Apulien

Apulien – der Absatz des italienischen Stiefels – ist ein wahres Orchideenparadies. Das gilt zuallererst natürlich für den Monte Gargano mit dem gleichnamigen Nationalpark, aber auch die karstigen Plateaus der Murge, von deren Ausläufer das Stauferschloss Castel del Monte grüßt. Und schließlich auch für das Salento rund um Lecce, wo zwei besonders schöne Ophrys-Arten vorkommen. Insgesamt sind es elf Tage gewesen, die unsere Reisegruppe je zur Hälfte im Gargano sowie in den Murge und im Salento verbracht hat.

Die Apulien-Reise beginnt am Flughafen von Bari. Bereits beim Anflug haben wir den Gargano, Italiens Stiefelsporn, gesehen. Nun fahren wir an der Küste entlang in Richtung Manfredonia. Hinter Margherita di Savoia liegen die riesigen Salzbecken der Saline, in den flachen Gewässern beobachten wir Weißstörche und Rosaflamingos. Die Weiterfahrt nach Mattinata zieht sich etwas hin, weil vor Manfredonia die Straße unterbrochen und eine komplizierte Umleitung eingerichtet ist, die uns viel Zeit kostet. Rasch wird es dunkel. Oben am Gargano leuchten die Lichter von Monte Sant’Angelo. Hinter Manfredonia geht es durch den Tunnel nach Mattinata, unserem Quartier für die nächsten fünf Übernachtungen.


Salinen von Margherita di Savoia

Bevor wir in den ersten, sehr milden und sonnigen Exkursionstag starten, erkunden wir bereits bei Sonnenaufgang die direkte Umgebung des Ortes. Entlang eines Sträßchens gibt es Gargano-Ragwurz Ophrys garganica, Apulische Ragwurz Ophrys apulica, Drohnen-Ragwurz Ophrys bombyliflora, Kleinblütigen Serapias parviflora und Pflugschar-Zungenstendel S. vomeracea. Diese ersten Erkenntnisse hinsichtlich des Blütezeitpunktes sind nützlich für die Exkursionsplanung der nächsten Tage. Es handelt sich um ein relativ frühes Jahr – und das bedeutet, dass wir nun gleich auf die Suche nach den früh blühenden Arten gehen.


Drohnen-Ragwurz, Ophrys bombyliflora

Siponto

Folglich steuern wir gleich als erstes die Opuntienhaine von Siponto an. Am einfachsten wäre er vor der Schnellstraße aus erreichbar, aber das gestaltet sich schwierig mit dem Bus. Also fahren wir auf staubigen Wegen durch die Peripherie von Manfredonia und parken irgendwo im Nirgendwo.

Von hier aus geht es ein Stück in die ehemaligen Opuntien-Plantagen. Aber gleich am Bus stehen schon die ersten Orchideen – beispielsweise Gargano- Ophrys garganica, Schwarze O. incubacea, Kleine Gelbe O. sicula und Übersehene Wespen-Rgawurz O. neglecta, dazu Pflugschar-Zungenstendel Serapias vomeracea. Weiter hinten im Gelände finden wir dann die ersten Exemplare, die wir der Siponto-Ragwurz Ophrys sipontensis zuordnen. Aber sie sind alle abgeblüht, wenn auch noch gut erkennbar. So schnell geben wir nicht auf und suchen weiter. Dabei finden wir auch die ersten Apulischen Zungenstendel Serapias apulica, ein paar Kleinblütige Oster-Ragwurzen Ophrys minipassionis, eine Rest-Blüte der Lojacono-Ragwurz Ophrys lojaconoi, und dann – auf der Nordseite des Straßendammes – eine einzelne, noch frische Rest-Blüte von Ophrys sipontensis. Wahrlich sehr prächtig, ein richtiges »Juwel«.


Siponto-Ragwurz, Ophrys sipontensis


Eleonorae-Ragwurz, Ophrys eleonorae

Da auch am Haupt-Standort jenseits der Schnellstraße nicht viel anderes zu erwarten ist, kehren wir zum Bus zurück und fahren erst einmal einkaufen, damit wir versorgt sind für die Mittagsrast. Der nächste Stopp ist beim antiken Siponto. Hier steht die romanische Kirche Santa Maria Maggiore, und daneben die Ausgrabungsstätte der antiken frühchristlichen Basilika, die mit einer Raumskulptur aus Drahtgittern des Künstlers Edoardo Tresoldi nachgebildet wurde.


Die romanische Basilika Santa Maria Maggiore in Siponto


Der Nachbau der frühchristilichen Basilika von Siponto von Edoardo Tresoldi

Am Monte Calvo

Nun geht es aber hinauf in die Berge. Wir wollen erst einmal einen Picknickplatz suchen. Vom Bus aus ist aber keine geeignete Stelle zu finden, also fahren wir gleich durch bis zum nächsten Standort am Monte Calvo und machen Picknick in der Wiese, umringt von Orchideen.


Monte Calvo

Hier finden wir die ersten Bertolonii-ähnlichen Ragwurze Ophrys bertoloniiformis, die für den Gargano so typisch sind. Bemerkenswert sind hier aber auch die ersten Vierpunkt-Knabenkräuter Orchis quadripunctata und schöne Schwarze Ragwurze Ophrys incubacea am Straßenrand. Aber der Standort ist bereits ziemlich verbracht; früher waren hier weitaus höhere Stückzahlen und auch noch mehr Arten zu finden.


Vierpunkt-Knabenkraut, Orchis quadripunctata


Übersehene Wespen-Ragwurz, Ophrys neglecta


Schwarze Ragwurz, Ophrys incubacea

Nach dieser Exkursion fahren wir weiter nach San Giovanni Rotondo. Eigentlich wollten wir kurz die Wallfahrtskirche des Padre Pio anschauen – aber die Innenstadt ist generell für Busse gesperrt, und der Transfer vom Parkplatz mit Shuttlebussen ist viel zu zeitaufwändig, denn wir haben heute ja noch einiges vor. So fahren wir weiter. Auf einer kleinen Magerrasenfläche suchen wir nach der Spiegel-Ragwurz Ophrys speculum.

