Andalusien

Andalusien, Spaniens wunderschöner Süden – sowohl weit abseits als auch mittendrin in den Touristenströmen. Von unserem Stützpunkt Órgiva in den Alpujarras sind wir nach Granada, zur Küste und in die Bergregionen der Sierra Nevada aufgebrochen.

Zunächst der Flug von Hahn nach Málaga. Herbst in Südspanien, das bedeutet, dass die Landschaft sonnendurchglüht und ausgetrocknet ist. Bereits aus der Luft ist das zu sehen: Spanien macht aus der Luft einen recht trockenen und runzligen Eindruck. Wir landen bei strahlendem Sonnenschein und etwa 30°C in Málaga und werden von Tanja und Stephan empfangen, die bereits ein paar Stunden vor uns aus Dublin gekommen sind und den Mittag in der Innenstadt verbracht haben. Von den ersten Eindrücken sind sie ganz begeistert. Mit dem Mietwagen fahren wir die Küstenautobahn ostwärts, an Nerja vorbei, bis nach La Herradura. Am Strand legen wir eine Pause ein, genießen die Sonne und probieren eine Paella. Dann geht die Fahrt über Almuñécar und Salobreña hinauf ins Bergland, nach Órgiva am Rande der Sierra Nevada. Das Städtchen gilt als Tor zu den weißen Dörfern der Alpujarras auf der Südseite des höchsten Bergzuges der Betischen Kordilleren.

Órgiva

In einem Olivenhain östlich der Stadt, wunderbar ruhig und aussichtsreich gelegen, steht unser Ferienhäuschen, das ‚Cortijo Alto‘. Das wird also unser Domizil für die nächsten sieben Tage sein. Ein paar kleine, hungrige Katzen belagern uns gleich. Schon gleich am Abend springen wir ins kühle Naß des hauseigenen Pools und erkunden anschließend etwas das Städtchen.


Órgiva am Fuß der Sierra Nevada

Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse und einer Abkühlung im Pool machen Stephan und ich eine kleine Tour zum Burgplatz El Castillejo südlich von Órgiva. Der Felsen ist oben abgeflacht und schon von weitem als mittelalterliches Kulturland erkennbar. Die Unregelmäßigkeit der Terrassen deutet auf maurische Ursprünge hin, und die allseits durch steile Felswände geschützte Lage ist wie geschaffen für eine Festungsanlage. Vom maurischen Reich Al-Andalus ist mehr geblieben als eindrucksvolle Baudenkmäler wie die Alhambra; maurische Bezeichnungen und Gebäudereste sind auch hier auf dem Land allgegenwärtig. Oben auf dem Felsen finden wir Mauerreste, einige Zisternen und jede Menge Keramik. Herausragend sind einige ornamental verzierte Bruchstücke von Gefäßen und Fliesen sowie eine zinnglasierte Kanne, die Stephan als Andalusische Lüsterkeramik aus dem 13.-15. Jh determiniert. Wir fotografieren die Fundstücke und lassen sie selbstverständlich am Fundort zurück.


El Castillejo bei Órgiva

Auf den Kulturterrassen blühen jetzt die Meerzwiebeln (Urginea maritima), ein hochwüchsiges Zwiebelgewächs, dessen mächtige Blätter im Winter erscheinen und vor der sommerlichen Trockenzeit einziehen. Weglos schlagen wir uns durch Felsen und Opuntien zum Fuß des Felshügels durch. Ein Schwalbenschwanz saugt an rosaroten Blüten. Nach der Rückkehr machen wir es uns erneut am Pool gemütlich, kochen gemeinsam und verbringen den Abend auf der lauschigen Terrasse.

Cerro del Trevenque


Cerro del Trevenque


Badlands an der Cuerda del Trevenque


Spanische Lichtblume, Merendera pyrenaica


Dolomitfelsen am Trevenque

Wir fahren nach Granada: Stadtbummeltag für die Mädels und eine Wanderung für die Jungs. Da die Ausläufer der Sierra Nevada bis nah an die Stadtgrenzen von Granada reichen, lohnt sich für Stephan und mich die vierstündige Wanderung auf den Cerro del Trevenque (2079 m), während unsere Damen die Stadt erkunden. Vom Stadtteil La Zubia führt ein Schottersträßchen hinauf zum etwa 1250 m hoch gelegenen Aussichtspunkt Mirador de la Espartera. Von hier aus führt ein Pfad über die der Cuerda del Trevenque in stetigem Auf und ab durch steinige und sandige Badlands bis an den felsigen Dolomitgipfel des Cerro del Trevenque heran.

