Kohlröschen-Suche im Salzkammergut

Auf der Suche nach verschiedenen Arten der Orchideengattung Nigritella in den Bergen des Salzkammergutes. Unsere Ziele waren die Traweng im Toten Gebirge und der Schafberg am Wolfgangsee, zwei ausgesprochen interessante Blumenberge.

Auf der Anfahrt gab es einen interessanten Orchideenstopp im Chiemgau, anschließend ging die Fahrt nach Salzburg, wo wir einen gemütlichen Abend verbracht und über die bevorstehenden Touren geplaudert haben.

Chiemgau

Im Chiemgau waren wir einer sehr seltenen Orchideenart auf der Spur, die in Deutschland nur noch im Voralpengebiet vorkommt: die Sommer-Wendelähre, Spiranthes aestivalis. Gemeisam mit der Sumpf-Stendelwurz und weiteren Orchideenarten wächst sie in den Schilfwiesen, einer Pflegefläche des Arbeitskreises Heimische Orchideen. Obwohl wir noch ein wenig früh dran waren, hatten ein paar vorwitzige Pflanzen bereits ihre ersten Blüten offen. Wunderschön, diese zierlichen Pflänzchen im Abendlicht!


Sommer-Wendelähre, Spiranthes aestivalis

Traweng

Während die Damen mit Franz und Simon im Tiergarten Hellbrunn waren, sind wir am Samstag zu dritt (Andi, Jan und ich) ins Tote Gebirge aufgebrochen, um an der Traweng Kohlröschen zu suchen. Die Tour war einfach, und die einzige nennenswerte Schwierigkeit trat schon während der Anfahrt auf: beim Runterkurbeln der Autoscheibe verschwand diese in der Tür. Doch da Andi schonmal das gleiche Problem hatte, konnten wir es schnell wieder beheben.

Von der Alm ging dann die Wanderung durch saftige Almwiesen und vorbei an Seen zum Hangfuß des Berges. Bereits hier unten fanden wir ein paar Kohlröschen in den Wiesen, deren Zuordnung unklar ist [Nachtrag 2010: inzwischen werden sie nach der Beschreibung von W. Foelsche als Zweifarbiges Kohlröschen, Nigritella bicolor, bezeichnet].


Zweifarbiges Kohlröschen, Nigritella bicolor

Der Steilhang, über den der Aufstieg führt, ist ein richtiger »Speckfilter« (Zitat Andi), er trennt sozusagen die faulen Almtouristen von den fleißigen Bergwanderern. Oben am Gipfelplateau angekommen, wanderten wir durch Bergwiesen voller roter Farbtupfer: Nigritella rubra, das Rote Kohlröschen, stand in voller Blüte.


Rotes Kohlröschen, Nigritella rubra

Dazwischen entdeckte Jan das erste kräftig hellrosa gefärbte Exempar: Ein Erzherzog-Johann-Kohlröschen, Nigritella archiducis-joannis, eine extrem seltene und nur sehr lokal vorkommende Orchideenart.


Jan und Andi mit Erzherzog-Johann-Kohlröschen, Nigritella archiducis-joannis

Immer mehr dieser kleefarbenen Blütenköpfe sahen wir in den Wiesen. Einfach wunderschön, und ganz leicht erkennbar. Wenn man die Abbildungen in der einschlägigen Literatur so sieht, wundert man sich, wie einfach diese Art im Gelände zu identifizieren ist.


Erzherzog-Johann-Kohlröschen, Nigritella archiducis-joannis


Erzherzog-Johann-Kohlröschen, Nigritella archiducis-joannis

Bei diesen vielen Fotomotiven dauerte der Aufenthalt hier oben entsprechend lang. Wir wanderten weiter zum Westgipfel und fanden auch noch ein paar Widders Kohlröschen (Nigritella widderi) in Blüte. Wundervoll: vier verschiedene Kohlröschen auf einem Berg!


Widders Kohlröschen, Nigritella widderi

Tourenübersicht: Traweng

Schafberg

Am nächsten Tag sind wir früh aufgestanden, um eine flotte Wanderung auf den Schafberg zu machen. Zwar führt eine Zahnradbahn herauf, mit der man den hiesigen Speckfilter natürlich leicht umgehen kann, aber wir ließen uns nicht lumpen und sind von St. Wolfgang heraufgestapft. Der Weg führte uns durch schattige Bergwälder zum Mönichsee und weiter am Törlspitz vorbei. Vor einer Felsbarriere fanden wir in den Bergwiesen die ersten Kugel- und Brand-Knabenkräuter (Traunsteinera globosa und Neotinea ustulata), dazu einen Apollofalter (Parnassius apollo) an einer Berg-Distel (Carduus defloratus).


Apollofalter, Parnassius apollo

An der nächsten Passage war etwas Schwindelfreiheit gefragt: die Felsbarriere unterhalb der Spinnerin wird auf einem drahtseilgesicherten Felsband durchquert. Purtschellersteig heißt dieser Wegabschnitt, benannt nach dem berühmten Ostalpenpionier Ludwig Purtscheller (1849–1900).