Erst einmal fallen größere Bestände von Kleinem Anacamptis morio, Schmetterlings-Knabenkraut A. papilionacea und Gargano-Ragwurz Ophrys garganica auf. Die Spiegel-Ragwurz will sich trotz punktgenauer Koordinaten einfach nicht finden lassen. Doch es ist wie so oft: gerade sind wir im Begriff aufzubrechen, da werden drei Exemplare von Ophrys speculum gefunden! Wie überall auf dem italienischen Festland ist sie auch am Gargano sehr selten, und die Fundorte werden von den einheimischen Orchideenspezialisten nicht gern verraten.


Spiegel-Ragwurz, Ophrys speculum

In der Umgebung von Borgo Celano steuern wir einen reichhaltigen Orchideen-Standort an. Als erstes begrüßen uns viele Kleine und Schmetterlings-Knabenkräuter, Anacamptis morio und papilionacea. Dazu gesellen sich zahlreiche Gargano- Ophrys garganica, Bertolonii-ähniche O. bertoloniiformis, Übersehene Ragwurze O. neglecta und einige Hybriden dieser beiden letztgenannten Arten. In etwas geringeren Stückzahlen sind Apulische Ophrys apulica, Schwarze O. incubacea und Korsische O. corsica vertreten, außerdem Pflugschar- Serapias vomeracea und Lockerblütiger Zungenstendel S. bergonii, Ohnsporn Orchis anthropophora, Italienisches Knabenkraut O. italica, ein paar Brand-Knabenkräuter Neotinea ustulata und zwei abgeblühte Hügel-Knabenkräuter Anacamptis collina.


Ohnsporn, Orchis anthropophora


Hybride Bertolonii-ähnliche × Übersehene Wespen-Ragwurz, Ophrys bertoloniiformis × neglecta

An diesem schönen und reichhaltigen Standort überziehen wir unser Zeitbudget, aber von dieser Blütenpracht kann man sich ja auch kaum trennen. So geht es mit etwas Verspätung weiter hinab in die Ebene. Der nächste und letzte Standort des Tages, ehemals sehr reichhaltig, ist hingegen völlig verbracht und nicht mehr ergiebig. Nur noch ganz wenige Orchideen haben hier überlebt. Umso froher sind wir, dass wir uns am Standort zuvor mehr Zeit gelassen haben, die wir hier wieder aufholen. Schon gleich am ersten Tag zeichnet sich die Tendenz ab, dass Standorte in tieferen Lagen des Gargano ziemlich verfilzt sind, die ergiebigeren hingegen in höheren Lagen anzutreffen sind. Auf teils sehr holprigen Straßen geht es nun nach Manfredonia und zurück nach Mattinata.


Blick vom Gargano über die Ebene

Monte Sacro

Auch der zweite Exkursionstag beschert uns herrliches sonniges Frühlingswetter. So beginnen wir unseren Ausflug an einem bekannten Orchideenstandort bei Mattinata, einer sehr steilen Hügelkuppe. Wir lassen uns Zeit zur Erkundung. Gleich am Pfad finden wir die ersten Pflänzchen der kleinblütigen Trauer-Ragwurz Ophrys funerea, und weiter oben bereits weitgehend abgeblühte Adriatische Ragwurzen Ophrys archipelagi. Der Bestand des Italienischen Knabennkrautes Orchis italica ist in diesem Jahr bei weitem nicht so üppig wie auf den einschlägigen Fotos dieses Standorts. Auffallend sind hingegen die großen Stückzahlen des Vierpunkt-Knabenkrautes Orchis quadripunctata und des Ohnsporns Orchis anthropophora.


Italienisches Knabenkraut, Orchis italica


Ruinen-Eidechse, Podarcis siculus


Trauer-Ragwurz, Ophrys funerea


Adriatische Ragwurz, Oprhys archipelagi

Nach diesem schönen Auftakt fahren wir weiter hinauf in Richtung Monte Sacro. Den nächsten Halt legen wir aber schon auf halber Höhe ein. Beim Picknick beginnen wir schon neugierig mit der Orchideensuche. Das Gelände erscheint zunächst wenig ergiebig, aber nach genauerer Suche entlang eines Weges und in den Gebüschen kommen recht viele Arten zusammen. Darunter sind Spinnen-Ragwurze, die wir als Ophrys classica einsortieren, und Gelbe Ragwurze, die hier am Gargano inzwischen meist als Korsische Ragwurz Ophrys corsica gelistet werden. Auch die Küsten- Ophrys classica und die Kleinblütige Oster-Ragwurz Ophrys minipassionis sind vertreten, hinzu kommt eine Handvoll Exemplare von Ophrys pseudomelena, einer ziemlich dunklen Gelben Ragwurz mit nur schmalem gelbem Rand.


Küsten-Ragwurz, Ophrys classica


Falsche Dunkle Ragwurz, Ophrys pseudomelena


Bertolonii-ähnliche Ragwurz, Ophrys bertoloniiformis

Nun aber hinauf zum Monte Sacro. Wir besuchen eine Bergweide unterhalb des Gipfels, der die Ruine eines mittelalterlichen Klosters trägt. Zunächst begrüßen uns die herrlich hellblauen Zweiblütigen Schwertlilien Iris bicapitata, zwischen den Felsen stehen als rotviolette Farbtupfer Grüppchen des Vierpunkt-Knabenkrautes Orchis quadripunctata. Und als nächstes finden wir gleich zwei Highlights des Gargano auf einmal: Die Vorgebirgs-Ragwurz Ophrys promontorii und die Brillen-Ragwurz Ophrys biscutella, sowie sogar eine Hybride der beiden. Dieser Standort ist ein wahres Steingärtchen mit vielen Arten und einer Fülle von Formen und Farben, insbesondere »Brillen« in allen Variationen. Wir lassen uns viel Zeit. Natürlich sind auch andere Orchideenfreunde hier unterwegs. So ist relativ schnell klar, dass wir den Aufstieg zum Gipfel ausfallen lassen müssen.


am Monte Sacro


Hybride Brillen- × Vorgebirgs-Ragwurz, Ophrys biscutella × promontorii


Römische Fingerwurz, Dactylorhiza romana

Ein Stück weiter suchen wir dann noch in einem Eichenwäldchen nach Orchideen. Hier stehen schöne Grüppchen der Römischen Fingerwurz Dactylorhiza romana, die in diesem Gebiet ausschließlich gelb blüht. Auf der angrenzenden Weide gibt es nochmals schöne Brillen-Ophrys biscutella und Adriatische Ragwurze Ophrys archipelagi. Ein schöner Abschluss des Exkursionstages am »Heiligen Berg« des Gargano.