Das gleißend helle, bizarr geformte Gestein steht in schönem Kontrast zu den behäbigen, etwas düster wirkenden Dreitausendern im Hintergrund. Am Wegrand flattern häufig blau- und rotflügelige Sandschrecken auf, sie sind wirklich sehr häufig hier. Im Gipfelbereich treffen wir auf die Spanische Lichtblume (Merendera pyrenaica), einen schönen Herbstblüher, der nah mit unserer heimischen Herbstzeitlose verwandt ist. Der Weg führt zwischen den Esfinge hindurch, bizarren erosionsgeformten Dolomitfelsen, und leitet hinauf auf einen kleinen Absatz, von dem aus der Gipfel gleich erreicht ist. Irgendwie haben wir immer noch nicht den Eindruck, auf einem Zweitausender zu stehen. Die 800 Höhenmeter waren der reinste Spaziergang, und das ganze mediterrane Ambiente sowie die flachen, noch höheren Berge des Nevada-Hauptkammes lassen die Landschaft viel niedriger erscheinen als sie ist.

Vom Gipfel geht es südwärts sehr steil bergab zu einem kleinen Pass. Die Mittagshitze brennt auf die trockenen Hänge herab. Doch der nächste Wegabschnitt führt ganz bequem durch schattigen, duftenden Kiefernwald hinab nach Cortijuela. Ein botanischer Garten wurde hier oben angelegt, und dazu eine kleine Informationsstation. Wir schauen kurz rein in den Garten, doch leider gibt es aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit viel Dürres und wenig Blühendes zu bewundern. Unter einem Kiefernstrauch stehen Samenstände von Knabenkräutern, vermutlich ist es das Spanische Knabenkraut, Orchis langei. Für die kurze Wanderung haben wir wenig Proviant dabei, und in der Hütte gibts leider nur Infos, aber nichts zwischen die Kiemen. Immerhin aber ein wenig Wasser. Nun sputen wir uns, da wir ja mit unseren Frauen in Granada verabredet sind.

Durch das Tal des Arroyo de Huenes führt der Weg zurück zu unserem Ausgangspunkt. Erbarmungslos brennt die Sonne auf uns herab, ab und zu kommen uns größere und kleinere Fahrzeuge entgegen, die riesige Staubwolken hinter sich her ziehen. Die Landschaftseindrücke des Trevenque mit den schönen Rotkiefern machen den Weg dennoch kurzweilig. Schließlich überqueren wir den derzeit nicht anwesenden Bach auf der Puente de los Siete Ojos (Sieben-Augen-Brücke) und sind zurück am Ausgangsort.

Tourenübersicht: Trevenque


Puente Nazari über den Río Tablate

In Granada treffen wir unsere Frauen. Sie sind von der Stadt ganz begeistert, das steigert noch unsere Vorfreude auf den nächsten Stadtbesuch. Auf der Rückfahrt legen wir noch einen kurzen Stopp an den Brücken über den Río Tablate ein. Ein Schild ‚Puente Nazari‘ weist den Weg. Unter dem weißen Riesenungetüm der neuen Autobahnbrücke steht eine mächtige Bogenbrücke mit Kapelle und heftigem Geländeeinschnitt an der Straßenzuführung. Dieses Bauwerk sieht nicht gerade maurisch aus, wir wundern uns. Doch von dieser alten Straßenbrücke aus sehen wir dann die dritte, älteste Brücke, die malerisch und etwas versteckt im Schatten ihrer Nachfolger liegt. Stephan recherchiert, dass sie aus dem 16. Jahrhundert ist und Reste einer maurischen Brücke birgt, daher ihr Name.

