Orchideen in der Rhön:
Mücken-Händelwurz
Gymnadenia conopsea

Schlanke, rosarote Blütenkerzen schmücken die sommerlichen Bergwiesen und Halbtrockenrasen der Rhön: es ist die Mücken-Händelwurz, eine der häufigsten Orchideenarten unseres Gebietes. Auch im lichten Nadelwald und auf sumpfigem Terrain kommt sie öfters vor.

Zwar ist sie hauptsächlich in den Muschelkalkgebieten der Rhön verbreitet, doch kommt sie auch an den Basaltbergen vor. Nur in den waldreichen Buntsandsteingebieten der Südrhön und der nördlichen Vorderrhön fehlt sie streckenweise. Allerdings darf die gegenwärtige Verbreitungssituation nicht über die Rückgänge hinwegtäuschen, die insbesondere durch Verbuschung und Sukzession sowie den Verlust vieler kleinerer, scheinbar unbedeutender Vorkommen entstanden sind. Auf diese Weise wird der Biotopverbund der Art schleichend schwächer.

Die Mücken-Händelwurz

Nach neuerer systematischer Auffassung gilt die Mücken-Händelwurz als Sammelart unterschiedlicher Kleinarten und Lokalsippen. Sie ist eine ausgesprochene Schmetterlingsblume. Ihre zahlreichen aber relativ kleinen Blüten tragen einen langen und dünnen Sporn, der reichlich Nektar produziert. An den Blütensaft kommen jedoch nur Schmetterlinge mit einem entsprechend langen Rüssel heran.

Beim Herumstochern im Nektargefäß berühren sie die Klebescheiben der Pollinien, die nah am Sporneingang positioniert sind. Auf den Blütenständen halten sich besonders oft Widderchen auf, aber auch Bläulinge, Weißlinge, Edelfalter, Ritterfalter, Schwärmer und Dickkopffalter besuchen die Blüten. Andere nektarsuchende Insekten werden vom Duft zwar angelockt, müssen jedoch unverrichteter Dinge wieder abfliegen. Der häufige Insektenbesuch ruft allerdings auch Beutejäger wie Krabbenspinne und Raubfliege auf den Plan.

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Gymnadenia conopsea (L.) R.Br. 1813

Gebräuchliche Synonyme:

Deutsche Namen:
Mücken-Händelwurz, Große Händelwurz, Gewöhnliche Händelwurz, Mücken-Nacktdrüse

Kurzbeschreibung

Schlanke, aber kräftige Pflanze, Wuchshöhe 15-80 cm. Gefingerte Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. 3 bis 9 schmale, linealisch-lanzettliche Laubblätter, untere rosettig, weitere am Stängel. Lange, schmale und dichte Blütenähre, bis über 100-blütig. Tragblatt etwa so lang wie der Fruchtknoten. Blütengröße 12-15 mm. Blüten klein, leuchtend rosarot, schwach bis kräftig duftend. Seitliche Sepalen abstehend, das mittlere gemeinsam mit den Petalen helmförmig zusammenneigend. Lippe breiter als lang, dreilappig, ohne Zeichnung. Mittellappen etwas länger, aber kleiner als die Seitenlappen. Sehr langer schlanker Sporn, abwärts gebogen, nektarführend, deutlich länger als der Fruchtknoten. Bestäubung durch Tagfalter.
Blütezeit in der Rhön und in Mainfranken: Anfang Juni bis Mitte Juli.


Mücken-Händelwurz mit Himmelblauem Bläuling (Polyommatus bellargus), Rhön, 08.06.2008

Vorkommen und Standort

In der Rhön in den Kalkgebieten allgemein verbreitet.
Standorte: Bergwiesen, Halbtrockenrasen, Säume, lichte Kiefernwälder; Sümpfe, Flachmoore, Feuchtwiesen. Auf nassen bis trocken-steinigen Böden. Nicht an basische Böden gebunden, auf Kalk aber am häufigsten.
Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 200 m bis 850 m.
Gesamtverbreitung: Europa, auch in polaren und mediterranen Regionen, temperates Asien bis Himalaya, Südchina, Japan.

Hybriden

Die Mücken-Händelwurz hybridisiert zwar mit den alpinen Kohlröschen und einigen Arten der Gattung Dactylorhiza, doch wurde in der Rhön bislang nur die Kreuzung mit Fuchs‘ Fingerwurz, × Dactylodenia st-quintinii, nachgewiesen. Bei der Entstehung solcher Hybriden ist die Abfolge des Blütenbesuchs von entscheidender Bedeutung, weil die Bestäubung nur funktionieren kann, wenn die Pollen der kurzspornigen Dactylorhiza zuerst und vorne am Rüssel kleben.

Bildersammlung auf flickr

Gymnadenia conopsea

Mehr zu dieser Art

» de.wikipedia.org | Mücken-Händelwurz
» AHO-Bayern e.V. | Gymnadenia conopsea

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