Monte Sant’Angelo und Pulsano

Auch den nächsten Exkursionstag werden wir in den Hochlagen des Promontorio verbringen. Der Tag startet mit harmloser Bewölkung, doch setzt sich im Tagesverlauf bald wieder die Sonne durch. Wir starten nach dem Frühstück hinauf nach Monte Sant’Angelo. Zunächst geht es durch den Tunnel in Richtung Manfredonia, und dann in schier endlosen Serpentinen hinauf. Wie Schwalbennester kleben die Häuser des Städtchens oben am Berg. Wir lassen die Altstadt mit der Höhlenkirche erst einmal hinter uns und steruern die weitläufigen Bergweiden an.

Der erste Standort umfasst ein sehr weitläufiges Weidegelände, unterteilt durch Trockenmäuerchen. Auffallend sind zunächst große Mengen von Kleinem Anacamptis morio und Schmetterlings-Knabenkraut A. papilionacea samt vielen Hybriden. Hinzu kommt das ebenfalls häufige Vierkpunkt-Knabenkraut Orchis quadripunctata, und auch ein paar Purpur-Knabenkräuter Orchis purpurea haben ihre Blüten bereits geöffnet. Weiter hinten im Gelände sind die Weiden bereits abgegrast, aber dennoch stehen dort sehr schöne Vorgebirgs-Ragwurzen Ophrys promontorii und ein paar Milchweiße Knabenkräuter Neotinea lactea, von denen eine noch ansehnlich in Blüte ist. Auffällig ist allerdings, dass das sonst nicht seltene Hügel-Knabenkraut Anacamptis collina in diesem Jahr anscheinend einen Totalausfall hat.


Landschaft bei Monte Sant’Angelo


Milchweißes Knabenkraut, Neotinea lactea


Vorgebirgs-Ragwurz, Ophrys promontorii


Vorgebirgs-Ragwurz, Ophrys promontorii, mit angedeutetem Basalfeld

Dann geht es weiter in ein schönes und orchideenreiches Tälchen mit ein paar Trulli. Hier empfangen uns herrliche und bunt gemischte Orchideenbestände. Besonders schön ist eine Stelle, an der das rosarote Italienische Orchis italica, das rote Schmetterilings- Anacamptis papilionacea, das violette Kleine Anacamptis morio und das gelbe Wenigblütige Knabenkraut Orchis pauciflora beisammen stehen. Aber auch die Ragwurz-Bestände sind hier sehr schön, besonders erwähnenswert sind hier Bertolonii-ähnliche Ophrys bertoloniiformis, Brillen- O. biscutella, Korsische O. corsica, Übersehene O. neglecta und auch – zum ersten Mal auf der Reise – Romolonis Ragwurz Ophrys romolinii (man kann sie auch weierhin Ophrys bertolonii nennen) der Reise. Und eine sehr hübsche Hybride ist auch noch dabei – Ophrys garganica × neglecta.


Orchideenreiche Weiden mit Trulli bei Monte Sant’Angelo – Orchideen im Bildausschnitt: Italienisches Knabenkraut, Orchis italica / Vierpunkt-Knabenkraut, Orchis quadripunctata / Wenigblütiges Knabenkraut, Orchis pauciflora / Schmetterlings-Knabenkraut, Anacamptis papilionacea


Brillen-Ragwurz, Ophrys biscutella mit Hybride Kleines × Schmetterlings-Knabenkraut, Anacamptis morio × papilionacea = Anacamptis x gennarii


Übersehene Wespen-Ragwurz, Ophrys neglecta

Nun steuern wir die Abtei Pulsano an, die direkt an der Kante des Hochplateaus liegt. Wir machen Picknick auf Holzbänken im Hof und besichtigen anschließend die Höhlenkirchen. Das Kloster ist eine ehemalige Eremitage mit Felsenkirchen, deren Ausstattung auf den byzantinischer Ritus schließen lässt. Danach statten wir auch dem Michaels-Heiligtum auf dem Monte Sant’Angelo einen Besuch ab. Die Höhlenkirche gehört zum UNESCO-Welterbe.


Die Höhlenkirche auf dem Monte Sant’Angelo

Anschließend geht es weiter in Richtung Foresta Umbra, dem großen Waldgebiet im Zentrum des Gargano. Wir stoppen an einer Waldlichtung. Hier wachsen unter anderem die beiden gelb blühenden Orchideen Wenigblütiges Knabenkraut Orchis pauciflora und Römische Fingerwurz Dactylorhiza romana, und auch die Keuschorchis Neotinea maculata hat schon die allerersten Blüten geöffnet. Und zur Krönung git es eine eine herrliche Gruppe der Brillen-Ragwurz Ophrys biscutella.


Baum-Heide, Erica arborea


Keuschorchis, Neotinea maculata


Wenigblütiges Knabenkraut, Orchis pauciflora


Brillen-Ragwurz, Ophrys biscutella

Auf der Rückfahrt über San Giovanni Rotondo in Richtung Manfredonia. Wir legen einen Spontanstopp an einer Weide mit gelber Zwergiris ein. Auch hier gibt es unter anderem wieder herrliche »Brillen«. Bevor es hinab nach Manfredonia geht, botanisieren wir noch an einer schönen Stelle am Rande des Plateaus, die allerdings schon im Schatten liegt. Hier finden wir die letzten Reste der früh blühenden Doppelhalbmond-Ragwurz Ophrys bilunulata und dann auch wieder die sehr hübsche Hybride Ophrys bertoloniiformis × neglecta, die offenbar im Gargano nicht selten auftritt.


