Orchideen der Rhön:
Fliegen-Ragwurz – Ophrys insectifera

10. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Ophrys insectifera L. 1753
Basionym Ophrys insectifera L. 1753
Synonyme Orchis insectifera (L.) Crantz 1769
Ophrys myodes (L.) Jacq. 1781, nom. illeg.
Deutsche Namen Fliegen-Ragwurz, Insekten-Ragwurz
Blütezeit Anfang Mai – Ende Juni
Wuchshöhe 15 – 50 cm
Blütengröße 14 – 18 mm
Pflanzengesellschaften V Mesobromion
V Geranion sanguinei
V Erico-Pinion
Florenelement westmediterran ostmediterran westsubmediterran zentralsubmediterran pannonisch atlantisch subatlantisch zentraleuropäisch sarmatisch skandinavisch
Rote Listen Deutschland: 3- (gefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: 3 (gefährdet)
Thüringen: * (ungefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 44% der MTBl.-4tel
verschollen: 15%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 800 m
Gefährdung:
3 (gefährdet)

 

 

 

 
Etymologie:
Ophrys: von gr. όφρύς ophrys = Augenbraue; insectifera: von lat. insectum = Insekt und lat. fero = ich trage, also insektentragend.

Merkmale:
Schlanke Pflanze mit 2-5 länglich-lanzettlichen Laubblättern, die meist als undeutliche Rosette angeordnet sind. Blütenstand sehr locker, aber reichblütig (bis über 20 Blüten). Tragblatt länger als der Fruchtknoten. Blüten mit eiförmigen, grünen Sepalen und fadenförmigen dunkelbraunen Petalen. Lippe länglich, 6-10 mm lang; samtig, braun, aber oft mit rötlichem Einfluß; tief dreilappig, wobei der Mittellappen nochmals gespalten ist. Stahlblau-violett schimmerndes Mal in der Lippenmitte, Basalfeld kaum ausgeprägt. Säulchen rötlich, ungeschnäbelt, vorne abgerundet.

Standort:
Magerrasen, Gebüsche, Waldränder, lichte Kiefern- oder auch Buchenwälder. Auf trockenen bis mäßig feuchten Böden, stets auf Kalk. Im Gegensatz zu den anderen mitteleuropäischen Ragwurz-Arten auch in höheren Lagen.

Verbreitung und Bestandssituation:
In der Rhön zählt die Fliegen-Ragwurz – ähnlich wie die Mücken-Händelwurz – zu den fast regelmäßig anzutreffenden Pflanzenarten auf Kalk-Halbtrockenrasen und in lichten Nadelwäldern. In allen Kalkgebieten der Rhön ist sie anzutreffen, die größten Populationen sind in mittleren Höhenlagen von etwa 350 bis 500 m angesiedelt, in der Hohen Rhön erreicht sie knapp 800 m, hier ist sie aber selten. Die insgesamt noch gute Bestandssituation soll nicht über die bereits rückläufige Tendenz hinwegtäuschen: auch die Fliegen-Ragwurz ist von Nutzungsaufgabe und Verbuschung der Halbtrockenrasen betroffen, wenngleich sie in ökologisch suboptimalen Habitaten lange überdauern kann (gelegentlich sind Einzelexemplare auch im Buchenwald zu finden).

Gefährdung:
In der Rhön ist die Art trotz guter Bestände gefährdet, da bereits beträchtliche Bestandsrückgänge zu verzeichnen sind.

Variabilität:
Blütenform und -färbung sind recht variabel. Sehr selten sind in der Rhön grünblütige Pflanzen (var. virescens) gefunden worden.
 


 
Hybriden:
Ophrys insectifera × Ophrys araneola
(Ophrys × apicula J. C. Schmidt 1851),
Fliegen-Ragwurz × Kleine Spinnen-Ragwurz.
Sehr selten, bisher an zwei Fundorten im Bereich des Saaletals nachgewiesen. Zumindest an einem der Fundorte höchstwahrscheinlich anthropogen.
Weitere Hybriden wurden in der Rhön angesalbt oder künstlich erzeugt:
Ophrys insectifera × Ophrys apifera
(Ophrys × pietzschii Kümpel 1971),
Fliegen-Ragwurz × Bienen-Ragwurz;
Ophrys insectifera × Ophrys fuciflora
(Ophrys × devenensis Rchb. f. 1851),
Fliegen-Ragwurz × Hummel-Ragwurz;
Ophrys insectifera × Ophrys sphegodes
(Ophrys × hybrida Pokorny 1851),
Fliegen-Ragwurz × Große Spinnen-Ragwurz
Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Fliegen-Ragwurz