Mulhacén

Zurück in Órgiva, genießen wir die Sonne am Pool und beraten über die Tourenplanung des kommenden Tages. Auf dem Programm steht der Mulhacén, ein Berg mit einigen Superlativen. Sein merkwürdiger Name kommt vom maurischen Sultan Abu l-Hasan Ali (Spanisch: Muley Hacén), einem im 15. Jahrhundert in Granada regierenden Sultan, der dort oben begraben sein soll. Zwar ist der Mulhacén mit seinen 3482 Metern nach dem Teide nur Spaniens zweithöchster Berg, dennoch der höchste der iberischen Halbinsel und Hauptgipfel des nach dem Kaukasus und den Alpen dritthöchsten Gebirges in Europa. Üblicherweise wird er als Zweitagestour mit Übernachtung in der Poqueira-Hütte angegangen, doch wir planen eine Besteigung »by fair means«, mit der Kraft der zwei Wadln sozusagen. Startpunkt wird Trevélez sein, von hier aus sind es etwas mehr als 2000 Höhenmeter hinauf und wieder hinab. Ein ordentliches Tagespensum also, undenkbar in der andalusischen Mittagshitze. Stephan schlägt vor, früh zu starten – sehr früh sogar! So machen wir es.


Nächtlicher Aufstieg von Trevélez


Morgengrauen am Mulhacén


Iberischer Steinbock, Capra pyrenaica


Gipfel des Mulhacén

Um zwei Uhr stehen wir auf, trinken einen Kaffee, packen unsere kleinen Rucksäcke mit viel Wasser und genügend Proviant voll und starten in Richtung Trevélez. Die Fahrerei zieht sich ganz schön hin, obwohl es gar nicht viele Kilometer sind. Um kurz vor Vier starten wir in den leeren Sträßchen des weißen Dorfes auf etwa 1470 Metern. Über uns stehen die Sterne. Völlig problemlos finden wir den Weg durch das Oberdorf in Richtung Mirador de Trevélez, unserem ersten Etappenziel.

Durch Weiden und zwischen Terrassenmäuerchen führt der Weg in angenehmer Steigung aufwärts. Drunten leuchten die Lichter des Dorfes. Der abnehmende Halbmond steht hoch und leuchtet so hell, dass sogar die Stirnlampen entbehrlich sind. Bloß zum Kartenlesen und für ein paar Foto-Spielereien brauchen wir sie. Wir steigen höher und kommen an der Piedra Colorada vorbei. Nachts sind nicht nur alle Katzen, sondern auch alle Felsen grau, und so bleibt uns die Farbenpracht der Felsformation verborgen. Inzwischen ziehen Schleierwolken auf und verdunkeln den Mond. Um kurz vor Sieben sind wir oben am Mirador angekommen, etwa 2700 Meter hoch gelegen. Drunten an der Küste zieht nun eine Gewitterfront auf, ab und zu leuchten die Wolken hell von innen: ein eindrucksvolles Schauspiel, fast drei Kilometer zu unseren Füßen. Noch ist das Spektakel weit weg und vor allem tief unten.

Ein Stück folgen wir der Schotterstraße, dann biegen wir nach rechts ab auf die Loma del Mulhacén. Dieser breite Rücken bildet die relativ flache Südabdachung des Berges und geleitet uns rasch hinauf. Erst um Acht wird es langsam hell. Die Wolkenfront kommt langsam näher, doch das Gewitter scheint sich abgeschwächt zu haben. Wir treffen auf einige Iberische Steinböcke Capra pyrenaica, und die Anwesenheit dieser seelenruhig äsenden Säugetiere strahlt doch eine gewisse Beruhigung angesichts des instabilen Wetters aus. Unsere fotografischen Bemühungen quittieren sie allerdings mit der Höchststrafe: sie wenden uns ihr Hinterteil zu und trollen sich.

Bis auf die Steinböcke sind wir ganz allein mit dem kalten Wind und den stürmischen Wolkenfetzen, die um uns herum fegen. Bald ist der Mulhacén II erreicht, der südliche Vorgipfel. Wahrscheinlich könnte man mit dem Rad herauffahren, so gut ist der Weg. Gemächlich wandern wir die letzten Meter hinauf zum höchsten Punkt der iberischen Halbinsel. Es ist gerade mal Neun Uhr, und wieder beschleicht uns der Eindruck, dass die Spanier an den Höhenangaben gedreht haben: weder unsere geleistete Anstrengung noch der Landschaftseindruck entspricht einem Berg dieser Höhe. Allerdings mahnt uns der aufkommende eisige Sturm samt Graupelschauer, dass hier für mediterrane Verhältnisse ein ganz schön arktisches Klima herrscht. Wir halten es nicht lange oben aus, sondern verziehen uns in eine Felsnische am Südostabhang. Von unseren Wasservorräten haben wir bei diesem Wetter noch nicht viel gebraucht.


