Präsentation der neuen Orchideen-Broschüre

25. Februar 2008

Pressenotiz des Biosphärenreservates Rhön:
 

Zu einer Vortragsveranstaltung mit Präsentation der neuen Broschüre »Orchideen in der Rhön und ihre Lebensräume schützen – pflegen – bewahren« hatte der Landkreis Fulda, Fachdienst Biosphärenreservat Rhön, in das Groenhoff-Haus Wasserkuppe eingeladen.
Über 50 Orchideenfreunde konnte der Kreistagsvorsitzende und stellvertretende Landrat Franz Rupprecht zu dieser Veranstaltung begrüßen. In seinem Grußwort wies er darauf hin, dass der Natur- und Artenschutz im Landkreis Fulda – nicht zuletzt durch die große Dichte an Naturschutzgebieten – eine große Bedeutung habe. Rupprecht ist überzeugt, dass die neue Broschüre eine gute Anregung darstellt, mit Freude die Natur zu erleben und dass mit dem Produkt auch ein wichtiger Bildungsaspekt verbunden ist. Kaum jemandem ist bewusst, wie viele Orchideenarten die Rhön beheimatet.
Als Autor für die 36-seitige Broschüre hatte das Biosphärenreservat den Orchideenexperten Marco Klüber gewonnen. Klüber, der auch im ehrenamtlichen Arbeitskreis der Rhönbotaniker aktiv mitarbeitet, entführte mit seinem Vortrag und brillanten Bilder die Zuschauer in die faszinierende Welt der heimischen Orchideen. 43 Arten zählt die Rhön gegenwärtig. Dies ist für Mitteleuropa eine außerordentliche Vielfalt, die darin begründet liegt, dass im Bereich des Rhöngebirges Orchideen aus verschiedenen Klimazonen zusammentreffen. So findet man hier nicht nur die typischen mitteleuropäischen Arten, sondern auch solche, die hauptsächlich in borealen Zonen der Nordhalbkugel und in den Gebirgen vorkommen. Außerdem gibt es eine Reihe von Orchideen, die aus dem Mittelmeerraum eingewandert sind. Diese submediterranen Arten sind derzeit, wohl aufgrund des Klimawandels, auf dem Vormarsch. Dagegen gehen die nordisch-alpinen Arten drastisch zurück. Manche Arten kommen nur noch mit einzelnen wenigen Individien vor und stehen kurz vor dem Aussterben.
Klüber macht deutlich, dass den Orchideen eine
Schlüsselrolle im botanischen Artenschutz zukommt. Sie verkörpern die Schönheit und den Reichtum unserer Umwelt, sie sind Bioindikatoren für den Zustand unserer Natur und ihr Schutz hat positive Auswirkungen auf den gesamten Lebensraum. Deutlich gemacht wurde auch die starke Abhängigkeit von der Bewirtschaftung der Landschaft. Erst die Schaffung großflächigen Offenlandes ermöglichte einer Reihe von Orchideen das Vordringen in das frühere Waldland. Das Kleine Knabenkraut ist solch eine typische Wiesenorchidee. Auch das Brand-Knabenkraut und die Mücken-Händelwurz gehören dazu. Beeindruckend sind die teilweise großen Bestände des Manns-Knabenkrautes auf extensiv genutzten Bergwiesen. Auf den Kalk-Halbtrockenrasen finden sich Orchideen wie das Helm-Knabenkraut oder das Purpur-Knabenkraut sowie eine Reihe von Ragwurzarten. Der aufmerksame Betrachter findet aber auch in unseren Buchenwäldern Orchideen wie die Grünliche Waldhyazinthe oder die Stendelwurzarten. Auch der Frauenschuh findet vereinzelt noch ein Refugium. Ein anderer interessanter Orchideenstandort sind die Kiefernwälder. Hier wachsen zum Beispiel bevorzugt die Waldvögelein-Arten.
In seinem Vortrag macht Klüber deutlich, wie sehr die heimischen Orchideen auf gezielte Naturschutz- und Pflegemaßnahmen angewiesen sind. »Viele unserer Orchideen sind existenziell von der Pflege ihrer Habitate abhängig. Dies betrifft insbesondere die Arten der Halbtrockenrasen und Wiesen, die als Kulturfolger unserer Landschaft Fuß fassen konnten«. Klüber fordert in seinem Vortrag ehrenamtliche Naturschützer und staatliche Stellen auf, beim Schutz dieser »Edelsteine unter den Blumen« Hand in Hand zu arbeiten. Abschließend dankt Otto Evers vom Biosphärenreservat Rhön Herrn Klüber für sein außerordentliches ehrenamtliches Engagement, ohne das die vorliegende Broschüre nicht möglich gewesen wäre.

