Drei Herbsttouren in Tirol

3Herbsttouren in Tirol, drei familientaugliche Zweitausender, drei besonders schöne Aussichtsgipfel: Säuling, Falscher Kogel und Krinnenspitze. Der Säuling als Wächter am Alpenrand, mit Blick über das Vorland und das Lechtal. Der Falsche Kogel am Hahntennjoch als Sonnenuntergangs-Warte mit grandiosem Blick weit in die Zentralalpen, und die Krinnenspitze als Logenplatz direkt gegenüber den Tannheimer Südwänden.

Säuling

Ende September – eine Bergtour von Pflach auf den Säuling, mit Übernachtung auf dem Säulinghaus. Durch die frühherbstlichen Bergwälder führt ein Steig zum gemütlichen, 1720 hoch gelegenen Säulinghaus. Die Wege sind im unteren Teil gesäumt vom Drüsigen Springkraut, einer sehr auffälligen, aber invasiven (und in der EU unerwünschten) Pflanzenart, weiter im oben dagegen leuchtet am Wegrand das herrliche Blau einer einheimischen Art, des Schwalbenwurz-Enzians Gentiana asclepiadea. Und kurz vor der Hütte können wir eine Gams aus der Nähe betrachten.


Schwalbenwurz-Enzian, Gentiana asclepiadea


Sonnenuntergang am Säulinghaus: Sebenspitze 1937m, Einstein 1866m, Vilser Kegel 1831m, Brentenjoch 2001m und Aggenstein 1985m


Alpenglühen am Säulingspitz, 2048m


Die Tannheimer Alpen im Morgenlicht, gesehen vom Säulinghaus: Gehrenspitze 2163 m, Köllenspitze oder Kellespitze 2238m, Gimpel 2176m und Schartschrofen 1968m; ganz links schauen Hochvogel 2592m und Leilachspitze 2274m heraus

Auf der Hütte gibt’s ein gutes Abendessen und einen Spieleabend mit den Kindern. Am nächsten Morgen starten wir nach dem Frühstück in Richtung Gipfel. Der Steig ist für Geübte unproblematisch, für Neulinge und Kinder nicht ganz ohne – und da wir zwei Väter mit insgesamt fünf Kindern im Schlepptau unterwegs sind, seilen wir uns sicherheitshalber an. Aufgrund des schönen Wetters sind sehr viele Wanderer unterwegs, und an einigen Engstellen des Steigs halten wir ziemlich den Betrieb auf. Doch ausnahmslos alle Wanderer, die uns begegnen, sind sehr freundlich und freuen sich, dass die Kinder mit Freude am Berg unterwegs sind.

Über ein paar gesichterte Passagen geht es durch die steile Felsflanke hinauf. Auf der Säulingswiese pausieren wir, von dort ist es dann nur noch ein kurzes Stück über Schrofengelände hinauf zum Gipfelkreuz. Imponierend ist der Kontrast des flachen Alpenvorlandes und der schroffen Alpenberge von den Allgäuern bis hinüber zur Zugspitze. Tief unter uns liegt das Schloss Neuschwanstein.

Beim Abstieg rasten wir nochmals auf der Hütte und steigen dann auf dem etwas weniger steilen Forstweg ab. Fazit: eine ideale Tour, um Kinder auf den Geschmack zu bringen. Nicht zu viel, nicht zu wenig – und mit einer Prise Abenteuer, wobei die Sicherheit nicht vernachlässigt werden sollte.


Kartenausschnitt Säuling

Lechtal

Ende Oktober, einen Monat später – ein Wochenende mit Jan im Lechtal. Der herrlich türkise Lech gilt als einer der letzten Wildflüsse der Nordalpen. Mit seinen mäandernd verflochtenen Flussarmen, dem Lechzopf, ist er ein Natureerlebnis für sich. Gerade jetzt im Herbst, im Kontrast zu den bunt gefäbten Bergwäldern.


Herbst am Lech


Früh morgens am Lech

Falscher Kogel

Für eine Sonnenuntergangstour haben wir uns den Falschen Kogel ausgeguckt – einen hübschen Gipfel, der nicht allzu weit entfernt ist vom Hahntennjoch und außerdem einen unschwierigen Rückweg zum Startpunkt bietet. Seinen Namen hat er wohl wegen seiner zweideutigen Gestalt: während die Südseite wie ein typischer Graskogel aussieht, erscheint er von Norden als schroffer Felszacken. Entsprechend heißt es auch »aufgepasst« am Gipfelgrat, wenn auch der Steig technisch unschwierig ist.

