Orchideen in der Rhön:
Bienen-Ragwurz
Ophrys apifera

Obwohl die Bienen-Ragwurz an sich eine allogame Orchideenart ist, hat sie es geschafft, sich aus der Abhängigkeit ihres Bestäubers zu befreien. Dieser kommt im Mittelmeergebiet vor, jedoch nicht bei uns. In unseren Breiten bestäubt sich diese Orchidee selbst. Die Bienen-Ragwurz fasziniert viele Naturfreunde in ganz besonderer Weise.

Mit großem Getuschel werden ihre Fundorte ausgetauscht und in die Waagschale geworfen, um an andere Funde heran zu kommen. Kein Wunder, bei dieser Schönheit!

Die Bienen-Ragwurz

Wer bereits das Vergnügen hatte, in der Rhön einer Bienen-Ragwurz zu begegnen, darf sich glücklich schätzen. Die zahlreichen Funde in der Verbreitungskarte täuschen nämlich: allzu unregelmäßig tritt sie auf, erscheint irgendwo und verschwindet wieder auf ungewisse Zeit, vielleicht auch für immer. Nur an wenigen Stellen im Gebiet kommt die Bienen-Ragwurz in jedem Jahr zur Blüte, und auch dann in erheblichen Bestandsschwankungen.


Bienen-Ragwurz, typische Blüte. Rhön, 14.06.2009

Diese Art ist in ihrem Blühverhalten und in ihrer Standorttreue launisch wie kaum eine andere heimische Orchidee. Nicht nur das Blühverhalten dieser Art ist stark schwankend , die Bestände scheinen auch auf den Standorten »umherzuwandern«. Untersuchungen an exemplarischen Populationen haben ergeben, dass die Bienen-Ragwurz besonders sensibel auf die Witterung reagiert, vor allem aber, dass die einzelnen Pflanzen verhältnismäßig kurzlebig sind und nicht oft zur Blüte gelangen. Auch Kümpel hat dieses Phänomen untersucht und kam zu einem frappierend einfachen Ergebnis: durch die Selbstbestäubung haben die Pflanzen einen übermäßig hohen Fruchtansatz und sterben ab, weil sie sich mit der Samenbildung völlig verausgaben. Die Bienen-Ragwurz gehört zu den Arten, die in den vergangenen Jahrzehnten offenbar häufiger geworden sind, sicherlich auch aufgrund der Klimaentwicklung in letzter Zeit. Dennoch gehört sie bei uns weiterhin zu den selteneren Arten der Kalk-Halbtrockenrasen.


Ophrys apifera mit weißem Perigon. Monte Baldo/Norditalien, 27.05.2010

In der Rhön gelang der erste sichere Nachweis 1918, eventuell gehören jedoch die zweifelhaften alten Angaben der ähnlichen Hummel-Ragwurz hierher. Ade ewähnte in 1940 nur einen einzigen Wuchsort, Grossmann in 1970 bereits neun.

Inzwischen sind im gesamten Rhöngebiet zahlreiche Funde geglückt, die sich in der nördlichen Kuppenrhön, im Tal der Fränkischen Saale und im Bergwinkel häufen. Relativ selten ist die Bienen-Ragwurz dagegen im Regenschatten des Hauptkammes. 1995 war sie »Orchidee des Jahres« und bejubelte diese Auszeichnung mit ausgesprochen üppiger Blütenpracht. Auch 1999 und 2001 waren in der Rhön gute »Bienenjahre«, 2002, 2005, 2008 und 2009 brachten durchschnittliche Blüherfolge, in 2006 war nahezu ein Ausfall zu verzeichnen. Im südlichen Rhöngebiet und im angrenzenden Mainfranken stellte dann das Jahr 2016 alles bisher dagewesene in den Schatten!

Von den zahlreichen Formen dieser Art sind auch in der Rhön einige bekannt geworden: »aurita«, »friburgensis« , »flavescens« und eine »bicolor«-ähnliche Form. In Mainfranken zusätzlich auch »bicolor« und »trollii«.


Ophrys apifera var. bicolor, Mainfranken, 09.06.2016

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Ophrys apifera Huds. 1762

Deutscher Name:
Bienen-Ragwurz

Kurzbeschreibung

Schlanke Pflanze, Wuchshöhe 15-50 cm. Runde Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. Blätter hellgrün, zarter als die der anderen Ophrys-Arten. 2 bis 4 Rosettenblätter, am Stängel kleinere Blätter. Blütenstand sehr locker, etwa 3- bis 9-blütig. Tragblätter lanzettlich-zugespitzt, etwa so lang wie Blüten. Blütengröße 20-28 mm. Sepalen eiförmig-lanzettlich, meist lebhaft rosa. Petalen länglich bis dreieckig, klein, meist rosa. Lippe bräunlich, tief dreilappig. Seitenlappen dicht pelzig behaart, höckerförmig und zurückgeschlagen. Mittellappen stark gewölbt mit weinrotem bis hellbraunem Basalfeld und lebhaft gezeichnetem Mal. Anhängsel rückwärts gerichtet. Säulchen groß, weit vorgestreckt, geschnäbelt. Fakultativ autogam; da in Mitteleuropa kein Bestäubungsinsekt vorkommt, bestäuben sich die Blüten selbst, indem sich die Pollinien zur Narbe krümmen. Blütezeit in der Rhön und in Mainfranken: Ende Mai bis Ende Juni.

Vorkommen und Standort

In der Rhön zerstreut in den Kalkgebieten, nur in Tallagen, derzeit häufiger werdend.
Standorte: Kalk-Halbtrockenrasen, Säume, lichte Wälder. Auf mäßig trockenen bis wechselfeuchten kalkreichen Böden. Ziemlich wärmeliebend.
Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 200 m bis 600 m.
Gesamtverbreitung: Mediterranëis, nordwestlich bis Irland, ostwärts bis Krim und Nordpersien.

Hybriden

Ophrys apifera × Ophrys insectifera | Ophrys × pietzschii Kümpel ex F.J.Rumsey & H.J.Crouch 1971, Bienen-Ragwurz × Fliegen-Ragwurz. Diese in der Rhön mehrfach gefundenen Hybriden wurden sicherlich künstlich erzeugt.

Mehr zu dieser Art

» flickr.com | Ophrys apifera – alle Fotos von M. Klüber
» de.wikipedia.org | Bienen-Ragwurz
» AHO-Bayern e.V. | Ophrys apifera

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