Laguna Hondera

Wir wandern hinab in Richtung der Siete Lagunas. Diese sieben kleinen Bergseen liegen eingebettet in ein Hochtal zwischen Mulhacén und Alcazaba. Kurz vor der Laguna Hondera kommen uns eine Menge Wanderer entgegen, die unten am See gezeltet haben und nun sowohl ihre riesigen Rucksäcke als auch verdrießliche Gesichter hinauf auf den Mulhacén tragen. Wir sind froh, dass wir schon wieder im Abstieg sind, denn plötzlich hallt ein heftiger Donnerknall durch die Hochgebirgsarena, später noch ein zweiter. Hinter der Laguna folgt eine etwas unübersichtliche Steilstufe, und dann das Tal des Río Culo de Perro. Über die Almweiden steigen wir hinab in Richtung Trevélez. Am Horizont zieht blauer Himmel auf, die Gewitterfront ist also durchgezogen. Umso froher sind wir, frühzeitig wieder im Tal zu sein. Die letzte Wegstunde unter der sengenden Sonne macht uns klar, wie die Tour verlaufen wäre, wenn wir später aufgebrochen wären. Der Weg führt steil bergab zu einer Wasserleitung und folgt ihr parallel zum Hang in Richtung Trevélez. Einmal erwischen wir den falschen Pfad und landen prompt im Gestrüpp. Durch Dornensträucher, über Mauern und Dächer von Viehhütten bahnen wir uns den Weg. Nun folgt noch ein Hatscher über einen holprigen Saumpfad. Nach 2000 Abstiegsmetern in den Knien ist das ganz schön unbequem, aber schließlich erreichen wir doch die weißen Häuser von Trevélez.


Trevélez, das Schinkendorf

Vor der Siesta möchten wir uns noch schnell mit kühlen Getränken eindecken, doch in diesem Bergdorf gibt es offenbar nichts anderes als Schinken zu kaufen. Busladungen voller speckiger Touristen werden hier heraufgekarrt, und die stürzen sich sogleich auf die ebenso fleischigen Auslagen. Trevélez, das Schinkendorf.

Den langen Nachmittag verbringen wir am Pool. Wir übertreiben maßlos mit unseren Heldentaten am Berg, und unsere beiden Liebsten sind stolz auf uns und bewirten uns fürstlich. Nach so einer großartigen Bergtour mit einem Bier in der Hand auf der Luftmatratze im Pool liegen, ist das nicht ein Männertraum? Der Mulhacén als Tagestour mit frühem Start: das war eine goldrichtige Entscheidung, wenn wir da an die Wanderer mit den großen Rucksäcken und den verdrießlichen Gesichtern denken…

Tourenübersicht: Mulhacén

Costa Tropicál


Siesta in Almuñécar

Heute lassen wir es gemächlich angehen. Nach dem Frühstück fahren wir kurz nach Órgiva auf den Markt. Mittags machen wir einen Ausflug an die Costa Tropicál. Zunächst sehen wir uns in Almuñécar um. Das Küstenstädtchen hat ein paar archäologische Stätten aus der Römerzeit zu bieten, nämlich die Bottiche einer Salzkonservenfabrik und einen Aquädukt. Die Ruinen der Fabrik sind in einen Park integriert und wirken dennoch lieblos gestaltet, der Aquädukt steht etwas verloren neben einer Vorortstraße. Das Städtchen selbst hat ein paar hübsche Altstadtgassen, jedoch fühlen wir uns vom allgegenwärtigen Dreck und Gestank zum raschen Weiterfahren nach Salobreña aufgefordert. Unterwegs wollen wir einen Strand-Stopp einlegen, doch wir verfransen uns auf den steilen, schmalen Seitensträßchen. Egal, Badewetter ist heute eh keins, es bleibt den ganzen Tag über grau. Salobreña ist sehr schön auf einem Felsen am Meer gelegen, die Häuser gruppieren sich um eine maurische Burg. Aber los ist auch hier nix. Der Tourismus hier unten an der Küste ist offenbar doch etwas anders orientiert als oben in den Bergen. Mangelndes Angebot deutet vermutlich auf mangelnde Nachfrage hin: die Pauschaltouristen bleiben wohl lieber in ihren Bettenburgen.

