


 

| Etymologie:
Orchis: von gr. όρχις orchis = Hoden; pallens: von lat. pallens = blass, bleich.
Merkmale:
Kräftiges, eher kleinwüchsiges Knabenkraut. 4-6 rosettig angeordnete Grundblätter und 1-2 scheidige Stängelblätter, 6-12 cm lang, elliptisch-eiförmig, hellgrün und glänzend. Blütenähre eher locker, eiförmig bis zylindrisch. Tragblatt etwa so lang wie die Fruchtknoten. Blüten hellgelb, ungezeichnet, stark nach Holunder duftend. Die seitlichen Sepalen sind zurückgeschlagen, das mittlere Sepal und die Petalen wölben sich über das Säulchen. Lippe etwa 8 mm lang, rundlich, an den Rändern leicht zurückgeschlagen, dreilappig mit vorgezogenem, leicht zweigeteiltem Mittellappen. Sporn aufwärts gerichtet, 7-14 mm lang.
Standort:
Lichte Laub- und Mischwälder, Lichtungen, grasige Waldlichtungen, auch Säume, seltener Nadelwälder und Magerrasen. Auf frischen Böden, kalkliebend, vor allem in den mittleren Berglagen.
Verbreitung und Bestandssituation:
Das Blasse Knabenkraut kommt seit jeher nur im thüringischen Gebietsteil vor, und zwar in den Muschelkalkgebieten um Meiningen und von da an werraaufwärts. Als eine der anspruchsvollsten heimischen Orchideen ist diese Art nicht nur auf das relativ trockene und winterkühle Klima im Regenschatten der Rhön angewiesen, sondern auch auf eine besondere Art der Waldbewirtschaftung: Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden die Laubwälder auf der Meininger Muschelkalktafel als Niederwälder genutzt. Hier konnte sich das lichthungrige Blasse Knabenkraut entfalten und bei Verschlechterungen der Standortbedingungen immer wieder auf Waldbereiche mit optimalem Lichtregime ausweichen. Heute jedoch ist es auf intensive und aufwändige Biotoppflege angewiesen. Außerdem stellt das Wild den schmackhaften Knollen nach – bereits Füller (1981-86) beklagte, daß Wildschweine ganze Fundorte plündern, der inzwischen leider verstorbene verdienstvolle Pfleger der Meininger Fundorte, Hans Müller, nannte auch den Dachs als Knollensucher. Von 1950 bis 1980 sind in der Meininger Gegend aufgrund verschiedener Ursachen mehr als die Hälfte der Vorkommen verlorengegangen, danach konnte die Bestandssituation durch gezielte Pflege zunächst stabilisiert werden. Dazu mussten die Standorte vom ständigen Gehölzaufwuchs befreit und zum Schutz vor knollensuchendem Wild gegattert werden. Inzwischen sind die Gatter leider verwaist und verfallen, zudem setzt starke Verbuschung den Standorten zu. Wie schnell die lichten Waldbereiche verbuschen, konnte man an einem ehemals reich besetzten Wuchsort beobachten, der binnen weniger Jahre zu einem Gestrüpp verkommen ist, in dem 2006 nur noch wenige Blasse Knabenkräuter ihr Dasein fristeten. Das Blasse Knabenkraut scheint sich derzeit langsam, aber sicher aus der Rhön zu verabschieden.
Gefährdung:
In der Rhön ist das Blasse Knabenkraut aufgrund des Zusammenbruchs der einst reichen Vorkommen binnen weniger Jahre äußerst selten geworden und steht nun kurz vor dem Aussterben. |