Orchideen in der Rhön:
Manns-Knabenkraut
Orchis mascula

Das Manns-Knabenkraut ist die vielleicht typischste Orchidee der Rhön. Hier, im Zentrum ihres gesamteuropäischen Verbreitungsareals, gedeiht sie in reichen und vitalen Beständen – sofern man sie lässt. Zwar ist diese attraktive und auffällige Orchidee in ganz Deutschland verbreitet, doch ist sie in den umliegenden Regionen erheblich seltener als bei uns.

In der Rhön läutet sie den Frühling ein: ab Ende April erfreuen die prachtvollen purpurvioletten Blütenkerzen die Rhönwanderer in Wald und Flur.

Das Manns-Knabenkraut

Das Manns-Knabenkraut entfaltet seine Blütenpracht auf Kalk-Halbtrockenrasen und an felsigen Basaltkuppen, auf Hang- und Bergwiesen der höheren Lagen, an sonnigen Waldrändern, in lichten Laubwäldern und gelegentlich auch an Straßenrändern. Dabei werden Kalk- und Basaltböden deutlich bevorzugt, doch kommt die Art auch in den Buntsandsteingebieten vor.

In den mittleren und höheren Lagen der Rhön ist das Manns-Knabenkraut wesentlich häufiger als in den tiefen Lagen. Dabei wächst es in den wärmsten Regionen beziehungsweise in den Tallagen vor allem an Waldstandorten, während es mit zunehmender Höhe voll besonnte Lagen bevorzugt. Die individuenreichsten Vorkommen bilden sich in halbschattigen Bereichen aus, beispielsweise in Randbereichen von Kalk-Halbtrockenrasen oder entlang von Heckenriegeln im extensiven Grünland. Gegenüber Immissionen ist das Manns-Knabenkraut ein wenig toleranter als andere Orchideenarten, da es konkurrenzstärker als viele seiner Geschwister ist.

Restvorkommen am Rande intensiv genutzter Wiesen zeigen an, dass es sich sogar dem Tod durch Düngung eine Weile widersetzen kann. Dies soll aber nicht über die generell bestehende Gefährdung hinwegtäuschen. Denn durch die Umwandlung von Wiesen in Intensivgrünland oder Ackerland, aber auch durch Nutzungsaufgabe, Verbrachung und Verbuschung sind auch bei dieser Art bereits beträchtliche Bestandsrückgänge zu verzeichnen. Dass sie auch heute noch so oft in der Rhön angetroffen werden kann, ist nur ihrer ökologischen Flexibilität zu verdanken. In jüngster Zeit wurde an mehreren Stellen leider auch wieder das Ausgraben der Knollen zur Salepgewinnung beobachtet.


Manns-Knabenkraut auf einer Hangwiese in der Kuppenrhön, 05.05.2005

Entgegen mancher Literaturangaben und Schilderungen kommt das Prächtige Knabenkraut, subsp. speciosa (Synonyme: subsp. signifera oder Orchis ovalis), offenbar nicht in der Rhön vor. Gelegentlich tauchen zwar Pflanzen auf, die dieser Unterart ähnlich sehen, solche Einzelexemplare kommen jedoch auch im Variationsbereich von subsp. mascula vor. Nach heutiger Kenntnis wird das Manns-Knabenkraut erst südlich einer Linie Bodensee­Bayerischer Wald vom Prächtigen Knabenkraut abgelöst.

Im Gegensatz zu den Hybriden sind Farbvarianten des Manns-Knabenkrautes recht oft anzutreffen, dabei sind alle Übergänge von dunklen Färbungen über hell-rosafarbene bis hin zur weiß blühenden var. alba zu beobachten.


Manns-Knabenkraut mit weißer Varietät im Nüsttal, 15.05.2005

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Orchis mascula (L.) L. 1753

Gebräuchliche Synonyme:
Androrchis mascula (L.) D.Tyteca & E.Klein 2008

Deutsche Namen:
Manns-Knabenkraut, Männliches oder Stattliches Knabenkraut, Kuckucks-Knabenkraut, in der hessischen Rhön Kuckucksblume.

Kurzbeschreibung

Kräftige, auffällige Pflanze, Wuchshöhe 15-50 cm. Runde Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. 3 bis 8 Blätter, dunkelgrün, ungefleckt oder grob dunkelbraun gefleckt, lanzett­lich bis eiförmig. 2 bis 3 scheidige Stängelblätter. Blütenähre dicht, bis 40­blütig. Tragblatt etwa so lang wie der Fruchtknoten. Blütengröße 12-20 mm. Blüten leuchtend rot bis violett. Seitliche Sepalen rück- und aufwärts gerichtet, mittleres Sepal und Petalen über das Säulchen gewölbt. Lippe rundlich, wellig ausgerandet, im vorderen Drittel dreilappig, im Zentral­bereich weiß, dunkelviolett gepunktet. Sporn keulenförmig, aufwärts gerichtet, nektarlos. Bestäubung durch Bienen, insbesondere Hummeln.
Blütezeit in der Rhön und in Mainfranken: (Mitte-) Ende April bis Anfang Juni.


Manns-Knabenkraut bei Dietershausen, 09.05.2008

Vorkommen und Standort

In der Rhön verbreitet, besonders auf Kalk und Basalt. In Berglagen eher auf Wiesen.
Standorte: Lichte Wälder, Buschwerk, Säume, Wiesen, Kalk-Halbtrockenrasen, felsige Hänge, gelegentlich auch an Straßenrändern. Auf mäßig feuchten bis trockenen, neutralen bis basischen Böden.
Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 200 m bis 950 m.
Gesamtverbreitung: Europa; von den mediterranen Gebirgen bis zum Polarkreis.

Hybriden

In der Rhön sehr selten und nur in der Meininger Gegend heimisch ist die Hybride mit dem Blassen Knabenkraut, Orchis × loreziana.

Mehr zu dieser Art

» flickr.com | Orchis mascula – alle Fotos von M. Klüber
» de.wikipedia.org | Manns-Knabenkraut
» AHO-Bayern e.V. | Orchis mascula

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