Orchideen der Rhön:
Übersehene Stendelwurz – Epipactis neglecta

24. Oktober 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Epipactis leptochila subsp. neglecta Kümpel 1982
(der Artrang des Taxons ist umstritten!)
Basionym Epipactis leptochila subsp. neglecta Kümpel 1982
Synonyme Epipactis neglecta (Kümpel) Kümpel 1996
Epipactis leptochila var. neglecta (Kümpel) Gévaudan 1999
Deutsche Namen Übersehene Stendelwurz, Übersehener Sitter
Blütezeit Ende Juni – Ende Juli
Wuchshöhe 20 – 60 cm
Blütengröße 12 – 16 mm
Pflanzengesellschaften V Galio odorati-Fagion
V Cephalanthero-Fagion
Florenelement zentralsubmediterran subatlantisch südzentraleuropäisch
Rote Listen bislang nicht erfasst
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 20% der MTBl.-4tel
verschollen: 1%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 600 m
Gefährdung:
3 (gefährdet)

 

 
Etymologie:
Epipactis: Dieser Pflanzenname wurde von Theophrast, einem antiken griechischen Philosophen und Botaniker, geprägt. Er verwendete ihn jedoch für andere Pflanzen. Erst der Göttinger Botanik-Professor Johann Gottfried Zinn wandte ihn 1757 auf die Stendelwurze an. neglecta: von lat. neglegere = missachten, verschmähen. Kümpel bezog dies auf die langjährige Missachtung dieser offenkundig eigenständigen Sippe.

Merkmale:
In vielen Merkmalen mit der nah verwandten Schmallippigen Stendelwurz übereinstimmend: 4-10 dunkelgrüne, oft schlaff hängende Blätter, Blütenstand locker und reichblütig. Untere Tragblätter sehr lang und hängend. Blüten weit geöffnet, relativ groß. Lippe 4-9 mm lang. Eines der typischen Merkmale der Übersehenen Stendelwurz ist der schmale, !-förmige Spalt zwischen Hypochil und Epichil. Epichil länger als breit, im Gegensatz zu dem von Epipactis leptochila aber nach hinten umgeschlagen und oftmals rötlich überlaufen. Hypochil flach schüsselförmig, nicht halbkugelig. In der geöffneten Blüte ist das Rostellum noch für kurze Zeit funktionstüchtig, die Blüte kann also auch fremdbestäubt werden (fakultative Autogamie).

Standort:
Buchen- und Laubmischwälder mäßig frischer bis trockener Kalkböden. Meist an helleren Standorten als die Schmallippige Stendelwurz, auch in südexponierten Lagen.

Verbreitung und Bestandssituation:
Dieses meist als Unterart von Epipactis leptochila eingestufte Taxon wurde von Horst Kümpel beschrieben; die Typuspopulation stammt aus der thüringischen Rhön, die oben gezeigten Fotos stammen von der Typuslokalität. In den meisten Naturräumen der Rhön sind inzwischen Nachweise der Übersehenen Stendelwurz geglückt. Insgesamt tritt die Art sehr lückenhaft auf und ist eher selten. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist sie jedoch etwas häufiger als Epipactis leptochila.

Gefährdung:
Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist die Übersehene Stendelwurz in der Rhön aufgrund ihrer relativen Seltenheit als gefährdet einzustufen.
 


 

 
Problematik:
Zwischen dem leptochila- und dem neglecta-Typus gibt es Formen, die teilweise sehr lokal auftreten und mitunter schwer voneinander zu unterscheiden und abzugrenzen sind. Auch in der Rhön wurden solche Populationen bekannt. Beispielhaft sei hier eine Sippe vom Dreienberg in der Nordrhön erwähnt (gefunden von R. Merkel, 2006), die etwa 2 Wochen später blüht als Epipactis neglecta im engen Sinne am gleichen Standort. Die Pflanzen dieser Sippe wachsen graziler, ihre Blüten öffnen sich nicht so weit und ihre Sepalen und Petalen sind auffällig langgestreckt. Außerdem ist die Blütenfarbe blasser als bei den hier ortstypischen Epipactis neglecta-Pflanzen.
Mehr zur Übersehenen Stendelwurz:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» m-klueber.de | Fotos der Lokalsippe Dreienberg ansehen
» de.wikipedia.org | Übersehene Stendelwurz