Am Spätnachmittag fahren wir hinauf zum Hahntennjoch. Der Parkplatz ist noch gut gefüllt. Von hier aus führt der Weg zunächst in gemächlicher Steigung am Hang entlang, und dann etwas steiler hinauf ins Steinjöchl. Von hier blicken wir auf die Namloser Wetterspitze und sehen den Falschen Kogel in seinem charakteristischen Profil mit Gras- und Felsflanke. Bald sind wir auf dem ungesicherten, nur stellenweise exponierten Steig am Gipfel angekommen und genießen die herrliche Aussicht, die Windstille und die Spätherbstsonne.


hinauf zum Falschen Kogel – Foto: Jan Gensler


auf dem Gipfel des Falschen Kogels, 2388m – Foto: Jan Gensler


alpine Geometrien


Blick vom Falschen Kogel 2388m zu den Dreitausendern der Stubaier Alpen: Strahlkogel 3288m, Breiter Grieskogel 3287m, Schrankogel 3497m, Wilder Freiger 3418m, Wilder Pfaff 3456m, Zuckerhütl 3505m und Pfaffenschneid 3498m


der Schatten des Falschen Kogels 2388m zeichnet sich auf dem Maldongrat 2544m ab


das Kreuz am Steinjöchl mit dem Falschen Kogel

Langsam sinkt die Sonne in Richtung Horizont. Langsam ändert sich die Lichtfarbe und die Stimmung. Wir sind die ganze Zeit allein hier oben; unten auf der Straße brausen Motorräder und Autos vorüber, und gegenüber am Hand des Maldongrates sind anscheinend zwei Wanderer auf die gleiche Idee wie wir gekommen. Die schon tief stehende Sonne wirft den Schatten des Falschen Kogels auf den rot angeleuchteten Maldongrat. Quasi ein »falscher Falscher Kogel« – also nach den Gesetzen der Mathematik der Richtige Kogel!

Auf unserem Rückweg wird es rasch dunnkel, im Licht der Stirnlampen erreichen wir das Hahntennjoch. Aber aufgrund der Jahreszeit ist es immer noch früh genug, so dass wir im Lechtal gemütlich einkehren können und den Abend ausklingen lassen.


Kartenausschnitt Falscher Kogel

Krinnenspitze

Für den nächsten Tag haben wir noch kein festes Ziel. Beim Frühstück beraten wir: vielleicht auf den Einstein? Aber auf der Fahrt durchs Lechtal fällt uns die Südflanke der Krinnenspitze auf. Das ist sicherlich eine schöne Herbsttour, viel besser gangbar als in der Sommerhitze. Und der Gipfel müsste ja eine hervorragende Sicht auf die Tannheimer Berge bieten. Also – gesagt, getan. Wir parken unser Auto auf einer privaten Parkfläche in Rauth (Bezahlung auf Spendenbasis) und gehen den Enziansteig empor.

Erst durch den herbstlichen Laubwald, dann durch die Nadelbaumzone, und schließlich kommen wir auf den weiten Almenflächen heraus. Der Blick südwärts weitet sich schon. Aber das Beste kommt ganz oben: Der herrliche Blick auf die direkt gegenüber aufragenden, sehr nah wirkenden Tannheimer Südwände. So rasten wir hier lange, stapfen gemütlich wieder die 1000 Höhenmeter hinab und machen uns nach insgesamt drei herrlichen herbstlichen Gipfeltouren wieder auf den Heimweg.


Blick von der Krinnenspitze zum Wetterstein mit der Zugspitze


Die Südwände der Tannheimer Berge: Rote Flüh 2108m, Gimpel 2173m, Kellespitze 2238m und Gehrenspitze 2163m


Kartenausschnitt Krinnenspitze

Bilder der Touren auf flickr

alle Fotos in einem Album

Teil 1 Säuling
Teil 2 Lechtal
Teil 3 Falscher Kogel
Teil 4 Krinnenspitze

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2 Kommentare

  1. Danke für die angenehme Ablenkung….Mal kurz Corona vergessen. Klar tolle Fotos…wenn ich da an meine Handyfotos denke oje. Im Tannheimer Tal waren wir mehrfach… bin froh, daß wir heil v. Aggenstein runtergekommen sind. Schöne Saison.

    Antwort von Marco:
    Ebenso vielen Dank! Ja, man muss in diesen Zeiten doch ein wenig in Erinnerungen schwelgen. Schön, wenn es da auch einiges gibt! Alles Gute… Marco

  2. Hallihallo! Eben habe ich die Zusammenfassung deiner Erlebnisse noch einmal nachvollziehen dürfen. Obwohl dies schon fünf Monate her ist, kommt es mir noch so frisch vor.
    Auf dass es nur frische, gemeinsame Erlebnisse in meinem Hirn geben möge!
    Bis bald in Deutschland oder anderswo auf Reisen!!!
    Jan

    Antwort von Marco:
    Danke, Jan. Wenn es wieder geht, dann lüften wir das Oberstübchen mit Alpenluft durch!
    Marco

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