Orchideen der Rhön:
Weiße Waldhyazinthe – Platanthera bifolia

23. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Platanthera bifolia (L.) Rich. 1817
Basionym Orchis bifolia L. 1753
Synonyme Lysias bifolia (L.) Salisb. 1812
Habenaria bifolia (L.) R.Br. in W.T.Aiton 1813
Sieberia bifolia (L.) Spreng. 1817
Satyrium bifolium (L.) Wahlenb. 1826
Gymnadenia bifolia (L.) G.Mey. 1836
Platanthera solstitialis Boenn. ex Rchb. 1830, pro syn.
Deutsche Namen Weiße oder Zweiblättrige Waldhyazinthe, Weiße oder Zweiblättrige Kuckucksblume, Weißes oder Zweiblättriges Breitkölbchen
Blütezeit Mitte Juni – Mitte Juli
Wuchshöhe 15 – 45 cm
Blütengröße 10 – 16 mm
Pflanzengesellschaften O Fagetalia sylvaticae
V Quercion robori-petraeae
O Nardetalia
O Molinietalia
V Mesobromion
Florenelement meridional/montan submeridional temperat boreal
Rote Listen Deutschland: 3- (gefährdet)
Bayern: * (ungefährdet)
Hessen: 3 (gefährdet)
Thüringen: 3 (gefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 36% der MTBl.-4tel
verschollen: 27%
Höhenverbreitung:
von ca. 200 m bis 900 m
Gefährdung:
3 (gefährdet)

 

 

 
Etymologie:
Platanthera: von gr. πλατύς platys = breit, platt und gr. ανθέρα anthera = Staubbeutel ; bifolia: von lat. bi- = zwei, zweifach und lat. folium = Blatt.

Merkmale:
Zierliche Pflanze, in allen Dimensionen etwas kleiner als Platanthera chlorantha. Der Name Zweiblättrige Waldhyazinthe ist etwas unglücklich gewählt, weil auch P. chlorantha meist nur zwei Blätter hat. Diese sind 7-15 cm lang, oval und stehen sich am Stängelgrund gegenüber. Stängel mit 3-5 kleinen Blättern, Blüten-stand zylindrisch, reichblütig und locker. Blüten weiß mit wenig ausgeprägter Grünkomponente, stark und sehr angenehm duftend. Sepalen 8-10 mm lang; seitliche spreizend, mittleres über den etwa gleich langen Petalen stehend. Lippe zungenförmig, 8-15 mm lang, abwärts gerichtet. Staubbeutelfächer parallel zusammenstehend. Sporn fadenförmig, bis 4 cm lang, am Ende nicht flach.

Standort:
Magerwiesen, Bergwiesen, seltener Halbtrockenrasen, lichte Laub- oder Nadelwälder. Auf mäßig trockenen bis mäßig feuchten, sauren bis basischen Böden.

Verbreitung und Bestandssituation:
In der Rhön ist sie die weitaus seltenere der beiden Waldhyazinthen. Das mag auch daran liegen, dass sie ökologisch weniger variabel ist und fast ausschließlich im extensiven, schwach bodensauren Grünland vorkommt. Obwohl sie auch bei uns weit verbreitet ist – Lücken bestehen im nordwestlichen und südwestlichen Gebietsteil – sind die Vorkommen meist recht verstreut und spärlich besetzt. Daher stellt sich die Verbreitungskarte etwas zu positiv dar. Diese Art kommt im Gegensatz zur Grünlichen Waldhyazinthe auch in tieferen Lagen fast ausschließlich auf Wiesenstandorten vor. Im Gegensatz dazu bemerkt Großmann (1970), daß die Art »bevorzugt in nicht zu nährstoffarmen moosigen Kiefernwäldern auf Buntsandstein« vorkäme, was nach dem heutigen Stand der Kartierung wohl kaum zutrifft. Ausgedehnte Vorkommen bestehen vielmehr auf extensiv genutzten Wiesen mit schwach saurer Bodenreaktion am Rand der Hohen Rhön. Große Vorkommen gibt es direkt an der Autobahn A7 im Bereich Bad Brückenau. Wo sich Populationen beider Platanthera-Arten überschneiden, kann potentiell auch mit Hybriden gerechnet werden.

Gefährdung:
Das Gefährdungspotential dieser Art entspricht dem anderer Wiesenorchideen. In der Rhön ist die Weiße Waldhyazinthe potentiell gefährdet, lokal jedoch auch vom Aussterben bedroht.

Hybride:
Platanthera bifolia (L.) Rich. × Platanthera chlorantha (Custer) Rchb. (Platanthera × hybrida Brügger),
Weiße Waldhyazinthe × Grünliche Waldhyazinthe.
Sehr selten an gemeinsamen Fundorten nachgewiesen, wird sicherlich auch leicht übersehen.

Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Zweiblättrige Waldhyazinthe