(22. Februar 2008, Martin Kremer)
 

» mehr Informationen zur neuen Broschüre
» Download der Broschüre (pdf – 3,2 MB)

Für einen kleinen Streifzug durch die bunte Welt der heimischen Orchideen starten Sie die Bildgalerie mit ‘klick’ auf eines der Vorschaubilder:

Cypripedium calceolus, Frauenschuh. Die bekannteste heimische Orchidee, wächst in Bergwäldern und in lichten Kiefernwäldern.Cypripedium calceolus, der Frauenschuh, ist auch in der Rhön sehr selten geworden.Corallorrhiza trifida, Korallenwurz, eine unscheinbare Orchideenart der Kalk-Buchenwälder. Die seltene Orchidee blüht als eine der ersten bereits Anfang Mai.Neottia nidus-avis, die Nestwurz, zwischen Blüten der Akelei.Neottia ovata, das Große Zweiblatt, ist eine der häufigeren Orchideen. Sie kommt in sehr unterschiedlichen Habitaten vor.Cephalanthera damasonium, das Weiße Waldvögelein, ist eine der Charakterarten des Cephalanthero-Fagion (Orchideen-Buchenwald).Cephalanthera longifolia, das Schwertblättrige Waldvögelein, kommt sehr selten in Berglagen auf Basalt sowie in termophilen Wäldern der Rhön-Randgebiete vor.Cephalanthera rubra, das Rote Waldvögelein, sicherlich eine unserer attraktivsten heimischen Orchideen.Epipactis palustris, die Echte Sumpfwurz, gehört zu den am stärksten bedrohten heimischen Orchideen. Sie wächst in Kalk-Niedermooren, ihre Vorkommen sind meist räumlich sehr begrenzt.Epipactis atrorubens, die Braunrote Stendelwurz, kommt vorzugsweise an halbschattigen Standorten auf Kalkgestein vor.Epipactis microphylla, die Kleinblättrige Stendelwurz, ist eine sehr unscheinbare und seltene Art der Kalk-Buchenwälder. Die Rhön ist ein wichtiges Verbreitungsgebiet dieser Art in Deutschland.Epipactis purpurata, die Violette Stendelwurz, kommt gern in humosen, tiefgründigen Wäldern vor.Epipactis helleborine, die Breitblättrige Stendelwurz, gehört zu den häufigeren Arten und ist hinsichtlich ihrer Blütengestalt und -färbung sehr variabel.Epipactis leptochila, die Schmallippige Stendelwurz, eine seltene Vertreterin der Wald-Orchideen. Sie bevorzugt sehr schattige nordseitige Standorte.Anacamptis morio, das Kleine Knabenkraut, war früher eine weit verbreitete Wiesenorchidee. Mit der landwirtschaftlichen Intensivierung wurde sie rapide seltener.Anacamptis pyramidalis, die Pyramiden-Orchidee, wurde 1969 zum ersten Mal im Gebiet nachgewiesen. Inzwischen sind einige Neufunde bekannt geworden, doch tritt diese Art meist unstet und singulär auf.Ophrys insectifera, die Fliegen-Ragwurz, gehört zu den charakteristischsten Arten der Kalk-Halbtrockenrasen. Ihre Blüten locken Grabwespen-Männchen an.Ophrys apifera, die Bienen-Ragwurz, bestäubt sich selbst. So konnte sie sich auch bei uns in Mitteleuropa etablieren, obwohl ihr Bestäubungsinsekt hier gar nicht vorkommt.Ophrys fuciflora, die Hummel-Ragwurz, kommt aktuell nur in sehr wenigen Exemplaren vor. Sie erreicht in der Rhön momentan die absolute Nordostgrenze ihrer natürlichen Verbreitung.Ophrys sphegodes, die Große Spinnen-Ragwurz, ist nur an wenigen Fundorten in den wärmsten Gebieten der Rhön entdeckt worden.Ophrys araneola, die Kleine Spinnen-Ragwurz, dringt von Südwesten her bis in die warmen Randgebiete der Rhön vor.Himantoglossum hircinum, die Bocks-Riemenzunge, ist eine der auffälligsten heimischen Orchideen. Sie ist zwar selten, aber momentan stark in Ausbreitung