Doppelhalbmond-Ragwurz, Ophrys bilunulata

An der Gargano-Ostküste

Am nächsten Tag starten wir bei weiterhin herrlichem Wetter zu einer etwas weiteren Rundfahrt über die Halbinsel. Unser Ziel sind Orchideenstandorte im Gebiet von Vieste und auf dem Hochplateau. Wir nehmen die Panorama-Küstenstraße in Richtung Vieste und halten zuerst an einem Steilhang unweit Mattinatella. Von der hier gesuchten Eleonore-Ragwurz Ophrys eleonorae finden wir nichts mehr, dafür gibt es aber sehr schöne Apulische Ragwurze Ophrys apulica, einen Apulischen Zungenstendel Serapias apulica und einen weiteren Zungenstendel, der wie die vielen knospenden Exemplare vermutlich zum spät blühenden Lockerblütigen Zungenstendel Serapias bergonii gehört. Mit zwei Norditalienern tauschen wir uns über den einen oder anderen Standort aus. Einer der beiden ist in Plauderlaune und will uns einen Standort der Spiegel-Ragwurz nennen, doch der andere winkt schnell ab – umso mehr staunt er aber, dass wir sie am Gargano schon gesehen haben (aber jetzt kann wiederum er uns ja schlecht nach dem Standort fragen…).


Apulische Ragwurz, Ophrys apulica

Die Weiterfahrt bietet herrliche Ausblicke auf die Küste des Gargano. Wir bewundern das Felsentor im Meer und die Feuersteinschichten in den Kreidefelsen. Dann erreichen die Umgebung von Vieste, wo wir einen relativ bekannten Fundort der Monte-Gargano-Ragwurz Ophrys oestrifera subsp. montis-garganis besuchen. Diese relativ spät blühende Orchidee ist gerade im Anfangsstadium der Blüte. Etwa ein Dutzend der Pflanzen haben schon offene Blüten. Hier kommen wir auch mit zwei österreichischen Orchideenfreunden in Kontakt. Mit ihnen tauschen wir uns im weiteren Reiseverlauf immer wieder über Standorte aus.


Monte-Gargano-Ragwurz, Ophrys oestrifera subsp. montis-garganis


Der Pizzomunno in Vieste

Bei Vieste machen wir Picknick im Schatten des Kreidefelsens Pizzomunno. Wir lassen uns Brot und Wein schmecken, anschließend machen wir noch einen kurzen Stadtrundgang mit Eis-Essen in Vieste, dann fahren wir vorbei an Peschici in Richtung Caragno Varano und weiter hinauf in die Hochlagen des Gargano. Oben in der Foresta Umbra fahren wir durch herrlichste Frühlingswälder, immer wieder winken uns die weißen Dichter-Narzissen Narcissus poëticus, die gelb blühenden Römischen Fingerwurzen Dactylorhiza romana (rote haben wir auf der ganzen Reise nicht gesehen) und die hellblauen Anemone blanda zu. Am liebsten würde man überall stoppen, aber dafür ist der Zeitrahmen natürlich zu kurz.

Auf dem Gargano-Plateau

Wir steuern deshalb ein Plätzchen mit Parkmöglichkeit an, und von hier aus erkunden wir die Frühlingswälder. Und wir werden nicht enttäuscht. Zu den bereits genannten Blumen kommen hier unter anderem noch eine große Zahl Kleiner Knabenkräuter Anacamptis morio und ein paar hübsche Brillen-Ragwurze Ophrys biscutella hinzu. Bei einem weiteren Stop botanisieren wir in lichten, leider schon stark verbrachten Laubwäldern. Hier gibt es zusätzlich zu den bereits gefundenen Arten noch einen größeren Bestand der Holunder-Fingerwurz Dactylorhiza sambucina, auch sie ausschließlich gelb blühend, und dazu eine sehr hübsche Hybride von Römischer × Holunder-Fingerwurz Dactylorhiza romana × sambucina. Das Provence-Knabenkraut, welches hier ebenfalls vorkommen soll, suchen wir hingegen vergeblich. Möglicherweise ist es bereits der Verfilzung zum Opfer gefallen.


eine besonders schöne Brillen-Ragwurz, Ophrys biscutella


Römische Fingerwurz, Dactylorhiza romana


Hybride Römische × Holunder-Fingerwurz, Dactylorhiza romana × sambucina = D. rombucina

Nun geht es auf dem Bergsträßchen hinauf auf die Hochfläche. Die Weiden, die einst voll von Vierpunkt- Orchis quadripunctata und Wenigblütigem Knabenkraut O. pauciflora waren, sind inzwischen an vielen Stellen verbracht, wenngleich beide Arten immer noch häufig vertreten sind. Aber auf der Weiterfahrt kommen wir durch herrliche Bergweiden im Abendlicht, in denen die Orchideen noch in großer Zahl wachsen. Man kann gar nicht so oft anhalten wie man gerne würde. Trotzdem müssen wir das Abendessen telefonisch ein wenig verschieben.


Wenigblütiges Knabenkraut, Orchis pauciflora

So halten wir an einer Weide mit viel Holunder-Fingerwurz Dactylorhiza sambucina. Auch hier oben tritt sie ausschließlich gelb blühend auf, noch dazu meist ungezeichnet. Nur ganz wenige Exemplare haben die rote Schleifenzeichnung. In der Wiese stehen auch zahlreiche Kleine Knabenkräuter Anacamptis morio, und in der weiteren Umgebung leuchtet überall das Wenigblütige Knabenkraut Orchis pauciflora aus den Weiden, erkennbar am markanten Dottergelb. Nun fahren wir durch die herrlichen Wälder der Foresta Umbra wieder hinab in die tieferen Lagen des Gargano und über Manfredonia zurück ins Hotel nach Mattinata.


Holunder-Fingerwurz, Dactylorhiza sambucina


Holunder-Fingerwurz, Dactylorhiza sambucina

Der folgende Reisetag ist der Transfertag, an dem wir von Mattinata nach Alberobello »umsiedeln«. Das Wetter ist wie gewohnt sonnig und warm. Nach dem Frühstück beladen wir den Bus, kaufen noch etwas Proviant und starten dann in Richtung Südosten. An der Schnellstraße bei Manfredonia bitten wir unseren Busfahrer, doch kurz an einer Nothaltebucht zu halten. Dankenswerterweise macht er das auch, und so können wir eine Felsheide mit schönen Apulischen Zungenstendeln Serapias apulica aufsuchen. Aufgrund der etwas misslichen Parksituation bleiben wir nur ganz kurz am Standort.


