Testbericht: Hanwag Eclipse GTX

30. August 2008

Neue Hochtourenschuhe mussten her, weil die Alten im vergangenen Jahr endgültig verschlissen waren und weil nun eine Tour durch die Bergeller Alpen zum Monte Disgrazia auf dem Programm stand. Die Wahl fiel auf den Eclipse GTX des oberbayerischen Herstellers Hanwag. Von Freunden habe ich nur Gutes über die Produkte der Firma gehört, und bereits bei der Anprobe machten sie einen guten Eindruck: gut sitzend, mit sehr stabiler Sohle und dank Volumenanpassung und Heel-Fix-System auch mit festem Halt an Ferse und Knöchel.
 

 

 
Ein kleines Detail fiel mir dabei besonders angenehm auf: Der »click clamp«, eine Öse im Schaftbereich mit aufklappbaren Metallbügel, der beim Schnüren wieder einrastet und die Schnürsenkel beim Schnüren fest einklemmt. So kann der Fuß locker geschnürt werden, während der Schaft dennoch stramm sitzt.
 
Bei einer Probetour in der heimischen Rhön laufe ich das neue Schuhwerk ein und teste verschiedene Varianten des Schnürens. Fürs Wandern in der Ebene (was ja auch im Gebirge mal vorkommen soll) reicht es, den Schuh schön locker zu schüren, dann sitzt er sogar geradezu bequem. Ans feste Schnüren und die Fersenfixierung mit der Heel-Fix-Aluminiumplatte müssen sich die Füße allerdings etwas gewöhnen, dafür ist der Halt perfekt: Beim Orchideen-Fotografieren am steilen Hang beweist der Schuh seine Stabilität, ein Schritt, und der Schuh steht fest. Gute Voraussetzungen fürs Gebirge.
 
Die Tour durchs Bergell beginnt mit einer gemächlichen Wanderung ins Val Forno hinein. Später folgt Moränenschutt und Granitgeröll. Wenn sich die Geländebedinungen ändern, ist es von Vorteil, dass sich die Schnürung des Schuhs schnell und unkompliziert lockern beziehungsweise anziehen lässt. Durch Fels geht es hinauf zur Forno-Hütte. Am nächsten Morgen müssen wir zunächst die steile Abbruchkante an der Seitenmoräne des Fornogletschers hinabsteigen. Mit dem Seil im Rucksack ist das Balancieren im sehr steilen, morschen Schotter so eine Sache. Hier kommen auch die besten Schuhe an ihre Grenzen.
 

 

 
Der folgende Weg über den Fornogletscher ist geradezu gemächlich. In sanfter Steigung wandern wir auf der breiten Eisautobahn taleinwärts. Wir brauchen noch nicht mal Steigeisen, weil der Gletscher an der Oberfläche rauh genug, nahe zu spaltenfrei, aper und gut einsehbar ist. Weiter hinten im Fornokessel wird der Gletscher steiler, und wir legen Steigeisen an. An den kräftig profilierten Sohlen halten sie gut, aber das sollte ja auch selbstverständlich sein.
 
Am Monte Sissone ist leichte Blockkletterei mit Stellen im II. Schwierigkeitsgrad zu bewältigen. Nun zeigt sich eine kleine Schwäche des Schuhs: Durch das Gehen im Schnee sind die Schnürsenkel feucht geworden, und nun hält die Klemmöse am Schaft nicht mehr ganz so kompromisslos, die Schnürung lockert sich also ein wenig und der Fuß rutscht leider etwas nach vorne, so dass die Zehen doch das eine oder andere Mal vorne anstoßen. Im steilen Altschnee steigen wir hinab zum Sentiero Roma. Hier macht sich die stabile Schuhsohle positiv bemerkbar. Hacken in den Schnee, und der Schuh steht.
 
Der Sentiero Roma nimmt Kurs auf die Bocchetta Roma, eine Scharte im Südwestgrat des Monte Pioda. Wir balancieren über endlose Halden aus groben Granitblöcken. Das ist zwar etwas anstrengend, aber die Schuhe halten gut auf dem griffigen, rauhen Fels. Schließlich turnen wir an Metallketten hinauf zur Bocchetta und erreichen abends das Rifugio Ponti, den Ausgangspunkt für die Disgrazia-Gipfelbesteigung.
 