begriffen.Neotinea tridentata, das Dreizähnige Knabenkraut, ist eine mediterrane Orchidee mit isoliertem Teilareal in Deutschland. Sie dringt von Nordosten her an den Rand der Rhön vor.Neotinea tridentata, das Dreizähnige Knabenkraut. Ihre kleine Blütenkugel trägt die Freude des Frühlings in sich.Neotinea ustulata, das Brand-Knabenkraut, wächst selten auf Bergwiesen am Rand der Hohen Rhön und im südwestlichen Randgebiet.Neotinea ustulata, das Brand-Knabenkraut, ist aufgrund seiner charakteristischen dunkelbraunen Kappe kaum zu verwechseln.Orchis mascula, das Manns-Knabenkraut, ist die vielleicht typischste Rhön-Orchidee. Sie wächst gern auf Halbtrockenrasen über Basalt und Kalk.Orchis mascula, das Manns-Knabenkraut, hier in einer weißen Farbvariante.Orchis x loreziana, die Hybride zwischen Manns- und Blassem Knabenkraut, hier unter Beteiligung der weißen Farbvariante von Orchis mascula.Orchis pallens, das Blasse Knabenkraut, kommt in der Rhön nur in den Muschelkalkgebieten um Meiningen vor.Orchis anthropophora, der Ohnsporn, wächst sehr selten auf sonnigen Hügeln der Kuppenrhön.Orchis x spuria, die farbenprächtige Hybride von Ohnsporn und Helm-Knabenkraut.Orchis militaris, das Helm-Knabenkraut, ist vorwiegend im südlichen Gebietsteil anzutreffen.Orchis x hybrida, die prachtvolle Hybride von Helm- und Purpur-Knabenkraut.Orchis purpurea, das Purpur-Knabenkraut, auf einem gepflegten Kalk-Halbtrockenrasen der Kuppenrhön.Orchis purpurea, das Purpur-Knabenkraut, hier in einer weißen Farbvariante.Gymnadenia conopsea, die Mücken-Händelwurz, ist im Sommer recht oft auf den Kalk-Halbtrockenrasen anzutreffen.Dactylorhiza incarnata, das Fleischfarbene Knabenkraut, ist eine sehr seltene Art in den Feuchtwiesen der Täler.Dactylorhiza viridis, die Grüne Hohlzunge, kommt im Bergwinkel in schönen, vitalen Beständen vor.Dactylorhiza majalis, das Breitblättrige Knabenkraut, eine Art der Sümpfe und Feuchtwiesen.Dactylorhiza fuchsii, Fuchs' Knabenkraut, kommt oft an Straßenrändern vor.Platanthera bifolia, die Zweiblättrige Waldhyazinthe, ist eine eher seltene Art der Bergwiesen auf Basalt.Pseudorchis albida, das Weißzüngel, ist eine hauptsächlich alpin verbreitete Orchideenart und in den Mittelgebirgen äußerst gefährdet - so auch in der Rhön.Herminium monorchis, die Honigorchis, hat in den Enzian-Schillergrasrasen der Rhön überregional bedeutende Vorkommen.Herminium monorchis, die Honigorchis, gehört zu den kleinsten heimischen Orchideenarten.Spiranthes spiralis, die Herbst-Wendelähre, unsere am spätesten blühende Orchideenart.Spiranthes spiralis, die Herbst-Wendelähre, kommt nur noch im Rhön-Randgebiet an sehr wenigen Standorten vor.Goodyera repens, dsa Kriechende Netzblatt, wächst in moosigen Kiefernforsten. Es ist unsere einzige immergrüne Orchideenart.Goodyera repens, das Kriechende Netzblatt, bevorzugt die trockeneren östlichen Gebiete der Rhön.

Ein Kommentar zu “Präsentation der neuen Orchideen-Broschüre”

  1. Konstanze


  2. Hallo ich möchte euch sagen das ihr super Orchideen Bilder hier rein gemacht habt.
    ich habe leider nur 10 Orchideen, und noch lange nicht so wunder schöne wie ihr sie habt.
    da ich auch Anfängerin bin. würde mich über gute Tips Ratschläge sehr freuen.
    auf eine Antwort freue ich mich auch sehr.
    es grüsst euch Konstanze

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