القلعة الحمراء
Alhambra und Granada


Blick auf die Alhambra


Die Kuppel der Sala des las Abencerrajes im Nasridenpalast auf der Alhambra


Der Partal auf der Alhambra


Maurische Schriftornamentik

Heute steht einer der Höhepunkte unserer Reise an: ein Besuch in der weltberühmten Alhambra von Granada. Tanja und Stephan haben schon frühzeitig Tickets reserviert. Früh am Morgen fahren wir nach Granada und verbringen den ganzen Vormittag in diesem Traumpalast aus 1001 Nacht. Alhambra: der Name kommt wahrscheinlich vom Arabischen ‎’qasr al-hamra‘ und bedeutet »die Rote«. Der Name bezieht sich wahrscheinlich auf den Farbton des Ziegelsteines, aus dem die wuchtigen Mauern und Türme des Bauwerks errichtet wurden.

Überall in der Anlage trifft man auf Gärten und aufwändig gestaltete Wasserspiele, die das kostbare Wasser der Sierra Nevada in den Palast führen. Inmitten der trockenen Ebene von Granada sind die Gärten der Alhambra und des oberhalb gelegenen Generalife noch heute Oasen der Kühle und Erholung.

Ältester Teil der Anlage ist die Alcazaba, das Festungsbauwerk vorne auf dem Bergsporn. Im 14. Jahrhundert, als das einst mächtige Reich der Mauren bereits zerfiel, errichteten die Nasriden dann eine Palastanlage von unvergleichlicher Schönheit. Doch der Glanz dieses Palastes ist introvertiert und vergänglich, die Bauten und Verzierungen bestehen aus sehr einfachen Materialien. Zur Erbauungszeit war der Anblick der Pracht wahrscheinlich nur sehr wenigen Privilegierten vorbehalten. Als die Alhambra bei der Eroberung Granadas 1492 durch die Katholischen Könige unbeschädigt übergeben wurde, soll Boabdil, der letzte Maurenherrscher Granadas, beim Abschied geweint haben. Die Christenkönige betrachteten das Bauwerk wie eine erbeutete Trophäe. Mitten hinein pflanzten sie den Palast Karls V., eine ästhetische, aber doch irgendwie plump monumentale Rotunde, die an ihrer erhöhten Stelle inmitten der Alhambra nichts anderes als Siegerjustiz ausstrahlt.

Später verfiel die Alhambra dann, Napoleons Truppen wollten sie gar sprengen. Doch als 1832 Washington Irvings »Tales of the Alhambra« erschienen, rückte die Anlage wieder ins Bewußtsein der Bevölkerung, und heute zählt sie zweifellos zu den größten Attraktionen Spaniens.

Nach unserer ausgiebigen Besichtigungstour verbringen wir noch ein wenig Zeit unten in der Stadt Granada. Die Stadt ist wunderschön und voller Leben. Wir erkunden auch das mittelalterliche Stadtviertel Albaicín, das seinen maurischen Charakter bis in unsere Zeit bewahrt hat, bevor wir am späten Nachmittag zurück nach Órgiva fahren.

Busquistar


In der Schlucht des Río Trevélez


Samtfalter, Hipparchia fidia

Den vorletzten Tag der Reise verbringen wir nochmal ganz geruhsam, doch nicht ohne eine abschließende Wanderung. Stephan hat die Schlucht des Río Trevélez ausgesucht. Vom hübschen Alpujarras-Dörfchen Busquistar führt der Weg steil hinab in die etwa 200 Meter tiefe Schlucht. Der Weg überquert die Schlucht neben einem schönen baulichen Ensemble aus Brücke und Mühle. Die Ruinen der Mühle lassen die ursprüngliche Anlage noch gut erkennen. Auch der Wasserkanal, der das Mühlrad speiste, ist noch am Hang sichtbar. Jenseits der Brücke geht es steil hinauf zur Anhöhe der Sierra de Mecina.

