Provence

20. Januar 2008

Die Provence – der Midi, der Süden Frankreichs, reicht von den Alpen bis zur Küste des Mittelmeeres. Diese unglaublich vielfältige und faszinierende Landschaft zieht seit jeher Reisende in ihren Bann, und Künstler ließen sich vom besonderen Licht der Provence inspirieren. Die provenzalische Landschaft, Kunst, Natur und natürlich auch die Küche haben auch für den heutigen Reisenden nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.
 
Südwärts reisen, gemeinsam mit dem Mistral: an Lyon vorbei führt die Fahrt an der Rhône entlang geradeaus in den Midi, den Süden Frankreichs. Bei Valence beginnt die Provence. Hinter Avignon baut sich im unteren Rhônetal die Hügelkette der Alpilles vor dem küstennahen Flachland auf. Sie steht quer zum kalten, starken Luftstrom des Mistral, der zwar strahlend blauen Himmel garantiert, aber auch mit konstanter Geschwindigkeit bläst. Zwischen den Felsen der Alpilles kann der Luftstrom so stark beschleunigt werden, dass Rucksäcke, Personen und kleinere Steine bergauf geweht werden – wir haben es am eigenen Leib erfahren. Die Kalkkette der »kleinen Alpen« bietet eine reiche mediterrane Pflanzen- und Tierwelt. Zahlreiche Orchideenarten wie das Riesenknabenkraut Himantoglossum robertianum, der Dingel Limodorum abortivum und die Oster-Ragwurz Ophrys passionis sind in den Garigues am Fuß der Felshügel anzutreffen.
 
Der schöne Ort Eygalières ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren durch die Alpilles. Eine lohnende Wanderung führt über die Bergkette hinüber nach St-Rémy mit der Römersiedlung Glanum. Ein wenig außerhalb von Eygalières steht die romanische Kapelle St-Sixte, eingerahmt von Zypressen und Olivenbäumen. Sie wurde auf den Ruinen eines römischen Janustempels errichtet. Das kleine, archaische Bauwerk gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der gesamten Provence.
 
Die Festung Les Baux, auf einen Kalkfelsen der südlichen Alpilles gebaut, wurde im Mittelalter von einem mächtigen Adelsgeschlecht beherrscht. Am Fuß der Burganlage entstand der kleine Ort Les Baux, der später von Protestanten besiedelt und dann im 17. Jh im Zuge der Hugenottenverfolgung geschleift wurde. Erst mit dem aufkommenden Tourismus kehrte wieder Leben in die Ruinenstadt ein, die heute zu den bekanntesten Ausflugszielen der Gegend gehört.
 

 

 
Der Höhenzug der Alpilles findet seine Fortsetzung jenseits des Flusstales der Durance im Lubéron. Die Landschaft ist geprägt von karstigen Plateaus und tief eingeschnittenen Schluchten. Auf einem Ausläufer des Kleinen Lubéron liegt die Burg und das Dorf Oppède-le-Vieux, das – ähnlich wie Les Baux – verfallen war und seit etwa 1900 von Künstlern neu besiedelt wurde. Von hier führt eine Wanderung in die eindrucksvolle Comté-Schlucht und über die Hochflächen des Lubéron. Eindrucksvoll ist der Blick über die Vaucluse bis zum Mont Ventoux.
 
Auf einer Hügelkuppe des östlichen Lubéron liegt das Dorf Bonnieux, dessen Häuser sich sehr malerisch um die Kirche scharen. Ein Wirrwarr von schmalen Gassen und Treppen überwindet die erheblichen Höhendifferenzen.
 
Der Lubéron ist bekannt für seine Ockervorkommen. Hier wurden Farbpigmente besonders hoher Qualität gewonnen. In in Rustrel und Roussillon sind die ehemaligen Ockerbrüche heute zugänglich. Die Erosion hat aus dem weichen Ocker interessante Formationen gebildet. Das Dorf Roussillon steht ganz im Zeichen des Ockers und ist touristisch einer der frequentiertesten Orte im Gebiet.
 
Das Dorf Fontaine-de-Vaucluse, im 11. Jahrhundert Wohnort des Dichters Petracra, bietet eine ganz besondere Natursehenswürdigkeit. Am Fuß einer über 200 m hohen Felswand entspringt der Fluß Sorque in einem See, dessen Wasserstand je nach Zufuhr stark schwankt. Der berühmte Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau erforschte das Quell- und Höhlensystem, und erst 1985 konnte geklärt werden, woher die immense Wassermenge stammt, die hier zutage tritt. Ein unterirdisches Becken sammelt Wasser vom Mont Ventoux, aus der Montagne de Lure und aus der Vaucluse, und der Siphon der Wasseransammlung reicht in 308 m Tiefe.
 
