Orchideen der Rhön:
Dreizähniges Knabenkraut – Neotinea tridentata

15. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Neotinea tridentata (Scop.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase 1997
Basionym Orchis tridentata Scop. 1772
Synonyme Orchis variegata All. 1785
Deutsche Namen Dreizähniges Knabenkraut
Blütezeit Ende April – Ende Mai
Wuchshöhe 15 – 45 cm
Blütengröße 11 – 17 mm
Pflanzengesellschaften O Festuco-Sedetalia
V Mesobromion
V Molinietalia
Florenelement meridional submeridional temperat
Rote Listen Deutschland: 3 (gefährdet)
Bayern: – (nicht vorkommend)
Hessen: V (verbreitet)
Thüringen: 3 (gefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 4% der MTBl.-4tel
verschollen: 5%
Höhenverbreitung:
von ca. 300 m bis 600 m
Gefährdung:
1 (vom Aussterben bedroht)

 

 

 

 
Etymologie:
Neotinea: von gr. νέος neos = neu und dem Namen des sizilianischen Botanikers Tineo (1791-1856); tridentata: von lat. tri- = drei-, lat. dens = Zahn. Die Art wird erst seit jüngerer Zeit als Neotinea tridentata bezeichnet. Die Einordnung in die Gattung Neotinea erfolgte unter Berücksichtung phylogenetischer Gesichtspunkte. Auch das nah verwandte Brandknabenkraut wurde dort eingegliedert.

Merkmale:
Ziemlich kleines Knabenkraut mit schlankem Wuchs und kugeligem zart-rosarotem Blütenköpfchen. 3-5 bläulich-grüne Laubblätter, 4-12 cm lang, rosettig gedrängt oder auch am Stängel verteilt, 1-2 scheidige Blätter weiter oben am Stängel. Blütenstand annähernd kugelig, bei Optimalformen auch eiförmig, mit dicht gedrängten Blüten. Tragblatt etwa so lang wie der Fruchtknoten. Die Perigonblätter sind 8-13 mm lang, hell rosapurpurn mit dunkleren Adern und stehen als aufgelockerter Helm über der Lippe. Diese ist hellrosa bis weiß und dicht purpurrot gepunktet; 7-12 mm lang und 7-13 mm breit, am Rande gezähnelt und tief dreilappig, wobei der Mittellappen nochmals gespalten ist und ein Zähnchen zwischen beiden Enden trägt.

Standort:
Magerwiesen, Waldränder, lichte Wälder und Gebüsche, auf frischen bis mäßig trockenen Böden, ziemlich wärmeliebend. Meist auf basenreichen Böden, in Mitteldeutschland vorzugsweise auf Zechstein.

Verbreitung und Bestandssituation:
Das Dreizähnige Knabenkraut ist eine mediterrane Orchideenart, deren Hauptareal von Süden her bis an den Alpenrand und ins pannonische Becken reicht. Eigenartigerweise besiedelt sie im klimatisch völlig andersartigen Mitteldeutschland ein Teilareal weitab vom Hauptvorkommen, das wiederum streng auf Nordhessen, Ostwestfalen, Südniedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt beschränkt ist. Davon nochmals abgesetzt befinden sich einige Fundorte an der unteren Oder im brandenburgisch-polnischen Grenzgebiet.
In der Rhön ist das Dreizähnige Knabenkraut aktuell nur von wenigen Funden im thüringischen Gebietsteil bekannt. Hier, am Südwestrand des mitteldeutschen Teilareals, hat es nur vereinzelte, temporäre Vorkommen. Auch die früher in der Rhön bekannt gewordenen Fundorte liegen überwiegend am Rande des hessisch-thüringischen Verbreitungsgebietes, also in den nördlichen und nordöstlichen Rhöngebieten von Bad Hersfeld bis Meiningen. Historische Fundmeldungen stammen von der Grasburg, vom Dreienberg, vom Landecker und vom Kreuzberg bei Ransbach (z.B. Wigand & Meigen 1891, Kohl 1896) sowie von Schenklengsfeld (Neureuther undatiert). Die anderen Fundangaben gehören nicht mehr zum geschlossenen Areal: Giebelrain bei Dietershausen (Fuckel undatiert), Hohenzeller Berg bei Schlüchtern (Wigand & Meigen 1891, Kohl 1896). Keiner dieser Funde konnte in jüngerer Zeit bestätigt werden, und manche Autoren wie beispielsweise Goldschmidt und Großmann haben die Richtigkeit der Angaben angezweifelt.
In der Nachkriegszeit wurde die Art bei Jüchsen (Kaiser 1963), bei Bad Königshofen (A. Seul, 1970er Jahre), bei Rasdorf (Bohn 1981) und, weitab von den anderen Fundpunkten, im Werntal (W. Malkmus 1994) gefunden. Letzeres Vorkommen war aber nur von kurzer Dauer, und man geht von einer Ansalbung aus. In der Thüringer Rhön konnten jüngst wieder einzelne Nachweise erbracht werden, so zum Beispiel 1996 / 97 von M. Beck.
Betrachtet man die Fundmeldungen in der Summe, so läßt sich eine Kontinuität von Einzelfunden an verschiedenen Orten außerhalb des eigentlichen Verbreitungsgebietes feststellen. Insofern können auch die älteren Fundangaben durchaus als wahrscheinlich angesehen werden, wenngleich Fehlbestimmungen im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden können.

Gefährdung:
In der Rhön ist das Dreizähnige Knabenkraut aktuell nur von wenigen Vorkommen im Thüringer Gebietsteil bekannt. Bislang wurden an den Rhöner Fundorten nur einzelne Pflanzen gefunden, die zunächst als Gastvorkommen zu werten sind; somit ist das Dreizähnige Knabenkraut bei uns vom Aussterben bedroht. Dies gilt nicht für die Vorkommen im unmittelbar angrenzenden Zechsteingebiet des Werratals bei Bad Salzungen, denn hier befinden sich individuenreiche und vitale Populationen der Art.

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Dreizähniges Knabenkraut