Orchideen in der Rhön:
Wanzen-Knabenkraut
Anacamptis coriophora

Das ehemals weit verbreitete und heute in ganz Deutschland vom Aussterben bedrohte Wanzen-Knabenkraut war wohl die erste Orchideenart, die seit dem Beginn der botanischen Notizen aus unserer Gegend verschwand.

Das Wanzen-Knabenkraut

Wechselfeuchte Riedwiesen der Flusstäler boten dieser Art früher auch in unserer Gegend geeignete Lebensbedingungen: Liebleins Fund bei Fulda wurde zwar angezweifelt, doch seine Beschreibung ist eindeutig. Heller fand die Art an der Fränkischen Saale, Rottenbach im Grabfeld. Vielleicht reichten schon die Luft- und Wasserimmissionen der ersten Industrialisierungswelle im 19. Jahrhundert aus, um dieser konkurrenzschwachen Orchidee den Garaus zu machen.


Wanzen-Knabenkraut bei Nürnberg, 10.06.2009

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Anacamptis coriophora (L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase 1997

Gebräuchliche Synonyme:
Orchis coriophora L. 1753
Anteriorchis coriophora (L.) E.Klein & Strack 1989
Herorchis coriophora (L.) D.Tyteca & E.Klein 2008

Deutsche Namen:
Wanzen-Knabenkraut

Kurzbeschreibung

Zierliche Pflanze, Wuchshöhe 15-35 cm. Runde Knolle, jährlich eine Tochterknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. 4-7 schmal­lanzettliche, rosettig genäherte Laubblätter. Am Stängel einige kleine Blätter. Blütenstand reichblütig und dicht, etwa 15- bis 40-blütig. Tragblatt etwa halb so lang wie der Fruchtknoten. Blütengröße 8-12 mm. Blüten bräunlich bis granatrot, relativ klein, wanzenartig riechend. Sepalen und Petalen bilden einen geschnäbelten Helm. Lippe dreilappig, rückwärts umgebogen. Sporn kegelförmig, abwärts gerichtet, gebogen, ein wenig Nektar führend. Bestäubung durch Bienen.
Blütezeit in Süddeutschland: Juni.


Grüne Farbvariante des Wanzen-Knabenkrautes bei Nürnberg, 17.06.2006

Vorkommen und Standort

In der Rhön früher sehr selten in Flussniederungen, seit langem ausgestorben..
Standorte: Streuwiesen, Feuchtwiesen, Magerwiesen, etwas wärmeliebend. Auf relativ frischen bis feuchten und basenreichen bis schwach sauren Böden.
ehemalige Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 180 m bis 300 m.
Gesamtverbreitung: Europa, nordwärts früher bis Norddeutschland, fehlt im atlantisch getönten West- und Nordeuropa, westliches Asien.

Mehr zu dieser Art

» flickr.com | Anacamptis coriophora – alle Fotos von M. Klüber
» de.wikipedia.org | Wanzen-Knabenkraut
» AHO-Bayern e.V. | Orchis coriophora

» zur Startseite ‚Orchideen der Rhön‘
» zum Inhaltsverzeichnis
» zurück zum Beginn dieser Seite