Unweit von Fontaine-de-Vaucluse liegt das Städtchen Gordes auf einer Anhöhe der Vaucluse mit weitem Ausblick über das Land. Neben seinem malerischen Stadtkern bietet Gordes noch zwei andere Sehenswürdigkeiten, nämlich die romanische Abtei Sénanque und die Bories, mörtellos gemauerte Steinhäuser.
 
In Aix-en-Provence, dessen Name aus dem römischen Aquae Sextiae Salluviorum abgeleitet ist, lebte Paul Cézanne (1839-1906), einer der Wegbereiter moderner Malerei. Er ließ sich vom unvergleichlichen Licht seiner Heimat inspirieren und malte die Montagne Ste-Victoire hundertfach. Der eindrucksvolle Bergrücken erhebt sich jäh aus der Ebene und bietet eindrucksvolle Ausblicke vom Mittelmeer bis in die Savoyischen Hochalpen. Eine schöne Tour führt vom Lac du Bimont auf den Gipfel.
 
Im Hinterland der südlichen Provence gründeten 1136 Zisterziensermönche eine Abtei, die wenig später an den heutigen Ort verlegt wurde: Le Thoronet. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie während der Französischen Revolution aufgelöst. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte eine grundlegende Restaurierung, bei der man den ursprünglichen Bauzustand wiederherstellte. Die Architektur der Abtei, ganz besonders aber der schlichte Innenraum der Abteikirche, folgt ganz den Idealen der zisterziensischen Architektur. Sie verzichtet ganz auf Schmuckelemente – allein die kraftvolle Architektur und der sorgfältig bearbeitete Stein schafft eine würdevolle monastische Atmosphäre.
 
Die Landschaft in der Haute-Provence ist viel rauer und wilder als in Küstennähe. Hier grenzt die Provence direkt an die Alpen. Insbesondere das Tal der Durance, rund um Sisteron, bietet eindrucksvolle Landschaftseindrücke, eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt und interessante Baudenkmäler.
 
Im Hochland der Provence tut sich zwischen Castellane und dem Lac du Sainte-Croix eine gewaltige Furche auf: der Grand Canyon du Verdon, eine 20 km lange und 700 m tiefe Schlucht. Das türkisblaue Wasser des Verdon hat sich seinen Weg durch die Kalkschichten gebahnt. Zwei Panoramastraßen (Rive Gauche und Rive Droite) bieten imposante Blicke in den gähnenden Schlund und auf das Band des Flusses. Vom Lac de Sainte-Croix aus kann man sogar mit dem Tretboot in die Schlucht einfahren, bis die Strömung so stark wird, dass man nicht mehr voran kommt.
 

 
Die Haute-Provence bietet einer großen Zahl an Pflanzen und Tieren Lebensraum, darunter auch zahlreichen Orchideenarten. Ein botanisches Hightlight ist Spitzels Knabenkraut Orchis spitzelii, eine Orchideenart mit vorwiegend mediterran-montaner Verbreitung. Jedoch hat sie kein geschlossenes Verbreitungsgebiet, sondern ein disjunktes Areal mit zum Teil sehr weit auseinander liegenden Fundorten. Gewisse Verbreitungsschwerpunkte liegen am französischen und italienischen Alpenrand sowie in den iberischen Hochgebirgen. Weiterhin kommt die Art weitab vom Hauptareal auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland vor. In der Gegend des Verdon fanden wir diese schöne und merkwürdige Pflanze in einem lichten, nordexponierten Kiefernwald zwischen flechtenbewachsenem Totholz.
 
Auch die Ragwurze sind in der Haute-Provence mit einigen bemerkenswerten Arten vertreten: Eine regionale Besonderheit stellt die Durance-Ragwurz Ophrys druentica dar, eine großblütige Vertreterin der Hummel-Ragwurze, die erst vor kurzem als eigene Art beschrieben wurde. Auch die kleinblütige Ophrys linearis, aufgrund ihrer Variabilität manchmal nicht leicht zu bestimmen, ist am Verdon häufiger anzutreffen.
 