Apulischer Zungenstendel, Serapias apulica

Castel del Monte

Nun geht es weiter zum Castel del Monte, der »Krone Apuliens«. Vom Besucherparkplatz fährt ein Shuttlebus hinauf zum Schloss. Der eindrucksvolle achteckige Bau mit Innenhof und acht Treppentürmen stammt aus der Zeit des Stauferkaisers Friedrich II. und wurde von 1240 bis etwa 1250 errichtet. Die genaue Funktion ist bis heute nicht geklärt. Das Gebäude verfügt nicht über Wehranlagen, jedoch über eine sehr aufwändige und durchdachte Architektur mit leichten aber gewollten Unregelmäßigkeiten, ornamentalen Schmuck aus roter Brekzie, ein Kaminsystem und sogar Sanitäreinrichtungen. So liegt die Schlussfolgerung nahe, dass es sich um einen rein repräsentativen Bau gehandelt haben muss.


Castel del Monte – die Krone Apuliens


im Innenhof des Castel del Monte

Im Wald von Gravina

Nach der Besichtigung setzen wir unsere Fahrt fort bis zu einem Waldgebiet in der Nähe von Gravina di Puglia. Nach dem Picknick suchen wir die hier zu erwartenden Orchideen. Dies ist in erster Linie die neue beschriebene Ophrys gravinensis. Doch bei den angegebenen Koordinaten ist nichts zu finden – ein paar Exemplare davon stehen jedoch recht weit hinten im Gebiet am Waldweg. Die Eigenständigkeit der Art ist stark zweifelhaft. Aber schön ist sie schon, das Mal ist leuchtend blau.

Im wunderbar duftenden Kiefernwald steht auch das Südfranzösische Knabenkraut Anacamptis picta in großer Zahl. Zusätzlich zu diesen Funden gibt es in diesem Waldgebiet einen sehr schönen Bestand von Ophrys parvimaculata, mit allen möglichen Variationen in der Lippenform und -zeichnung. Dazwischen stehen auch Pflanzen, die offenbar Hybriden sind. Da von hier auch Ophrys conradiae nachgewiesen ist (sie blüht deutlich später), scheint auch sie teilweise daran beteiligt zu sein.


Südfranzösisches Knabenkraut, Anacamptis picta


Gravina-Ragwurz, Ophrys gravinensis


Kleingezeichnete Ragwurz, Ophrys parvimaculata

Doline Pulo di Altamura

Anschließend fahren wir weiter in Richtung Altamura. Wir steuern die riesige Karstdoline namens Pulo di Altamura an. Auf dem Weg passieren wir eine Stelle, die in anderen Reiseberichten als »Traumbiotop« bezeichnet wurde. Doch wegen der Verbrachung ist dort leider nicht viel übrig. Ergiebieger ist es dagegen direkt am Pulo. Neben der allgemein recht ansehnlichen Arten- und Stückzahl ist eine Hybride der Schwarzen mit Romolinis Ragwurz Ophrys incubacea × romolinii bemerkenswert. Über Santeramo del Colle, Gioia del Colle und Noci erreichen wir Alberobello und somit unser Quartier für die nächsten Tage.


Pulo di Altamura


Hybride Schwarze × Romolinis Ragwurz, Ophrys incubacea × romolinii

Unser ester Exkursionstag im Salento startet mit Sonne und Wärme. Wir starten nach dem Frühstück in Richtung Küste. Über Canale di Pirro und Fasano fahren wir mit teils längeren Wartezeiten an Ampeln hinab nach Torre Canne, in den Naturpark »Dune Costiere« (Küstendünen).

In den Dune Costiere

Wir steuern zunächst einen Hügel an, auf dem laut Punktkoordinate große Serapias-Bestände wachsen sollen. Doch hier müssen wir leider einen Totalverlust feststellen – der Hügel ist umgepflügt, und es sind keine Orchideen mehr zu finden.

Wir suchen daher einen anderen, ähnlichen, jedoch intakten Standort und finden ihn einige hundert Meter weiter. Hier gibt es die erhofften Serapias-Populationen. Wir finden den Apulischen Serapias apulica, den Lockerblütigen S. bergonii, den Herz- S. cordigera, den Echten S. lingua und Kleinblütigen Zungenstendel S. parviflora, sowie die Hybride Serapias apulica × cordigera in ansehnlichen Stückzahlen. Außerdem gibt es viel Romolinis Ragwurz Ophrys romolinii und auch eine erste Spätblühende Wespen-Ragwurz Ophrys tardans lugt aus dem Gebüsch.


Hybride Apulischer × Herzförmiger Zungenstendel, Serapias apulica × cordigera


Kleinblütiger Zungenstendel, Serapias parviflora

Dann wechseln wir auf die Meeresseite der Schnellstraße. Dort suchen wir an einem schönen Strandabschnitt und in den dahinter liegenden Sümpfen und Wiesen. Die Küstensümpfe sind orchideenmäßig wenig ergiebig, im trockenen gibt es dagegen schöne Pyramiden-Orchis Anacamptis pyramidalis, dazu den Durchwachsenblättrigen Bitterling Blackstonia perfoliata – ein Enziangewächs – und verschiedene Sommerwurzen.

Nun fahren wir weiter nach Ostuni und kaufen ein. Da wir mit dem Bus nicht durch die Gassen fahren können, ist die Stadtbesichtigung zu zeitaufwändig, und wir fahren weiter ins Gelände zum nächsten Standort und machen dort Picknick. Anschließend botanisieren wir in den alten Oliventerrasen mit Trullis und wilder Müllkippe. Hier finden wir die ersten Tarenter Ragwurze Ophrys tarentina der Reise, außerdem sind hier nochmals Lockerblütige Zungenstendel Serapias bergonii und knospende Wohlriechende Wanzen-Knabenkräuter Anacamptis fragrans erwähnenswert.


