Orchideen der Rhön:
Holunder-Knabenkraut – Dactylorhiza sambucina

22. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Dactylorhiza sambucina (L.) Soó 1962
Basionym Orchis sambucina L. 1755
Synonyme Dactylorchis sambucina (L.) Verm. 1947
Orchis lutea var. subfusca Rchb.f. ?
Orchis saccata Rchb. 1830, nom. illeg.
Orchis fasciculata Tineo 1844
Orchis lutea Dulac 1867
Orchis laurentina R.Bolos ex Vayr. 1880
Orchis pseudosambucina var. fasciculata (Tineo) Nyman 1882
Orchis subfusca (Rchb.f.) Murb. 1899
Deutsche Namen Holunder-Knabenkraut, Holunder-Fingerwurz
Blütezeit Ende April – Ende Mai
Wuchshöhe 10 – 30 cm
Blütengröße 12 – 15 mm
Pflanzengesellschaften O Festuco-Sedetalia
V Violion caninae
O Origanetalia
Florenelement ostmediterran zentralmediterran submediterran pannonisch subatlantisch zentraleuropäisch sarmatisch
Rote Listen Deutschland: 2 (stark gefährdet)
Bayern: 2 (stark gefährdet)
Hessen: 0 (ausgestorben)
Thüringen: 1 (vom Aussterben bedroht)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 0% der MTBl.-4tel
verschollen: 3%
Höhenverbreitung:
von ca. 300 m bis 900 m
Gefährdung:
0 (ausgestorben)

 

 

 

 

 
Etymologie:
Dactylorhiza: von gr. δάκτυλος dactylos = Finger und ρίζα rhiza = Wurzel ; sambucina: von lat. sambucus = Holunder.

Merkmale:
Gedrungene Pflanze mit 4-6 glänzenden, ungefleckten, länglich-lanzettlichen, am Stängelgrund gedrängten Laubblättern. Blütenstand eiförmig, dicht- und reichblütig. Blüten schwach nach Holunder duftend, Lippe rundlich und nahezu ganzrandig. Die Blütenfarbe ist entweder schwefelgelb (mit feinen roten Punkten) oder dunkelrot (am Lippenansatz mit Schleifenmuster auf gelbem Grund). In den Populationen wachsen beide Formen oft nebeneinander, Übergangsfarben sind jedoch relativ selten. In den deutschen Mittelgebirgen tritt eher die gelbe Form auf, an einigen Standorten auch ausschließlich.

Standort:
Bergwiesen, Magerwiesen, im Mittelmeergebiet auch lichte Wälder. Auf wechselfeuchten frischen bis mäßig trockenen, sauren bis schwach basischen Böden.

Verbreitung und Bestandssituation:
Das Holunder-Knabenkraut ist in der Rhön schon seit langem nicht mehr nachgewiesen worden. Laut Großmann (1970) trat die Art bis noch Anfang des 20. Jahrhunderts zerstreut auf den Matten der Hohen Rhön auf. Schenk erwähnt 1860 den Reesberg als Fundort, Geheeb 1877 das Rhönhäuschen. Goldschmidt gibt 1908 auch das Streutal bei Oberstreu (auf Muschelkalk!) an. Diese wenigen Einzelfunde wurden von Ade (1940) in Zweifel gezogen; das spontane Auftreten von Einzelexemplaren auf den Bergwiesen über Basalt ist aber nicht unwahrscheinlich, wie ein Fund im Jahr 2000 auf dem Hohen Meißner zeigt. Außer diesem Vorkommen befinden sich die nächsten aktuellen Fundorte im Thüringer Wald und in den Hassbergen (hier nahezu ausgestorben).

Gefährdung:
Seit etwa 100 Jahren ist die Art in der Rhön nicht mehr bestätigt worden, sie gilt als ausgestorben, wenngleich Neu- oder Wiederfunde nicht kategorisch ausgeschlossen werden können (vgl. den erwähnten Fund auf dem Hohen Meißner in Nordhessen, Vollmar 2000).

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Holunder-Knabenkraut