Bildstrecke: Unterwegs in der Provence

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Die Farben der Provence, versammelt auf allerlei PostkartenBlick von der Burg Eygalières zum Kamm der AlpillesKapelle St-Sixte bei EygalièresDie Kapelle St-Sixte, etwas außerhalb der Ortschaft Eygalières gelegen, steht auf Fundamenten eines heidnischen Silvanustempels.Landschaft bei EygalièresKirche in St-Rémy-de-Provence. Der Ort ist bekannt für seine Römersiedlung Glanum.Die Festung Les Baux, auf einen Kalkfelsen der südlichen Alpilles gebaut, wurde im Mittelalter von einem mächtigen Adelsgeschlecht beherrscht. Im kleinen Ort Les Baux fanden Hugenotten Zuflucht.Abend auf der Festung Les Baux. Die Hugenottensiedlung wurde geschleift und verfiel, heute leben vor allem Künstler in der Bergstadt.Blick von Les Baux über die Landschaft der AlpillesBlick vom Lubéron zum Mont VentouxUnterwegs auf dem Petit LubéronDie Comté-Schlucht bei Oppède-les-Vieux im Petit LubéronIn der Comté-SchluchtBonnieux im LubéronDer Ort Roussillon, auf einer Anhöhe im Kleinen Lubéron gelegen, ist bekannt für seine Ockerbrüche.  Die gewonnenen Farbpigmente prägen auch die Fassaden der Ortschaft.Ocker bei RoussillonOcker bei RoussillonDie Quelle der Sorgue in Fontaine de Vaucluse ist eine Karstquelle, die von unterirdischen Zuflüssen gespeist wird.  Je nach Wasserstand steht der Feigenbaum im Wasser oder nicht.Die Stadt Gordes auf einem Ausläufer des Vaucluse-PlateausGordes in der Vauclusein Gordesin Gordesin GordesTreppe in GordesAbtei Sénanque bei GordesMauer auf der Zitadelle von Mornas im RhônetalLac du Bimont mit Montagne de Ste-Victoire. Paul Cézanne malte seinen Lieblingsberg aus dieser Perspektive hundertfach.Blick vom Croix de Provence über den Gipfelkamm der Montagne de Ste-VictoireMontagne de Ste-VictoireParaglider über der Südwand der Montagne de Ste-VictoireDie Zisterzienserabtei Le Thoronet wurde 1136 in der Abgeschiedenheit der südlichen Provence gegründet und wenig später an ihren heutigen Ort verlegt. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie während der Französischen Revolution aufgelöst.Abbaye du Thoronet, Kreuzgang. Im 19. Jahrhundert wurde die Abtei rekonstruiert.Der schlichte Innenraum der Abteikirche Le Thoronet folgt ganz den Idealen der kraftvollen, schlichten zisterziensischen Architektur.Abbaye du Thoronet, RefektoriumBelgentierSisteronFelsen bei SisteronProvenzalische Erde im Tal der DuranceGorges du VerdonTiefblick vom Belvédère in die Schlucht des Verdon.das türkise Wasser des Verdon hat sich seinen Weg durch die Kalkfelsen gebahnt

