
 
 
 
  |
Etymologie:
Cypripedium: von gr. Κύπρις Kypris = Beiname der Venus, die auf Zypern besonders verehrt wurde, und gr. πἐδιλον pedilon = Sandale, Schuh; calceolus: lat. = kleiner Schuh.
Merkmale:
Der Frauenschuh ist unter allen heimischen Pflanzen völlig unverwechselbar. Schon vor der Blüte fallen seine sehr großen eiförmigen, am Stängel verteilten Laubblätter auf (Länge bis 17 cm, Breite bis 7 cm), die deutlich rinnig und am Rand gewellt sind. Blütenstand meist ein- oder zweiblütig, selten dreiblütig, mit großen laubblattähnlichen Tragblättern. Die Spitzen der schokoladenbraunen Perigonblätter sind verzwirbelt. Die beiden eigentlich seitlichen Sepalen sind miteinander verwachsen, so daß sie nach unten weisen. Die zitronengelb gefärbte Lippe ist groß und bauchig, bis zu 4 cm lang und innen am Grund behaart. In seinem Schuh fängt der Frauenschuh Insekten, die vom glatten Rand in den Bauch der Lippe fallen – ein Ausstieg für die gefangenen Insekten besteht nur im hinteren Teil der Lippe, an der Bestäubungseinrichtung vorbei. Man bezeichnet den Frauenschuh daher auch als Kesselfallenblume. Im Gegensatz zu allen anderen heimischen Orchideen hat der Frauenschuh zwei fertile Staubblätter, ein drittes (rot gefleckt) ist steril und steht schildförmig über der Narbe.
Standort:
Lichtungen, grasige Stellen im Laub-, Misch- und Nadelwald. Gerne in buschigen Steppeheidewäldern, liebt Halbschatten. Sehr anspruchsvoll bezüglich der Bodenbeschaffenheit, aber nicht an eine bestimmte Höhenlage gebunden. Nur auf Kalk.
Verbreitung und Bestandssituation:
Cypripedium calceolus ist in der Rhön im Vergleich zu früher drastisch zurückgegangen. Früher existierten noch an vielen Bergen der gesamten Rhön Vorkommen, heute sind nur noch sehr wenige Fundorte bekannt. Seine Attraktivität und Beliebtheit war und ist Ursache für Nachstellungen rücksichtsloser Menschen. Seine Hauptverbreitung nimmt Großmann (1970) in den höheren Lagen der Rhön an. Gegenwärtig kommt er jedoch eher in den sekundären Nadelwaldgebieten der östlichen, südöstlichen und südlichen Randgebiete vor, nämlich im Werratal um Meiningen, in den Steppenheidewäldern der Fränkischen Platte, des Saale- und Streutales sowie im Gebiet der östlichen Vorderrhön.
Gefährdung:
Der Frauenschuh ist im gesamten Gebiet der Rhön stark gefährdet; nur in den Randgebieten der Fränkischen Platte und im Werratal ist noch eine gewisse Häufung von Fundpunkten zu verzeichnen. Trotz großer Schutzbemühungen ist er auch heute noch unmittelbar durch den Menschen bedroht, auch noch in jüngster Zeit wurden Bestände durch Ausgraben dezimiert. Weiterhin ist der Frauenschuh durch Sukzession an den Standorten gefährdet – nicht nur in Nadelwäldern, die sich schleichend in dichtere Mischwälder verwandeln, sondern auch in Laubwäldern, deren Kronenschluss nach Nutzungsaufgabe zu dicht wird. Der Frauenschuh liebt Halbschatten, wenn der Standort zu dunkel wird, blühen die Pflanzen zunächst nicht mehr, später gehen sie ganz zugrunde.
|