Kugel-Knabenkraut, Traunsteinera globosa

Bald war die Bahntrasse erreicht, schnaufend kam eine Dampflok den Berg heraufgetackert, mit fröhlich winkenden Touristen drin. So ist das eben: die einen sind froh, dass sie nicht laufen müssen, und die anderen, dass sie nicht gefahren sind. Oben an der Bergstation haben wir den Hang nach Kohlröschen abgesucht, während an der Bergstation Bahnhofsdurchsagen in allerlei Sprachen erschallten. Schließlich wurden wir fündig und standen vor zwei Steirischen Kohlröschen. Diese Art, Nigritella stiriaca, gehört zu den seltensten Orchideen der Alpen, sie ist vom Salzkammergut bis in die Hochschwabgruppe verbreitet. Die beiden Exemplare standen noch in Hochblüte; ein großer Glücksfall, wie sich herausstellte, denn andere Orchideensucher blieben an diesem Wochenende erfolglos, weil ansonsten schon alle verblüht waren.


Steirisches Kohlröschen, Nigritella stiriaca

Nach einer ausgiebigen Rast auf der Himmelspforthütte stiegen wir über die Schafberg-Alpe wieder hinab nach St. Wolfgang, wo wir bei einer weiteren Rast erstmal die Köpfe in den Brunnentrog steckten – so heiß war es inzwischen.

Am Spätnachmittag zog dann eine bereits angekündigte Gewitterfront durch. Uns hat es nicht mehr gestört – wir saßen bereits bei Elfis leckerer Lasagne, hatten das schöne Wetter voll ausgekostet und sind mit schönen Erlebnissen und gut gefülltem Kameraspeicher heimgefahren.

Tourenübersicht: Schafberg

Bilder der Tour auf flickr

Sommer-Wendelähre in Oberbayern
Traweng
Schafberg

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7 Gedanken zu „Kohlröschen-Suche im Salzkammergut

  1. Hallo Marco!
    Sehr schöner Bericht und tolle Fotos!
    Macht Spass mittel der Fotostrecke die Wanderungen noch einmal zu erleben.
    lG Andi

  2. Hallo ihr zwei!
    Die Bilder wecken etwas Wehmut und viele schöne Erinnerungen an gemeinsame Touren mit Euch!
    Viele Grüße,
    Tanja und Stephan

  3. Schon wieder ein sehr interessanter Bericht mit fantastischen Bildern!
    … Ich wollte eigentlich nur mal kurz durch meine Feeds browsen und bin hier nun über eine Stunde hängen geblieben, von Deinen Fotos kann man sich kaum wieder losreißen. Vielen Dank, dass Du das alles online stellst! Das ist eine sehr große Freude, auf diese Art an Euren tollen Touren teilnehmen und dabei gleichzeitig viel Neues über die Pflanzen und besondere Ausflugs-/Reiseziele erfahren zu können.
    Grüße, Gabi

  4. I’m captivated by your photographs and am adding your blog feed to my reader. I hope you don’t mind that I linked to this page from my blog. I’m hoping that my readers check out your photos rather than rely on my pathetic photos of Männertreu (as they’re called in CH).
    Gruss von Villigen CH

  5. Guten Morgen lieber Marco.
    Auf meinem Dachfenster prasselt der Regen. Es ist 6 Uhr früh. In der letzten Stunde habe ich Deine Salzkammerbilder genossen. Klare und schöne Bilder. Ich Pflanzennarr konnte mich natürlich nicht sattsehen an dieser kleinen/grossen Reise. Fünf Nigritellen an einem Tag, am 6.7. kam dann noch das Schwarze Kohlröschen dazu. Unglaublich. Da hat der liebe Gott auf engstem Raum vermutlich aus einer Art deren 6 (oder mehr) weiterentwickelt. Für mich selbst steht die Schönheit dieser Geschöpfe im Vordergrund. Diese erschließt sich im Verweilen, Näherrücken, Betrachten und natürlich durch brilliante Fotos. Und dann möchte ich natürlich auch wissen wie diese Schönheiten heißen, damit ich sie später, wenn sie mir wieder über den Weg laufen mit Namen ansprechen kann.
    Oft stehe ich still dabei wenn Menschen über fantastische Konstruktionsdetails von Autos schwärmen. Ich denke dann bei mir: Ihr seid der Nigritella rubra im Salzkammergut noch nicht begegnet.
    Danke Dir für die Gastfreundschaft. Ich komme wieder, wenn ich darf.
    Einen guten Tag wünscht Dir
    Karl Hauser

  6. Hallo Marco,
    mit Begeisterung und etwas Sehnsucht nach den Bergen las ich deinen Bericht und schaute die herrlichen Bilder an…, eine wunderbare Beschreibung in Text und Bild!
    Herzl. Gruß
    Wiltrud

  7. Ach Marco, wenn ich mir das so Anschaue wächst die Sehnsucht nach dem Bergfrühling. Bis das allerdings so weit ist, sprechen wir schon fast vom Frühsommer.
    LG Daniel

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