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Flamingos in der CamargueSchmetterlingshaft (Ascalaphus libelluloides), ein räuberisches Insekt, charakteristisch für mediterrane Trockenstandorte.Segelfalter (Iphiclides podalirius) an einer Spornblume.Astlose Graslilie (Anthericum liliago) in den Alpilles.Weißer Affodill (Asphodelus albus) in der Nähe von Aix-en-Provence.Gelbliche Zwergiris (Iris lutescens) an der Montagne de Ste-Victoire.Binsenblättrige Narzisse (Narcissus assoanus) auf den karstigen Hochflächen des Kleinen Lubéron.Glocken-Lein (Linum campanulatum) in den Garigues der Alpilles.Binsenlilie (Aphyllanthes monspeliensis), eine häufige Art an Straßenrändern und in den Garigues.Kugelblume (Globularia spec.) in den Alpilles.Eingerollte Schachblume (Fritillaria involucrata) in einem Laubwald bei Aix-en-Provence.Weißliche Zistrose (Cistus albidus), eine häufige Art der Macchia. Ihr Name bezieht sich auf die filizigen Blätter.Stern-Klee (Trifolium stellatum), gefunden im Durance-Tal.Schleifenblume (Iberis spec.) am Montagne de Ste-Victoire.Riesenknabenkraut oder Roberts Mastorchis (Himantoglossum robertianum oder Barlia robertiana). Ein prächtiger Bestand in der Nähe von Eygalières, vor der Kulisse der Alpilles.Riesenknabenkraut oder Roberts Mastorchis (Himantoglossum robertianum oder Barlia robertiana), Anfang April mit leichten Frostschäden.Riesenknabenkraut oder Roberts Mastorchis (Himantoglossum robertianum oder Barlia robertiana), gefunden bei Eygalières in den Alpilles.Gefleckte Waldwurz oder Keuschorchis (Neotinea maculata), aufgenommen an der Montagne de Ste-Victoire.Manns-Knabenkraut (Orchis mascula), gefunden auf der Montagne de Ste-Victoire.Spitzels Knabenkraut (Orchis spitzelii),  besondere Rarität unter den Orchideen der Provence.  Wir fanden sie in einem lichten Kiefernwald im Verdon-Gebiet.Spitzels Knabenkraut (Orchis spitzelii) kommt sehr lückenhaft und selten in Süd- und Mitteleuropa vor.Pyramiden-Orchidee (Anacamptis pyramidalis), eine relativ häufige Art in der Haute-Provence.Schwertstendel oder Pflugschar-Zungenstendel (Serapias vomeracea) an einer Autobahnausfahrt in Toulon.Schwertstendel oder Pflugschar-Zungenstendel (Serapias vomeracea). Diese Orchidee gehört zu den Schlafstättenblumen, Insekten suchen in der Blütenhöhle Schutz und bestäuben sie dabei.Provenzalische Ragwurz (Ophrys provincialis), ein Endemit Südfrankreichs, fotografiert in den Alpilles.Provenzalische Ragwurz (Ophrys provincialis), ein Endemit Südfrankreichs, fotografiert in den Alpilles.Provenzalische Ragwurz (Ophrys provincialis), ein Endemit Südfrankreichs, fotografiert in den Alpilles.Oster-Ragwurz (Ophrys passionis), eine in Südfrankreich und Nordspanien vorkommende Orchideenart. Die Aufnahme stammt aus den Alpilles.Oster-Ragwurz (Ophrys passionis), eine in Südfrankreich und Nordspanien vorkommende Orchideenart. Die Aufnahme stammt aus den Alpilles.Gelbe Ragwurz (Ophrys lutea), eine im Mittelmeerraum weit verbreitete Orchideenart.Lupercal-Ragwurz (Ophrys lupercalis), aufgenommen an der Montagne de Ste-Victoire.Aurelia-Ragwurz (Ophrys aurelia), eine besonders prächtige Orchideenart der Magerwiesen. Wir fanden sie am Col du Puy de Griffon in der Vaucluse.Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax), gefunden am Col du Puy de Griffon in der Vaucluse.Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax), gefunden am Col du Puy de Griffon in der Vaucluse.Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax), fotografiert in der Haute-Provence.Gezeichnete Ragwurz oder Unechte Schnepfen-Ragwurz (Ophrys linearis oder pseudoscolopax), gefunden im Gebiet des Verdon.Durance-Ragwurz (Ophrys druentica), gefunden im Gebiet des Verdon.Durance-Ragwurz (Ophrys druentica), gefunden im Gebiet des Verdon.Durance-Ragwurz (Ophrys druentica), eine besonders großblütige Pflanze, gefunden an der Durance.Der Violette Dingel (Limodorum abortivum), eine mediterrane Orchideenart, kommt in der Provence häufig in lichten Kiefernwäldern vor.  Auch in Mitteleuropa ist er in den mildesten Gegenden beheimatet, dort aber sehr selten anzutreffen.

Bilddatenbank

Fotos, sortiert nach Orten und Themen:
Abbaye du Thoronet | Alpilles | Arles | Camargue | Comté-Schlucht | Côte d’Azur | Durance | Eygalières | Fontvieille | Gordes | Grand Canyon du Verdon | Haute-Provence | Les Baux | Lubéron | Montagne Ste-Victoire | Orchideen in der Provence | Pont du Gard | Roussillon | Sisteron | St-Rémy | Vaucluse | alle Fotos aus der Provence

Die Fotos der einzelnen Touren:
2001: Die Umgebung von Eygalières
2001: Wanderung über die Alpilles nach St-Rémy
2001: Vaucluse und Lubéron
2001: Petit Lubéron und Comté-Schlucht
2001: Pont du Gard
2001: Wanderung auf die Montagne Ste-Victoire
2001: Les Baux
2004: Rhônetal, Orchideen in der Vaucluse
2004: Lubéron, Vaucluse
2004: Eygalières, Alpilles
2004: Fontvielle, Arles
2004: Flamingos in der Camargue
2004: Montagne Ste-Victoire
2004: Côte d’Azur
2004: südliche Provence
2004: Abbaye du Thoronet
2004: Grand Canyon du Verdon und Umgebung
2004: Sisteron und Durance
 

 

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