Wiesenzwerge

Formenreich, farbenfroh und gesellig versammelt: so präsentiert sich das Kleine Knabenkraut Anacamptis morio derzeit auf einer Hangwiese in der Kuppenrhön. In der Tat ist das Pflänzchen ein Verwandlungskünstler, ein Clown – der Name morio führt hin zum griechischen moros, Narr. Die Knollen dieser einst häufigen Orchidee galten laut der mittelalterlichen Signaturlehre als Aphrodisiakum und wurden zu diesem Zweck massenhaft ausgegraben und von Kräuterweibern oder Apothekern angeboten. Doch die heutige Seltenheit dieser Art hat vorwiegend andere Gründe: Die Intensivierung der Landwirtschaft brachte Drainage, Düngung, Eutrophierung, Monokultur und den Einsatz von Pestiziden mit sich. Im 20. Jahrhundert nahmen die Vorkommen dieser Art rapide ab, so dass bunte morio-Wiesen im Landschaftsbild der Rhön sehr selten geworden sind. Ob wir wenigstens die übrig gebliebenen an unsere Kinder weitergeben können?

2 Gedanken zu „Wiesenzwerge

  1. Hallo Marco,
    ich werde heute ebenfalls mein Morio-Habitat aufsuchen. Ich freue mich jetzt schon auf die kleinen Schönheiten. Das betroffene Biotop, auf welchem auch die Spinnenragwurz vorkommt, wird vermutlich dem Bau einer Umgehungsstraße zum Opfer fallen. Ich will also die letzten Eindrücke des Biotopes solange aufsaugen wie dies noch möglich ist.
    LG Daniel

    Antwort von Marco:
    Hallo Daniel, das ist ja schade. Wieder verschwindet ein Mosaiksteinchen. Man muss gar kein militanter Naturschützer sein, um dies zu bedauern. Der Verlust historisch gewachsener Landschaftsbestandteile ist auch einfach ein Kulturverlust, der vom gesellschaftlichen Konsens toleriert wird. Genau solche Fälle sind für mich immer wieder Ansporn zu offensiver Öffentlichkeitsarbeit. Nur wenn die Menschen die Natur vor ihrer Haustür kennen und schätzen, können sie relevante Belange differenziert abwägen.
    Viele Grüße, Marco

  2. Schönes Foto! Ich habe jetzt hier in Lübeck auch vor einiger Zeit endlich mal die ersten Orchideen entdeckt. Schade, dass die so selten sind.

    Antwort von Marco:
    Vielen Dank! Bei Euch im Norden gibt es Sachen, die wir hier nicht haben – die ausdauernde Suche wird sich lohnen! Viele Grüße, Marco

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