Orchideen in der Rhön:
Kleine Spinnen-Ragwurz
Ophrys araneola

Die Kleine Spinnen-Ragwurz kommt von Nordspanien über Süd-und Zentralfrankreich und die Schweiz bis nach Südwestdeutschland hinein vor. Im Maintal zwischen Würzburg und Karlstadt hat sie ein prägnantes Teilerbreitungsgebiet, das Rhöner Vorkommen stellt einen nach Nordosten vorgelagerten Außenposten dieses Areals dar. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse blüht die Art im Maintal etwa eine Woche früher als am Rand der Rhön.

Mit dem Blassen Knabenkraut wetteifert sie alljährlich um die ersten Orchideenblüten des Jahres. Ihre kleinen Blüten mit den gelbrandigen Lippen öffnen sich etwa Mitte April. Bestäubt wird sie von einer Sandbiene der Gattung Andrena, deren Männchen überwiegend Anfang Mai schlüpfen. Die Orchidee lockt also vorwitzige Bienenmännchen an, die verfrüht nach Weibchen suchen.

Die Kleine Spinnen-Ragwurz

Im Gebiet der Rhön hat die Kleine Spinnen-Ragwurz ein relativ stabiles Vorkommen im Bereich des Fränkischen Saaletals, das seit über sieben Jahrzehnten belegt ist. Vor einigen Jahren hat der Arbeitskreis Heimische Orchideen die Hauptfläche des Vorkommens erworben und pflegt sie. Der Bestand der Art schwankt hier zwischen wenigen und bis zu 80 blühenden Pflanzen pro Jahr. Außer diesem wurden nur wenige weitere Funde im Gebiet bekannt. Die Art ist im Gebiet der Rhön nach wie vor vom Aussterben bedroht. Auch Hybriden der Kleinen Spinnen-Ragwurz wurden in der Rhön nachgewiesen.


Pflanzengruppe im Morgenlicht; Maintal bei Würzburg, 20.04.2016

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Ophrys araneola Rchb. 1831

Gebräuchliche Synonyme:
Ophrys sphegodes subsp. araneola (Rchb.) M.Laínz 1983
Ophrys sphegodes subsp. litigiosa (E.G.Camus) Bech. 1925

Deutscher Name:
Kleine Spinnen-Ragwurz

Kurzbeschreibung

Kräftige Pflanze, Wuchshöhe 12-35 cm. Runde Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. 3 bis 5 derbe, blaugrüne, rosettig genäherte Grundblätter. Scheidenblätter am Stängel. Blütenstand lockerblütig, 2- bis 12-blütig. Tragblätter lanzettlich­zugespitzt, etwa so lang wie die Blüten. Blütengröße 12-17 mm. Sepalen länglich-eiförmig oder annähernd dreieckig, hellgrün. Petalen annähernd rechteckig, gelbgrün und am Rand oft gewellt. Lippe rundlich, schwach gewölbt, selten gehöckert, meist ohne Anhängsel. Grundfarbe schwarz­braun oder dunkel rotbraun, am Rand hell zottig behaart. Mal H-förmig, grauviolett-stahlblau, Basalfeld schwarzbraun. Charakteristischer, mehr oder weniger breiter gelber Lippenrand. Säulchen kurz geschnäbelt. Bestäubung durch eine Sandbienenart der Gattung Andrena.

Blütezeit in der Rhön und in Mainfranken: April, je nach Witterungsverlauf eher am Anfang oder am Ende des Monats. Vorwitzige Pflänzchen wurden auch schon im März blühend gefunden, gelegentlich zieht sich die Blütezeit auch bis in den Mai hinein.


Größenvergleich mit Marienkäfer; Bad Kissingen, Rhön, 23.04.2005


Standort im Maintal bei Würzburg, 29.04.2016

Vorkommen und Standort

Standorte in der Rhön und Mainfranken: Halbtrockenrasen, lichte Kiefernwälder, aufgelassene Weinberge auf kalkhaltigen, trockenen bis mäßig frischen Böden; nur in den mildesten Lagen.

Hybriden

Ophrys araneola × Ophrys insectifera | Ophrys × apicula J. C. Schmidt 1851
Kleine Spinnen-Ragwurz × Fliegen-Ragwurz. Gelegentlich an gemeinsamen Standorten auftretend. In der Rhön sehr selten, in Mainfranken öfters.

Ophrys araneola × Ophrys sphegodes | Ophrys × jeanpertii E. G. Camus 1891
Kleine Spinnen-Ragwurz × Große Spinnen-Ragwurz. Schwer abzugrenzen, an gemeinsamen Standorten sind Übergangsformen fast immer zu finden.

Mehr zu dieser Art

» flickr.com | Ophrys araneola – alle Fotos von M. Klüber
» de.wikipedia.org | Kleine Spinnen-Ragwurz
» AHO-Bayern e.V. | Ophrys araneola

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