Orchideen der Rhön:
Weißzüngel – Pseudorchis albida

24. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Pseudorchis albida (L.) Á.Löve & D.Löve 1969
Basionym Satyrium albidum L. 1753
Synonyme Pseudorchis alpina Ség. 1754
Orchis alpina (Ség.) Crantz 1769
Orchis albida (L.) Scop. 1772
Satyrium trifidum Vill. 1787
Orchis parviflora Poir. in J.B.A.M.de Lamarck 1798
Habenaria albida (L.) R.Br. in W.T.Aiton 1813
Gymnadenia albida (L.) Rich. 1817
Sieberia albida (L.) Spreng. 1817
Coeloglossum albidum (L.) Hartm. 1820
Entaticus albidus (L.) Gray 1821
Satyrium scanense L. ex Steud. 1821
Chamorchis albida (L.) Dumort. 1827
Platanthera albida (L.) Lindl. 1829
Peristylus albidus (L.) Lindl. 1835
Blephariglottis albiflora Raf. 1837
Leucorchis albida (L.) E.Mey. in C.A.Patze, E.H.F.Meyer & L.Elkan 1848
Bicchia albida (L.) Parl. 1860
Leucorchis lucida Fuss 1866
Deutsche Namen Weißzüngel, Weiße Höswurz, Alpen-Weißzunge, Weiße Händelwurz
Blütezeit Anfang Juni – Anfang Juli
Wuchshöhe 10 – 30 cm
Blütengröße 4 – 6 mm
Pflanzengesellschaften V Nardion
V Violion caninae
V Juncion squarrosi
Florenelement submediterran/montan karpatisch atlantisch subatlantisch zentraleuropäisch skandinavisch nordrossisch samojedisch
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 3 (gefährdet)
Hessen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 2% der MTBl.-4tel
verschollen: 7%
Höhenverbreitung:
von ca. 500 m bis 950 m
Gefährdung:
1 (vom Aussterben bedroht)

 

 

 

 
Etymologie:
Pseudorchis: von gr. ψευδής pseudos = falsch und gr. όρχις orchis = Hoden; albida: von lat. albidus = weißlich, mattweiß.

Merkmale:
Kleine und kräftige, aber trotzdem schlanke Pflanze. Die 4-6 bis 8 cm langen länglich-eiförmigen Laubblätter sind am steif gewachsenen Stängel verteilt und werden nach oben kleiner. Die schmale Blütenähre ist sehr dicht- und reichblütig, die kleinen gelblich-(grünlich)-weißen Blüten sind oft etwas nach einer Seite gerichtet. Sie sind nur etwa 5 mm groß und wirken auf den ersten Blick glöckchenförmig. Sepalen und Petalen neigen helmförmig zusammen, die Lippe ist im vorderen Drittel dreigeteilt mit etwa gleich langen Lappen. Sporn 2-3 mm lang, zylindrisch, abwärts gerichtet.

Standort:
Bergwiesen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden, auf sauren oder zumindest versauerten Böden: subsp. albida, auf kalkreichen Böden: subsp. tricuspis. In der Rhön kommt ausschließlich erstere vor. Das Weißzüngel ist eine typische Gebirgsorchidee und in Mitteleuropa fast nur noch in den Alpen verbreitet.

Verbreitung und Bestandssituation:
Während das Weißzüngel in den Alpen zu den häufigeren Orchideenarten gehört, ist es in den Mittelgebirgen über weite Strecken bereits ausgestorben. Die verbliebenen Funde konzentrieren sich auf die Hochlagen von Schwarzwald, Thüringer Wald, Erzgebirge, Harz, Rhön und Taunus; außerhalb dieser Gebiete sind nur noch wenige isolierte Vorkommen aktuell nachgewiesen. In der Rhön ist das Weißzüngel sehr wahrscheinlich kein Eiszeitrelikt, sondern vermutlich während einer nacheiszeitlichen Kälteperiode eingewandert, als schon potentielle Lebensräume vorhanden waren, nämlich extensive Grünlandbereiche in den höheren Lagen.
Das Weißzüngel ist in der Rhön sehr selten und fast ganz auf die höchsten Lagen beschränkt. Hier befinden sich noch wenige kleine und eine grössere Population (Kolb, Spitzl mdl.). Schon seit Beginn der Aufzeichnungen war diese Art in der Rhön selten, doch inzwischen ist sie akut vom Aussterben bedroht. Immerhin wurde in 2005 seit über 20 Jahren wieder einmal ein Einzelexemplar in der hessischen Rhön gefunden.
Der eklatante Rückgang dieser Art hat mehrere Gründe wie etwa die Aufforstung vieler Bergwiesen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber auch die Abhängigkeit von der extensiven Nutzung, da sie mit dem Brachfallen von Flächen von den höherwüchsigen Stauden verdrängt wird. Hinzu kommt die Empfindlichkeit gegenüber Luftimmissionen, die ebenfalls sehr schnell die Pflanzengesellschaften der Standorte verändern. Als »Zielart« im botanischen Artenschutzkonzept soll diese Art in der Rhön stellvertretend für ihren Lebensraum Borstgrasrasen gefördert werden. Ob sich die Klimaerwärmung auf das Vorkommen dieser Art in der Rhön auswirkt, bleibt abzuwarten.

Gefährdung:
Diese Art ist in der Rhön akut vom Aussterben bedroht.

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Weiße Höswurz