Orchideen in der Rhön:
Fuchs‘ Fingerwurz
Dactylorhiza fuchsii

Der Name dieser Orchideenart ehrt den süddeutschen Mediziner Leonhard Fuchs, einen frühneuzeitlichen Wegbereiter der Botanik. Im 16. Jahrhundert gab er viel beachtete und großartig ausgestattete Kräuterbücher heraus, in denen auch Orchideen abgebildet waren. Mit Fuchs begann die Botanik populär zu werden.

Im Zusammenhang mit Fuchs‘ Fingerwurz muss zunächst einmal ein wiederkehrendes Missverständnis erklärt werden. Viele Naturfreunde wundern sich, warum die Gefleckte Fingerwurz aus der Liste der Rhöner Orchideen gestrichen wurde, obwohl sie in älteren Auflistungen auftaucht. Doch nach gegenwärtiger Kenntnis kam und kommt sie in der Rhön gar nicht vor. Die Pflanzen, die früher anhand des Mittellappens und des ersten Stängelblattes mühsam als maculata und fuchsii unterschieden wurden, gehören in unserer Region durchgehend zu Dactylorhiza fuchsii.

Denn die Gefleckte Fingerwurz im engeren Sinne ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand eine Art saurer Moore, die vor allem im atlantisch getönten Norden und Nordwesten Europas heimisch ist. Die Verbreitungssituation in Deutschland ist immer noch Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Die Fuchs‘ Fingerwurz

Fuchs‘ Fingerwurz ist dagegen in der Rhön eine weit verbreitete, relativ oft anzutreffende Orchidee. Sie kommt auf Wiesenstandorten genauso vor wie in Wäldern, Säumen und Sümpfen, und dabei ist sie auch nicht an Kalk gebunden. Kein Wunder also, dass sie zu den häufigeren Rhönorchideen gehört. Im Gegensatz zu vielen anderen heimischen Arten ist die Bestandssituation von Fuchs‘ Fingerwurz in der Rhön nicht Besorgnis erregend. Denn wie keine andere lässt sie sich auf die moderne Infrastruktur ein. Ihre Hauptvorkommen liegen gegenwärtig an Weg- und Straßenrändern, die sie stellenweise zu Tausenden säumt. Doch nicht nur Gräben an einsamen Waldwegen und Forststraßen bewohnt sie, sondern auch die Banketten viel befahrener Bundesstraßen und Autobahnen.

In den Großbeständen zeigt sich auch die farbenfrohe Vielfalt der Art. Das typische dunkel­purpurne Schleifenmuster auf weißer Lippe ist mal zarter und mal kräftiger ausgeprägt, die Lippengrundfarbe kann auch hellviolett bis kräftig rosa sein. Und natürlich gibt es auch bei dieser Art hin und wieder ganz weiß gefärbte Exemplare zu sehen. Ebenso wie bei allen Arten der Gattung Dactylorhiza sind auch bei Fuchs‘ Fingerwurz die Blüten nektarlos, der Sporn täuscht lediglich ein Nektarangebot vor. Besucht werden seine Blüten relativ unspezifisch von Hummeln, Bienen, Käfern und auch Schmetterlingen.

Aus höheren Mittelgebirgslagen oder anderen kühlen Standorten wird gelegentlich von zierlichen Ökotypen berichtet. Solche Formen sind auch schon im Umfeld der Hochrhönmoore beobachtet worden. Eine systematische Nachsuche ist hier aufgrund des Betretungsverbotes inzwischen nicht mehr möglich. An anderen potentiellen, frei zugänglichen Standorten blieb die Nachsuche bislang erfolglos.

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Dactylorhiza fuchsii (Druce) Soó 1962

Gebräuchliche Synonyme:
Dactylorhiza maculata subsp. fuchsii (Druce) Hyl. 1966

Deutsche Namen:
Fuchs’ oder Fuchssche Fingerwurz, Fuchs‘ oder Fuchssches Knabenkraut, Fuchs‘ oder Fuchssches Fingerknabenkraut

Kurzbeschreibung

Schlanke Pflanze, Wuchshöhe 20-80 cm. Gefingerte Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. 3 bis 10 Laubblätter, am Stängel verteilt, lanzettlich und meist kräftig dunkel gefleckt. Blütenstand zylindrisch, bis über 60-blütig. Blütengröße 12-15 mm. Farblich sehr variable, mehr oder weniger rosafarbene Blüten mit zart gezeichneten Lippenmustern (Schleifen, Striche, Tigermuster). Seitliche Sepalen schräg oder senkrecht aufgerichtet, mittleres mit den Petalen einen Helm bildend. Lippe tief dreilappig, Mittellappen weit vorgestreckt. Sporn zylindrisch, schief abwärts gerichtet, nektarlos. Bestäubung vor allem durch Bienen, insbesondere Hummeln.
Blütezeit in der Rhön und in Mainfranken: Je nach Höhenlage Ende Mai bis Mitte Juli.

Vorkommen und Standort

In der Rhön im gesamten Gebiet relativ häufig, auch als »Straßengrabenorchidee«.
Standorte: Feuchte und trockene Wiesen, Säume, Gebüsche, Straßengräben, auch Halbtrockenrasen, auf frischen bis mäßig trockenen, kalkreichen Böden.
Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 180 m bis 900 m.
Gesamtverbreitung: Ganz Europa, ostwärts bis nach Sibirien.

Hybriden

In der Rhön wurden zwei Hybriden gefunden: Gelegentlich ist in gemeinsamen Beständen die Hybride von Fuchs‘ und Breitblättrigen Fingerwurz, Dactylorhiza × braunii, zu finden.
Sehr selten wurden in der Rhön auch Kreuzungen mit der Mücken-Händelwurz, × Dactylodenia st-quintinii, gefunden. Zu dieser Hybride berichtet Kümpel, dass ihr Auftreten in kleineren Vorkommen beider Arten wahrscheinlicher ist als in großen, in denen die Bestäubungsinsekten mehr Auswahl an Pflanzen haben.

Bildersammlung auf flickr

Dactylorhiza fuchsii

Mehr zu dieser Art

» de.wikipedia.org | Fuchs‘ Knabenkraut
» AHO-Bayern e.V. | Dactylorhiza fuchsii

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