Standort bei Ostuni


Pyramiden-Orchis, Anacamptis pyramidalis

Wir setzen die Fahrt in Richtung Locorotondo fort. An einem stark verbuschten, schwer zugänglichen Hang suchen wir nach der Ceglie-Ragwurz, Ophrys celiensis – wahlweise ein eigenes Taxon oder eine Unterart der Schnabel-Ragwurz Ophrys oxyrrhynchos. Im Gelände finden wir eine Handvoll Exemplare – sicher nur die Reste eines einst größeren Bestandes. Individuenreicher sind dagegen die Straßenränder, hier stehen auch besonders viele Italienische Knabenkräuter Orchis italica sowie einige Ragwurze, die wir zur Brutischen Ragwurz Ophrys brutia stellen.


Gelbe Ragwurz, Ophrys lutea


Ceglie-Ragwurz, Ophrys celiensis


Italienisches Knabenkraut, Orchis italica

Danach fahren wir zurück nach Alberobello und erkunden die Hauptstadt der Trulli, die wiederum zum UNESCO-Welterbe gehört. Am Abend gehen einige Teilnehmer der Reise in die sehr stimmungsvolle, zweieinhalb Stunden lange Osternachtfeier in der Trulli-Kirche St. Antonio.


Trulli in Alberobello


Roter Pippau, Crepis rubra

In den Murge

Der folgende Exkursionstag startet zwar mit gutem Wetter, bringt jedoch einen Wetterumschwung mit. Zunächst suchen wir nach Orchideen direkt in Alberobello. Auf Brachflächen nahe beim Hotel gibt es durchaus interessante Orchideenfunde, besonders erwähnenswert sind die zahlreichen Hybriden der Schwarzen mit Romolinis Ragwurz Ophrys incubacea × romolinii. Danach starten wir in Richtung Grottaglie. In Martina Franca ist Stau, da die Einheimischen am Ostersonntag die Gräber besuchen und da in Süditalien auch kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden, anstatt zu Fuß zu gehen. Die Polizia Municipale macht »bella figura« und regelt nebenbei das ganze Geschehen.

Auf der Weiterfahrt in Richtung Grottaglie wird es bereits dunstiger und zeitweise bedeckt. Der Durchzug einer Gewitter- und Regenfront ist angekündigt. Bei einem Großbestand des Italienischen Knabenkrautes Orchis italica halten wir spontan. Der Standort ist sehr reichhaltig. Wir finden insbesondere viel Tarenter Ragwurz Ophrys tarentina, Farbvariationen von Orchis italica, dazu Brutische Ophrys brutia, Ceglie- O. celiensis und sogar noch einmal Spiegel-Ragwurz O. speculum, die ja bekanntlich auf dem italienischen Festland zu den absoluten Ausnahmefunden zählt.


Brutische Ragwurz, Ophrys brutia


Romolinis Ragwurz, Ophrys romolinii


Spiegel-Ragwurz, Ophrys speculum

Ein heftiger Wettersturz

Danach wollen wir Picknicken, aber der erste Regenschauer treibt uns in den Bus zurück, und so fahren wir weiter zum nächsten Standort. Hier holen wir das Picknick nach und beginnen dann, das weitläufige Gelände abzusuchen. Es schaut sehr interessant aus, allerdings treibt uns auch hier das aufziehende Gewitter schnell in den Bus zurück. Und dann hagelt es sogar! Erst warten wir noch eine Weile ab, da wir mit der Suche am Standort noch nicht fertig sind. Aber da keine Besserung in Sicht ist und das Warten irgendwann keinen Sinn mehr macht, fahren wir weiter in Richtung Küste. Bei Grottaglie, am Rand der Hochfläche, ist das Wetter noch kurzzeitig etwas besser. Wir botanisieren in einem laut Aufzeichnungen artenreichen Gelände. Die ersten Eindrücke sind jedoch weniger interessant als erwartet, und schnell werden wir auch hier vom Gewitter und Starkregen eingeholt.


Tarenter Ragwurz, Ophrys tarentina

So beschließen wir, unser Gück weiter westlich in der Gegend von Martina Franca zu suchen. Doch das Wetter ist inzwischen überall schlecht. Wir fahren über Straßen, die zu wahren Sturzbächen geworden sind. An Exkursionen ist nun nicht mehr zu denken. Daher legen wir eine Kaffeepause in der schöen Barockstadt Martina Franca ein – aber auch der Stadtundgang fällt witterungsbedingt recht kurz aus. Also fahren wir zurück nach Alberobello. Das Wetter hat sich nun insoweit beruhigt, dass Gewitter und Hagel vorüber sind und der Regen nachlässt. Auch am nächsten Tag regnet es in Strömen, und wir haben es mit einem vertiablen Kälteeinbruch zu tun. Nach Berichten von anderen Orchideen-Reisenden stehen die Orchideen in den Hochlagen des Gargano inzwischen im Schnee!

Über Fasano geht es auf die Küstenstraße und in Richtung Lecce. Dort verlassen wir die Autobahn, fahren in Richtung Küste, und – siehe da: der Regen hat pünktlich aufgehört. Und noch eine zweite schöne Überraschung erwartet uns: An unserem ersten Standort ist der Biotopzustand viel besser als in älteren Reiseberichten beschrieben. Die Sumpfwiese wurde offensichtlich durch Abflämmen gepflegt, und das hat dem hier vorkommenden Lockerblütigen Knabenkraut Anacamptis laxiflora sehr gut getan. Im hinteren Bereich der Sumpfwiese gelingt noch ein ein unerwarteter Fund, der in älteren Listen nicht verzeichnet ist, nämlich das Sumpf-Knabenkraut Anacamptis palustris, und außerdem viele Hybriden der beiden!


Lockerblütiges Knabenkraut, Anacamptis laxiflora


Hybride Lockerblütiges × Sumpf-Knabenkraut, Anacamptis laxiflora × palustris = A. × intermedia

Ophrys candica und tardans

Weiter geht’s an der Küste entlang bis zum Fundgebiet der Weißglanz-Ragwurz Ophrys candica. Wir beginnen die Suche in einem Olivenhain, der offensichtlich recht intensiv genutzt wird. Das Wetter wird langsam aber sicher immer besser, immer wieder kommt auch die Sonne durch.