 

 

 
Am nächsten Morgen ist das Wetter leider nicht so gut wie vorhergesagt, wir machen daher am Gletscheraufstieg etwas Zeit gut. Dann gehen wir den Nordwestgrat des Monte Disgrazia an, den Normalweg auf diesen großen Ostalpengipfel. Wir klettern in Seilschaft und mit Steigeisen, da immer wieder Firnfelder zu überwinden sind. Der erste Grathöcker wird in morschem, teils schneebedecktem Schrofensteilhang umgangen. Das ist unangenehm und etwas zeitraubend. Am eigentlichen Grat folgen dann leichte Kletterstellen und exponierte Schneepassagen. Wir erreichen eine Gratscharte vor dem Anstieg, der auf den Vorgipfel führt. Um uns herum schießen nun Wolkentürme beunruhigend schnell in die Höhe, die Zeichen stehen auf Gewitter. Wir haben keine Lust, uns hier oben grillen zu lassen und entschließen uns nach kurzer Beratung zum Rückzug. Nach dieser Etappe zeigt sich ein Schaden am Schuh, der wohl eher den Hersteller interessiert als den Nutzer: Der Aufkleber auf der »heel fix«-Metallplatte im Fersenbereich ist vom Gekratze der Steigeisen arg ramponiert.
 
Am folgenden Tag steigen wir über die Bocchetta Roma hinab ins Valle di Mello. Der Tag beginnt schön, doch rasch ziehen wieder Wolken auf und bald schon regnet es. Irgendwann ist auch der griffigste Granit glitschig, und ich bin dankbar für das gute neue Schuhprofil. Die Schuhe sind eine Weile noch wasserdicht, irgendwann ist es dann aber auch damit vorbei. Im steilen Gras der Almenzone ist es rutschig, und oft treten wir in tiefe Löcher unter dem Gras. Dank der guten Schaftstabilität des Schuhs bleibt es bei ein paar Ausrutschern ohne Folgen. Und trotz der Nässe habe ich mir in den neuen Schuhen keine Blase gelaufen, obwohl ich da etwas anfällig bin.
 
Unten in Rasica freuen wir uns über ein Bad im frischen Bach, und dabei werden auch die völlig verdreckten Schuhe gleich mal mitgewaschen: klatschnass sind sie ja eh schon. Und so steigen wir am letzten Tag der Tour noch einmal in unsere nassen Bergschuhe, um hinab nach San Martino im Val Masino zu wandern. Unsere Tour ist vorüber, und die Schuhe haben ihre Prüfung mit Bravour gemeistert. Aber eins haben sie mit allen anderen Bergschuhen der Welt gemeinsam: Es tut gut, sie am Ende der Tour auszuziehen.
 

 
Fazit: Der Hanwag Eclipse GTX ist ein sehr guter Allrounder, mit optimalem Halt und großer Bequemlichkeit, der den sehr unterschiedlichen Anforderungen auf der Tour gewachsen war. Kleine Schwächen traten lediglich bei Nässe auf, als die feuchten Schnürsenkel durch die Klemmöse am Knöchel nachrutschten, wodurch die Schaftstabilität beim Abstieg im steilen Gelände ein wenig litt. Die Tücken der Tour haben zwar deutlich sichtbare Spuren an den Schuhen hinterlassen, insgesamt überzeugt jedoch die Verarbeitung und Qualität der Schuhe, die der Hersteller bei diesem Härtetest unter Beweis gestellt hat.
 

Herstellerangaben
Hanwag Eclipse GTX

Warmer Eiskletter- und Hochgebirgs-Stiefel aus Cordura® AltiTex mit individueller Volumenanpassung.
Kälteisoliert nach DIN EN 344-1 bis –15 °C
Memory-Kunststoffbrandsohle mit durchgehender Versteifung
Größen: 6 – 12,5
Gewicht: 980 g
Farben: Limone
Obermaterial: Cordura® Altitex und Syncora
Futter: GORE-TEX®
Sohle: Vibram® Alpin
 
www.hanwag.de
 

Ein Kommentar zu “Testbericht: Hanwag Eclipse GTX”

  1. Volker Heyn


  2. Ich habe den Schuh auch und ihn auf mehreren harten Winter- und Hochtouren eingesetzt. Weder kann ich bestätigen, dass der Schuh bei Regen und Schnee von innen nass wurde, noch rutschten bei mir die Schnürsenkel durch. Der Schuh sitzt bombenfest am Fuß, mit Steigeisen hat man die absolute Kontrolle. Der Schuh steht in jedem Gelände, großartiger Seitenhalt auch beim Queren. Warm ist er sowieso, bis minus 20 Grad reichen die normalen Bergsocken aus.
    Einen konstruktiven Nachteil gibt es: Die Sohlenumrandung ist aus Gummi. Die ist extra nicht aus Plastik, weil das bei größer Kälte spröde würde – sagt der Hersteller. Von daher ist die Umrandung einigermaßen weich, so dass ich mir mit Steigeisen schon ein paar Schnitte reingemacht habe. Kann man aber mit Fahrradflicken wieder beheben.
    Und die Arretierung der Schnürsenkel ist super, man sollte aber nach einigem Gebrauch Ersatzschnürsenkel dabei haben. Die Fixierung ist so mächtig, dass sie den Senkeln doch stark zusetzt.

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