In der mittäglichen Hitze kommen wir ganz schön ins Schwitzen, aber heute macht uns das nicht viel aus, schließlich haben wir nur ein kleines Pensum zu bewältigen. Von der Anhöhe bietet sich ein schöner Blick in die Schlucht und hinüber zu den weißen Dörfern der Alpujarras. Am Gegenhang schlängeln sich wieder Carrihuelas, mittelalterliche Saumwege, hinauf zum alten Burgplatz und weiter in die Dörfer. Zum zweiten Mal steigen wir hinab in die Schlucht, und auch hier unten steht eine Mühle am Übergang. Hier gibt es eine natürliche Brücke, die Klamm verbirgt sich unten im Dickicht. Das Mühlengebäude steht auf einem mächtigen Felsüberhang. Durch die trocken-heißen Hänge geht es nun hinauf zu den Resten einer mittelalterlichen Burg. Doch die Wege hier sind nirgends richtig steil, und das hat vermutlich einen guten Grund: schließlich mußten die Menschen in dieser Hitze ihr Getreide zur Mühle und zurück bringen. In diesem extremen Terrain beobachten wir Samtfalter Hipparchia fidia und Sandschrecken Sphingonotus spec.. Oben in Busquistar gibts in der Dorfkneipe ein kühles Bier mit kleinen Schinken-Tapas.

Abends gehen wir in Órgiva gemütlich Essen und lassen den letzten Abend der Reise auf der Terrasse des Cortijo Alto ausklingen.

Tourenübersicht: Busquistar und Rio Trevélez

Málaga


Kathedrale in Málaga

Wir müssen früh raus, da Tanja und Stephan bereits am Vormittag zurück nach Dublin fliegen. Wir verabschieden uns am Flughafen und haben nun noch ein paar Stunden Zeit in Málaga und holen nach, was die Beiden am ersten Reisetag gesehen haben. Am Sonntagmorgen ist die Stadt fast menschenleer, bloß die Stadtreinigung fährt mit ihren Wasserkanonen durch die Straßen. Wir sehen uns die gewaltige Kathedrale an, »La Manquita« genannt, die Einarmige, weil der zweite Turm nie vollendet wurde. Anschließend besichtigen wir das Römische Theater und wandeln durch die Höfe der Alcazaba, die zwar nicht mit dem Glanz der Alhambra mithalten kann, aber dennoch schöne Eindrücke bietet. Am Nachmittag ist auch für uns die Reise zu Ende.

Der Flug beginnt recht rumpelig, wir können nochmal einige Blicke zurück auf Órgiva, die Alpujarras und die Sierra Nevada werfen. Der Mulhacén verbirgt sich allerdings in Wolken. Im schönsten Abendlicht tauchen dann die Alpengipfel unter uns auf. Wie schon auf dem Mallorca-Rückflug haben wir eine prächtige Sicht auf große Alpenberge: Mont Blanc, Monte Rosa, die Berner Alpen mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Bei Sonnenuntergang landen wir in Hahn. Eine kurze, aber sehr schöne Reise geht zu Ende. Toll, was wir in der kurzen Zeit wieder alles sehen und erleben konnten. Und gut erholt sind wir auch, denn auch die Zeit am Pool war nicht zu verachten. Vielen Dank, Tanja und Stephan, für die wunderschöne und erlebnisreiche Zeit mit Euch beiden. Auf ein Neues!

Andalusien-Fotos auf flickr

Cortijo Alto
Órgiva und El Castillejo
Cerro del Trevenque
Puente Nazari
Mulhacén
Costa Tropicál
Alhambra
Granada (Stadt)
Río Trevélez
Málaga
Rückflug

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2 Gedanken zu „Andalusien

  1. Hallo ihr zwei!
    Beim Anschauen der vielen schönen Bilder erinnern wir uns gerne an unseren Urlaub mit Euch.
    Der Herbst hat nun Einzug gehalten hier, um so mehr denken wir an den Sommer in Andalusien zurück!
    Liebe Grüße,
    Tanja und Stephan

  2. Hi,
    erinnerst Du Dich noch an mich? Konstantin und ich fahren jetzt zufällig (ohne vorher auf Deine Seite geblickt zu haben) nach Orgiva, ins Cortijo Grande, eines der Ziele ist ebenfalls der Mulhacen. :-)
    Deine Routenbeschreibung nehme ich mit!
    Viele Grüße
    Stephanie

    Antwort von Marco:
    Hallo Stephanie, klar erinnere ich mich! Eine schöne Reise wünsche ich Euch. Andalusien ist einfach herrlich.
    Viele Grüße, Marco

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