperat boreal
Rote Listen Deutschland: * (ungefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: 3 (gefährdet)
Thüringen: * (ungefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 14% der MTBl.-4tel
verschollen: 16%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 600 m
Gefährdung:
2 (stark gefährdet)

 

 

 

 
Etymologie:
Goodyera: benannt nach dem englischen Botaniker John Goodyer, der im 16./17. Jahrhundert in Oxford tätig war; repens: von lat. repens = kriechend.

Merkmale:
Zierliche Pflanze mit nahezu rosettig stehenden gestielten dunkelgrünen Laubblättern, deren Blattadern oft ein charakteristisches weißlichgrünes Netz bilden. Die kleinen weißen Blüten sind in einer schlanken einseits-wendigen oder leicht spiraligen Ähre angeordnet. Perigonblätter glockig zusammenneigend, außen drüsig behaart. Lippe etwa 4 mm lang, im hin-teren Teil bauchig, nach vorne rinnig, spitz auslaufend und abwärts gebogen. Die Pflanze wurzelt edaphisch in Moos und Humus. Sie vermehrt sich sehr stark vegetativ durch Seitentriebe des kriechenden Rhizoms. Ein solcher neuer Trieb wächst oft über Jahre hinweg bis zur Blüte heran und stirbt dann ab. Aufgrund dieser Eigenschaft ist das Netzblatt die einzige immergrüne heimische Orchidee.

Standort:
Moosreiche, mäßig feuchte bis mäßig trockene Nadelwälder, meist Kiefern- oder Lärchenwälder, seltener in Mischwäldern. Gerne an lichten oder halbschattigen Stellen, vorzugsweise auf basenreichen Böden (Kalk).

Verbreitung und Bestandssituation:
Diese Art ist in der Rhön höchstens in der Gegend von Meiningen angestammt, wo Kiefern natürlicherweise vorkommen, ansonsten konnte sie sich erst aufgrund der Aufforstungen verbreiten. Aus dem gesamten Rhöngebiet liegen nur wenige historische Nachweise des Netzblattes vor, obwohl es heute im östlichen Rhöngebiet nicht selten in lichten, moosigen und meist nordexponierten Kiefernwäldern auf Kalkböden vorkommt. Die aktuellen Funde liegen in einem großen Bogen vom Geisaer Land über das Streutal zur Fränkischen Saale (außerdem isolierte Fundorte im Bergwinkel). Ganz offensichtlich profitiert diese Art von den umfangreichen Kiefernaufforstungen im 19. und 20. Jahrhundert, dadurch unterliegt sie aber in besonderer Weise dem Sukzessionsdruck ihrer Lebensräume. Die Populationen erreichen ihr Optimum in etwa 40jährigen, relativ dicht bestockten Kiefernaufforstungen; wenn die Wuchsplätze dann aber zunehmend von Laubgehölzen unterwandert werden, nimmt der Bestand binnen weniger Jahre rapide ab. Da in den vergangenen Jahrzehnten kaum noch neue Aufforstungen vorgenommen wurden, muss beim Kriechenden Netzblatt ein zukünftiger Bestandsrückgang erwartet werden.

Gefährdung:
Aufgrund des bereits vorprogrammierten Bestandsrückganges ist diese Art in der Rhön stark gefährdet.

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Kriechendes Netzblatt