Orchideen der Rhön:
Blasses Knabenkraut – Orchis pallens

16. November 2008

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Familie Orchidaceae
Gültiger Name Orchis pallens L. 1771
Basionym Orchis pallens L. 1771
Synonyme Orchis sulphurea Sims 1825
Orchis pseudopallens K.Koch 1846, nom. illeg.
Deutsche Namen Blasses oder Bleiches Knabenkraut
Blütezeit Mitte April – Anfang Mai
Wuchshöhe 15 – 30 cm
Blütengröße 12 – 15 mm
Pflanzengesellschaften V Cephalanthero-Fagion
V Tilio-Acerion
V Mesobromion
Florenelement ostmediterran, submediterran, pannonisch, südsubatlantisch, südzentraleuropäisch
Rote Listen Deutschland: 3 (gefährdet)
Bayern: 2 (stark gefährdet)
Hessen: * (ungefährdet)
Thüringen: 3 (gefährdet)
Situation in der Rhön Verbreitungskarte:
basierend auf 198 Meßtischblatt-Quadranten.
Fundnachweise:
bis 1975
1975 bis 1990
seit 1990
Verbreitung:
aktuell: 2% der MTBl.-4tel
verschollen: 3%
Höhenverbreitung:
von ca. 400 m bis 600 m
Gefährdung:
1 (vom Aussterben bedroht)

 

 

 

 

 

Etymologie:
Orchis: von gr. όρχις orchis = Hoden; pallens: von lat. pallens = blass, bleich.

Merkmale:
Kräftiges, eher kleinwüchsiges Knabenkraut. 4-6 rosettig angeordnete Grundblätter und 1-2 scheidige Stängelblätter, 6-12 cm lang, elliptisch-eiförmig, hellgrün und glänzend. Blütenähre eher locker, eiförmig bis zylindrisch. Tragblatt etwa so lang wie die Fruchtknoten. Blüten hellgelb, ungezeichnet, stark nach Holunder duftend. Die seitlichen Sepalen sind zurückgeschlagen, das mittlere Sepal und die Petalen wölben sich über das Säulchen. Lippe etwa 8 mm lang, rundlich, an den Rändern leicht zurückgeschlagen, dreilappig mit vorgezogenem, leicht zweigeteiltem Mittellappen. Sporn aufwärts gerichtet, 7-14 mm lang.

Standort:
Lichte Laub- und Mischwälder, Lichtungen, grasige Waldlichtungen, auch Säume, seltener Nadelwälder und Magerrasen. Auf frischen Böden, kalkliebend, vor allem in den mittleren Berglagen.

Verbreitung und Bestandssituation:
Das Blasse Knabenkraut kommt seit jeher nur im thüringischen Gebietsteil vor, und zwar in den Muschelkalkgebieten um Meiningen und von da an werraaufwärts. Als eine der anspruchsvollsten heimischen Orchideen ist diese Art nicht nur auf das relativ trockene und winterkühle Klima im Regenschatten der Rhön angewiesen, sondern auch auf eine besondere Art der Waldbewirtschaftung: Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden die Laubwälder auf der Meininger Muschelkalktafel als Niederwälder genutzt. Hier konnte sich das lichthungrige Blasse Knabenkraut entfalten und bei Verschlechterungen der Standortbedingungen immer wieder auf Waldbereiche mit optimalem Lichtregime ausweichen. Heute jedoch ist es auf intensive und aufwändige Biotoppflege angewiesen. Außerdem stellt das Wild den schmackhaften Knollen nach – bereits Füller (1981-86) beklagte, daß Wildschweine ganze Fundorte plündern, der inzwischen leider verstorbene verdienstvolle Pfleger der Meininger Fundorte, Hans Müller, nannte auch den Dachs als Knollensucher. Von 1950 bis 1980 sind in der Meininger Gegend aufgrund verschiedener Ursachen mehr als die Hälfte der Vorkommen verlorengegangen, danach konnte die Bestandssituation durch gezielte Pflege zunächst stabilisiert werden. Dazu mussten die Standorte vom ständigen Gehölzaufwuchs befreit und zum Schutz vor knollensuchendem Wild gegattert werden. Inzwischen sind die Gatter leider verwaist und verfallen, zudem setzt starke Verbuschung den Standorten zu. Wie schnell die lichten Waldbereiche verbuschen, konnte man an einem ehemals reich besetzten Wuchsort beobachten, der binnen weniger Jahre zu einem Gestrüpp verkommen ist, in dem 2006 nur noch wenige Blasse Knabenkräuter ihr Dasein fristeten. Das Blasse Knabenkraut scheint sich derzeit langsam, aber sicher aus der Rhön zu verabschieden.

Gefährdung:
In der Rhön ist das Blasse Knabenkraut aufgrund des Zusammenbruchs der einst reichen Vorkommen binnen weniger Jahre äußerst selten geworden und steht nun kurz vor dem Aussterben.
 


 
 
Hybriden:
Orchis pallens (L.) L. × Orchis mascula L.
(Orchis × loreziana Bruegger 1874 oder Orchis × haussknechtii M. Schulze 1885), Manns- × Blasses Knabenkraut. Nachweise an gemeinsamen Standorten auf der Meininger Muschelkalktafel.
Hier wurde auch die von Horst Kümpel als Orchis x haussknechtii nf. alboflavida beschriebene Hybride von Orchis pallens mit der weißblühenden Variante von Orchis mascula gefunden (siehe Abbildungen).
Orchis pallens (L.) L. × Platanthera chlorantha (Custer) Rchb. (× Orchiplatanthera andreasii Kümpel 1978).
Von dieser Hybride aus der Meininger Gegend berichtete Kümpel (1996, 1998). Die Existenz dieser Hybride gilt als genetisch unwahrscheinlich. Vermutlich handelte es sich bei den z.T. über mehrere Jahre beobachteten Pflanzen um Mutationen von Orchis pallens.
Mehr zu dieser Art:
» m-klueber.de | Fotos aus der Rhön in der Bilddatenbank ansehen
» de.wikipedia.org | Blasses Knabenkraut