Der Olivenhain wird von einem Kanal durchzogen. Wir landen zunächst östlich des Kanals, die Fundkoordinate liegt westlich davon. Bald sind aber trotzdem die ersten Ophrys candica gefunden. Sie beginnt erst mit der Blüte, manche Exemplare sind noch knospig. Wir gehen über einen Steg zu anderen Seite des Kanals und finden überall im Gelände immer wieder Pflanzen in kleinen Gruppen oder einzeln. Die Vielfalt der Blüten ist wirklich beeindruckend. Eine wunderschöne Art!


Weißglanz-Ragwurz, Ophrys candica


Weißglanz-Ragwurz, Ophrys candica


Weißglanz-Ragwurz, Ophrys candica

Am Rande des Olivenhaines liegt noch ein intakter Sumpf. Auch hier kommen wieder Lockerblütiges Anacamptis laxiflora und Sumpf-Knabenkraut A. palustris mitsamt Hybriden vor. Als nächstes steueren wir das klassische Fundgebiet der Spätblühenden Wespen-Ragwurz Ophrys tardans an. Vorangegangene Exkursionen berichten über die komplizierte Erreichbarkeit des Gebietes, aber wir kommen recht gut dort hin. Schnell sind die ersten Exemplare von Ophrys tardans gefunden. Direkt vom Weg aus kann man sie sehr gut fotografieren. Inzwischen scheint wieder durchgehend die Sonne.


Spätblühende Wespen-Ragwurz, Ophrys tardans


Lockerblütiger Zungenstendel, Serapias bergonii

Barockstadt Lecce

Nach dieser schönen Exkursion statten wir der Barockstadt Lecce noch einen kurzen Besuch ab. Bei unserem Stadtrundgang besichtigen wir die Basilica San Croce, deren berühmte Fassade gerade eingerüstet ist, die Reste des Anfiteatro Romano (römisches Amphitheater), die Kirche Santa Chiara und den Dom mitsamt dem herrlichen Domplatz, Campanile und Priesterseminar. Dann geht es zurück nach Alberobello.


Lecce

Rund um Martina Franca

Der letzte Exkursionstag der Reise führt uns noch einmal in die Murge um Martina Franca. Die Gegend ist in den letzten Jahren unter Orchideenfreunden sehr populär geworden.

Hier besuchen wir einen Troja-Eichenwald, der in älteren Aufzeichnungen als sehr artenreich beschrieben wird. Doch dieser Fundort ist offensichtlich nicht mehr lohnend. Insbesondere von der einst hier vorkommenden Dactylorhiza romana fehlt hier jede Spur. Immerhin werden ein paar Dreizähnige Knabenkräuter Neotinea tridentata gefunden, die wir auf der Reise noch nicht hatten.

Dann fahren wir weiter durch das Waldgebiet Bosco delle Pianelle zu einem Standort, an dem vor einigen Jahren zum ersten Mal die Weißglanz-Ragwurz Ophrys candica gefunden wurde. Auch wir werden hier rasch fündig. Außerdem stehen in diesem Gebiet unter anderem sehr schöne Kleingezeichnete Ragwurze Ophrys parvimaculata, mehrere Ophrys-Hybriden sowie der Herz-Zungenständel Serapias cordigera. Außerdem sind hier Exemplare der Ceglie-Ragwurz Ophrys celiensis dabei, die eventuell zur neu beschriebenen subsp. ingrassiae gehören könnten. Mangels genügend vergleichbarem Bildmaterial lasse ich aber ein lieber erst einmal ein Fragezeichen dahinter stehen.


Weißglanz-Ragwurz, Ophrys candica


Weichhaariges Schwefelkörbchen, Urospermum dalechampii


Haferwurzel, Tragopogon porrifolius

Der »locus austriacus«

Wir fahren nun weiter zu einem Standort, den wir »locus austriacus« nennen, weil er uns von den beiden Österreichern sehr empfohlen wurde. Und dieser Standort ist ein absolutes Highlight ganz zum Schluss der Reise. Wir finden tatsächlich die angekündigten Unmengen von Orchideen – insbesondere die Bestände der Apulischen Ophrys apulica, Ceglie- O. celiensis, Kleingezeichneten O. parvimaculata und Tarenter Ragwurz O. tarentina sind beeindruckend. Der einzige Wermutstropfen sind die vielen stark beschädigten Blüten, die beim Gewitter vor zwei Tagen sehr gelitten haben. Bei ganz vielen Ophrys-Blüten sind die Anhängsel abgeschlagen.

Auch eine weitere, relativ spät blühende Art aus dem fusca-Formenkreis kommt an diesem Standort neu hinzu, nämlich Ophrys calocaerina. Dazu haben wir auch hier wieder die Weißglanz-Ragwurz Ophrys candica gefunden, außerdem nochmals Dreizähniges Knabenkraut Neotinea tridentata, sehr schöne Herz-Zungenständel Serapias cordigera und fast blühende Wohlriechende Wanzen-Knabenkräuter Anacamptis fragrans.


Herz-Zungenstendel, Serapias cordigera


Braune Ragwurz, Ophrys calocaerina

Zum Abschluss des Tages besuchen wir noch einmal den Standort, an dem wir unsere Exkursion wegen des Gewitters abbrechen mussten. Hier suchen wir noch einmal die gelblippigen Zungenständel Serapias lingua, die beim ersten Besuch wegen des Gewitters nicht fotografiert werden konnten. Am letzten Abend stoßen wir auf die erlebnisreiche und gelungene Reise an.


Echter Zungenstendel, Serapias lingua, mit gelblicher Lippe


Eine Ophrys zum Rätseln

Der Rückreisetag ist sehr kühl und bewölkt. Aber das spielt jetzt ja keine Rolle mehr, da für eine Exkursion keine Zeit mehr ist. An der Tangente von Bari ist etwas Stau, aber wir haben genügend Zeit eingeplant. Am Flughafen verabschieden wir uns vom Busfahrer und reihen uns am Gate ein. Es geht erst sehr schleppend voran, da es offenbar Probleme mit dem Computersystem gibt. Aber wir kommen dennoch problemlos und rechtzeitig zum Boarding. Der Flieger startet nur wenig später als planmäßig. Bei der Landung in München stehen wir nahe beim Flieger des FC Bayern, der am Vorabend von Real Madrid (und den Schiedsrichtern) böse die Lederhosen versohlt bekommen hat. Am späten Nachmittag erreichen wir Frankfurt und treten mit vielen schönen Eindrücken und Erlebnissen die Heimfahrt an.

