Orchideen in der Rhön:
Breitblättrige Fingerwurz
Dactylorhiza majalis

In Kleinseggenrieden, Quellmulden und feuchten Wiesensenken auf der Hohen Rhön ist die Breitblättrige Fingerwurz noch häufig anzutreffen. Hier wächst sie in kleinen, lockeren Gruppen zwischen Wollgras, Trollblume, Wald-Läusekraut, Bach-Nelkenwurz und Moorklee.

Für den Naturfreund, der Ende Mai auf den Hochrhönwiesen unterwegs ist, mag sie zu den eher gewöhnlichen Pflanzenarten zählen. Doch der Eindruck täuscht.

Die Breitblättrige Fingerwurz

Die Breitblättrige Fingerwurz gehört zu den heimischen Orchideen, die am stärksten zurückgegangen sind. Gerade in tieferen Lagen ist sie aus vielen Bachtälern und nassen Talwiesen verschwunden. Dabei war sie noch vor wenigen Jahrzehnten eine der häufigsten heimischen Orchideen, doch in Folge von Drainage und Trockenlegung vieler Standorte gingen die Bestände rasch zurück. Und dieser Trend hält unvermindert an. Deshalb wird es in den Roten Listen bereits als gefährdet oder sogar stark gefährdet eingestuft. In der Rhön ist die Breitblättrige Fingerwurz häufiger in den zentralen Gebieten anzu­treffen, wo es quellige Böden über Kalk und Basalt bevorzugt.

Seltener ist diese Art in den nordwestlichen Buntsandsteingebieten und in den trockeneren Gebieten der östlichen Rhön sowie am Rande der Fränkischen Muschelkalkplatte. In seinem Verbreitungsgebiet, das sich über nahezu alle Gebiete Europas erstreckt, tritt das Breitblättrige Knabenkraut in allerlei Unterarten, Varietäten und Lokalsippen auf: ein Hinweis auf die vermutlich hybridogene Abstammung der Art.

In unserer Region präsentiert sich das Breitblättrige Fingerwurz recht einheitlich. Dabei sorgen ungefleckte Blätter gelegentlich für Verwirrung bei Naturfreunden. So kommt es zu Verwechslungen mit der Fleischroten Fingerwurz oder zu Vermutungen, dass es sich um Hybriden handle. Doch eine fehlende Blattfleckung ist bei dieser Art völlig normal. Von ganz fleckenlosen Blättern bis hin zu einem Fleckenanteil von über 50% gibt es alle Übergänge. Von Kümpel wurde auch die subsp. brevifolia für die Rhön angegeben; dieses Taxon findet inzwischen jedoch kaum noch Beachtung. Gelegentlich kommt es bei dieser Art zu charakteristischen lokalen Merkmalsausprägungen. So wachsen beispielsweise im Bergwinkel ganze Populationen mit sehr kräftig violetter, kontrastreicher Lippenzeichnung.

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Dactylorhiza majalis (Rchb.) P.F.Hunt & Summerh. 1965

Gebräuchliche Synonyme:
Dactylorhiza fistulosa H.Baumann & Künkele 1983, nom. illeg.

Deutsche Namen:
Breitblättrige Fingerwurz, Breitblättriges Knabenkraut, Breitblättriges Fingerknabenkraut

Kurzbeschreibung

Kräftige, stämmige Pflanze, Wuchshöhe 10-60 cm. Gefingerte Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. Blühbeginn bereits beim Austrieb, die Pflanze streckt sich während der Blüte. 3 bis 7 am Stängel verteilte breite Laubblätter, oberseits kräftig gepunktet oder auch ungefleckt. Dichte Blütenähre, bis 35-blütig. Die Tragblätter überragen die lebhaft purpurroten Blüten. Blütengröße 10-12 mm. Seitliche Sepalen aufgerichtet, mittleres mit den Petalen einen Helm bildend. Lippe dreilappig, breiter als lang und gewöhnlich nur im Mittelteil gezeichnet. Sporn kegelförmig-zylindrisch, schräg abwärts gerichtet, nektarlos. Bestäubung durch Bienen, insbesondere Hummeln.
Blütezeit in der Rhön und in Mainfranken: (Ende April-) Anfang Mai bis Mitte Juni, je nach Höhenlage.

Vorkommen und Standort

In der Rhön früher allgemein verbreitet, inzwischen aber rasch seltener werdend. In den höheren Lagen noch etwas häufiger anzutreffen.
Standorte: Nasswiesen, Sümpfe, Quell-und Flachmoore, vorzugsweise auf basischen Böden, aber auch auf Silikatböden. Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 180 m bis 950 m.
Gesamtverbreitung: Gesamtes Europa. Diese Art gilt als Sammelart hybridogener Sippen, ihr Verbreitungsareal ist daher am Rand gewissermaßen »unscharf«.

Hybriden

In der Rhön verhältnismäßig häufig sind Hybriden mit Fuchs‘ Fingerwurz, Dactylorhiza × braunii, die in gemeinsamen Beständen regelmäßig zu finden sind und gelegentlich die Oberhand gegenüber den Elternarten gewinnen .

Im südlichen Kreuzberg-Gebiet ist eine Lokalsippe heimisch, die sich morphologisch deutlich von der »normalen« Dactylorhiza majalis unterscheidet, dabei aber relativ uniform auftritt. Deren Pflanzen unterscheiden sich durch eine etwas spätere Blütezeit, einen durchschnittlich viel kräftigeren Wuchs, meist ungefleckte Blätter und hellrosa gefärbte Blüten. Vermutlich handelt es sich hierbei um eine stabilisierte Hybridsippe, die sich aus der Hybride mit dem Fleischroten Knabenkraut sowie Rückkreuzungen mit dem Breitblättrigen Knabenkraut entwickelt hat. Tatsächlich gibt es alte Fundangaben des Fleischroten Knabenkrautes aus diesem Gebiet. Die Hybride beider Arten, Dactylorhiza × aschersoniana, wurde am gemeinsamen Vorkommen am südlichen Gebietsrand und im Werratal beobachtet.

Bildersammlung auf flickr

Dactylorhiza majalis

Mehr zu dieser Art

» de.wikipedia.org | Breitblättriges Knabenkraut
» AHO-Bayern e.V. | Dactylorhiza majalis

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