Orchideen in der Rhön:
Dreizähniges Knabenkraut
Neotinea tridentata

MMit seinem hellen und farbenfrohen, intensiv rosaroten Blütenball gehört das Dreizähnige Knabenkraut zu den auffälligsten heimischen Orchideenarten, jedoch ist es auch gleichzeitig eine der seltensten Raritäten der Rhöner Orchideenflora.

Diese Art gehört zu den chorologisch interessantesten Vertretern unserer heimischen Pflanzenwelt: Das Hauptareal dieser mediterranen Orchidee stößt nordwärts hart an den Alpensüdrand, dennoch besiedelt sie im klimatisch völlig andersartigen Mitteldeutschland ein Teilareal weitab vom Hauptvorkommen, das wiederum streng auf Nordhessen, Ostwestfalen, Südniedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschränkt ist. Davon nochmals abgesetzt befinden sich einige Fundorte im Odertal.

Das Dreizähnige Knabenkraut

In Deutschland gilt sie als Leitart des Zechsteins. Über diese pflanzengeographische Besonderheit wird seit langem gerätselt. Möglich wäre, dass die Art während einer postglazialen Warmzeit nach Deutschland eingewandert ist und infolge späterer Klimaverschlechterung vom Hauptverbreitungsgebiet isoliert wurde.

Denkbar ist aber auch eine genetische Introgression des nah verwandten Brand-Knabenkrautes; diese Hypothese wird durch die im Vergleich zu mediterranen Pflanzen insgesamt intensivere Färbung der Blüten mitteldeutscher Pflanzen gestützt, die durch den bei hybridogenen Populationen oft auftretenden Heterosis­Effekt zustande gekommen sein könnte. Molekulargenetische Untersuchungen liegen dazu bislang allerdings noch nicht vor. Der Vegetationszyklus dieser Art ist typisch für Orchideen mediterranen Ursprungs: Aus der im Frühling neu gebildeten Knolle treibt im Herbst eine überwinternde Blattrosette aus. Ausreichend starke Pflanzen blühen dann von Ende April bis Mitte Mai. In der Rhön ist das Dreizähnige Knabenkraut aktuell nur von wenigen Funden im thüringischen und hessischen Gebietsteil bekannt. Hier, am Südwestrand des mitteldeutschen Teilareals, hat es nur vereinzelte, temporäre Vorkommen.

Auch die früher aus der Rhön bekannt gewordenen Fundorte liegen überwiegend am Rande des hessisch-thüringischen Verbreitungsgebietes, also in den nord­östlichen Rhöngebieten zwischen Bad Hersfeld und Meiningen bis ins Grabfeld, hier auch kurzzeitig auf bayerischer Seite. Keiner der historischen Funde konnte in jüngerer Zeit bestätigt werden, Goldschmidt und Großmann zweifelten an der Richtigkeit der Angaben.


Dreizähniges Knabenkraut im Werratal

In jüngerer und jüngster Zeit konnten jedoch Einzelpflanzen in der nördlichen und östlichen Rhön gefunden werden; ob sich hier kontinuierliche Vorkommen etablieren können, muss abgewartet werden. Aktuell ist das Dreizähnige Knabenkraut in der Rhön vom Aussterben bedroht; dies gilt aber nicht für die Vorkommen im unmittelbar angrenzenden Zechsteingebiet des Werratals bei Bad Salzungen, denn hier befinden sich individuenreiche und vitale Populationen der Art. Zusammenfassend betrachtet lässt sich eine Kontinuität von Einzelfunden an verschiedenen Orten außerhalb des konstanten Verbreitungsgebietes feststellen. Insofern können auch ältere Fundangaben durchaus als glaubhaft gelten, wenngleich Fehlbestimmungen im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden können .

Nomenklatur

Wissenschaftlicher Name:
Neotinea tridentata (Scop.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase 1997

Gebräuchliche Synonyme:
Orchis tridentata Scop. 1772
Odontorchis tridentata (Scop.) D.Tyteca & E.Klein 2008

Deutsche Namen:
Dreizähniges Knabenkraut

Kurzbeschreibung

Pflanze kräftig, Wuchshöhe 15-40 cm. Runde Knolle, jährlich eine Toch­terknolle bildend, zur Blütezeit daher mit zwei Knollen. 3 bis 5 Blätter, linealisch, ungefleckt, bläulich-grün, rosettig gedrängt am Stängelgrund. Kleinere, scheidige Blätter weiter oben am Stängel. Blütenstand kugelig­eiförmig, zart rosarot, dicht gedrängt, etwa 15 bis 40 Blüten. Tragblatt etwa so lang wie der Fruchtknoten. Blütengröße 11-17 mm. Sepalen und Petalen hell rosapurpurn mit dunkleren Adern, gelockert helmförmig über der Lippe, Spitzen spreizend. Lippe hellrosa bis weiß, dicht purpurrot gepunktet, tief dreilappig mit nochmals gespaltenem Mittellappen, am Rande gezähnelt. Sporn nektarlos. Bestäubung durch Bienen und Käfer.
Blütezeit in der Rhön und in angrenzenden Regionen: Ende April bis Mitte Mai

Vorkommen und Standort

In der Rhön bislang nur unbeständig, am Rand des Thüringer Waldes konstant.
Standorte: Halbtrockenrasen, Wiesen, auf basischen Böden, vor allem auf Zechstein.
Höhenverbreitung in der Rhön: ca. 300 m bis 600 m.
Gesamtverbreitung: Hauptsächlich im Mittelmeerraum, bis an den Südrand der Alpen. Inselartig in Mitteldeutschland und an der unteren Oder.

Bildersammlung auf flickr

Neotinea tridentata

Mehr zu dieser Art

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