Marco Klüber hat diese Reise 2017 für DUMA Naturreisen als Reiseleiter unternommen.

Artenliste Orchideen

Anacamptis collina, Hügel-Knabenkraut
Anacamptis fragrans, Wohlriechendes Wanzen-Knabenkraut
Anacamptis laxiflora, Lockeblütiges Knabenkraut
Anacamptis morio, Kleines Knabenkraut
Anacamptis palustris, Sumpf-Knabenkraut
Anacamptis papilionacea, Schmetterlings-Knabenkraut
Anacamptis picta, Kleines Knabenkraut
Anacamptis pyramidalis, Pyramiden-Orchis
Dactylorhiza romana, Römische Fingerwurz
Dactylorhiza saccifera, Langährige Fingerwurz
Dactylorhiza sambucina, Holunder-Fingerwurz
Himantoglossum hircinum, Bocks-Riemenzunge
Himantoglossum robertianum, Riesen-Knabenkraut
Limodorum abortivum, Violetter Dingel
Neotinea lactea, Milchweißes Knabenkraut
Neotinea maculata, Gefleckte Waldwurz
Neotinea tridentata, Dreizähniges Knabenkraut
Neotinea ustulata, Brand-Knabenkraut
Ophrys apifera, Bienen-Ragwurz
Ophrys apulica, Apulische Ragwurz
Ophrys archipelagi, Adriatische Ragwurz
Ophrys bertoloniiformis, Bertoloni-ähnliche Ragwurz
Ophrys bilunulata, Doppelhalbmond-Ragwurz
Ophrys biscutella, Brillen-Ragwurz
Ophrys bombyliflora, Drohnen-Ragwurz
Ophrys brutia, Brutia-Ragwurz
Ophrys calocaerina, Braune Ragwurz
Ophrys candica, Weißglanz-Ragwurz
Ophrys classica, Küsten-Ragwurz
Ophrys corsica, Korsische Ragwurz
Ophrys eleonorae, Eleonore-Ragwurz
Ophrys forestieri, Braune Ragwurz
Ophrys funerea, Zypressen-Ragwurz
Ophrys garganica, Gargano-Ragwurz
Ophrys gravinensis, Gravina-Ragwurz
Ophrys incubacea, Schwarze Ragwurz
Ophrys lutea, Gelbe Ragwurz
Ophrys minipassionis, Kleine Oster-Ragwurz
Ophrys oestrifera subsp. montis-garganis, Gehörnte Ragwurz
Ophrys oxyrrhynchos subsp. celiensis, Ceglie-Ragwurz
Ophrys parvimaculata, Kleingezeichnete Ragwurz
Ophrys promontorii, Vorgebirgs-Ragwurz
Ophrys pseudomelena, Dunkle Gelbe Ragwurz
Ophrys romolinii, Romolinis Ragwurz
Ophrys sicula, Kleine Gelbe Ragwurz
Ophrys sipontensis, Siponto-Ragwurz
Ophrys speculum, Spiegel-Ragwurz
Ophrys tardans, Spätblühende Ragwurz
Ophrys tarentina, Tarentinische Ragwurz
Ophrys tenthredinifera subsp. neglecta, Übersehene Wespen-Ragwurz
Orchis anthropophora, Ohnsporn
Orchis italica, Italienisches Knabenkraut
Orchis pauciflora, Wenigblütiges Knabenkraut
Orchis purpurea, Purpur-Knabenkraut
Orchis quadripunctata, Vierpunkt-Knabenkraut
Platanthera chlorantha, Grünliche Waldhyazinthe
Serapias apulica, Apulischer Zungenstendel
Serapias bergonii, Bergons Zungenstendel
Serapias cordigera, Herzförmiger Zungenstendel
Serapias lingua, Einschwieliger Zungenstendel
Serapias parviflora, Kleinblütiger Zungenstendel
Serapias politisii, Politis‘ Zungenstendel
Serapias vomeracea, Pflugschar-Zungenstendel

Orchideenhybriden:
Anacamptis laxiflora × Anacamptis palustris
Anacamptis morio × Anacamptis papilionacea
Anacamptis papilionacea × Anacamptis picta
Dactylorhiza romana × sambucina
Ophrys apifera × Ophrys parvimaculata
Ophrys apulica × Ophrys celiensis
Ophrys apulica × Ophrys parvimaculata
Ophrys celiensis × Ophrys parvimaculata
Ophrys conradiae × Ophrys neglecta
Ophrys conradiae × Ophrys parvimaculata
Ophrys bertoloniiformis × Ophrys archipelagi
Ophrys bertoloniiformis × Ophrys garganica
Ophrys bertoloniiformis × Ophrys neglecta
Ophrys biscutella × Ophrys promontorii
Ophrys candica × Ophrys conradiae
Ophrys candica × Ophrys parvimaculata
Ophrys garganica × Ophrys neglecta
Ophrys garganica × Ophrys promontorii
Ophrys incubacea × Ophrys romolinii
Ophrys incubacea × Ophrys sipontensis
Ophrys neglecta × Ophrys parvimaculata
Ophrys parvimaculata × Ophrys romolinii
Ophrys romolinii × Ophrys tarentina
Serapias apulica × Serapias cordigera

Bilder der Reise auf flickr

eine Auswahl von Fotos der Reise
alle Fotos in einem Album

Teil 1 Anreise
Teil 2 Mattinata
Teil 3 Siponto
Teil 4 San Giovanni Rotondo, Borgo Celano
Teil 5 Monte Sacro
Teil 6 Monte Sant’Angelo, Foresta Umbra
Teil 7 Gargano-Ostküste und Hochplateau
Teil 8 Castel del Monte, Gravina di Puglia
Teil 9 Anreise
Teil 10 Dune Costiere, Alberobello
Teil 11 Martina Franca
Teil 12 Lecce, Salento
Teil 13 Martina Franca

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