Lofoten

Die Inselgruppe der Lofoten im Norden Norwegens, jenseits des Polarkreises, schiebt sich weit ins Nordmeer hinaus. Der Wechsel von Fjorden, Stränden, grünen und schroffen Gebirgszügen macht diese Landschaft so einzigartig. Im klaren Licht des Nordens erscheinen die Lofoten surreal, traumhaft. Im Sommer Mitternachtssonne, im Winter Polarlichter. Völlig klar, dass diese unwiderstehliche Kombination Reisende aus aller Welt anzieht.

Doch im Laufe des neuen Jahrtausends hat sich der Tourismus auf den Lofoten grundlegend gewandelt. Es ist eine Art »Massen-Individualtourismus« entstanden, der zu einer Überlastung der Kapazitäten geführt hat. Man fährt oftmals in Schlangen von Campern, die Parkplätze sind teuer und überfüllt. Es gibt Einschränkungen des Jedermannsrechts, und an manchen schönen Fotomotiven muss man Schlange stehen. Kein Wunder, bei dieser Schönheit der Landschaft und Natur. Zusätzlich zum Offensichtlichen, der atemberaubenden maritim-alpinen Topographie, gibt es dennoch viel zu entdecken, an weniger erschlossenen Orten oder in Naturreservaten. Ausweichen kann man den Touristenströmen ebenso in der Tageszeit – denn im arktischen Sommer ist es ja auch nachts hell, und in der Mitternachtssonne enstehen auch die schönsten Fotos.

Mitternachtssonne
Mitternachtssonne

Die »Kong-Olav-Straße« E10 führt von der schwedischen Grenze im Fjäll über Narvik auf die Vesterålen durch die gewaltigen Lofotenlandschaften bis ans äußerste Ende der Lofoten, zur Ortschaft Å. Fjorde, Berge, Brücken, Tunnels. Allein die Fahrt ist ein Erlebnis. Je näher der Endpunkt rückt, desto dramatischer wird die Streckenführung. Zweimal geht es gar tief unter Meeresniveau unter den Fjorden hindurch. Und fast ganz zum Schluss hält diese Choreographie einen Höhepunkt bereit: Das kleine Dorf Hamnøy, eines der berühmtesten Fotomotive Skandinaviens, das auf einer winzigen gleichnamigen Insel (Hafeninsel) vor Moskenesøya liegt.

Das kleine Dorf Hamnøy - eines der berühmtesten Fotomotive Skandinaviens
Das kleine Dorf Hamnøy – eines der berühmtesten Fotomotive Skandinaviens

Der steigende Besucherdruck hat dazu geführt, dass diese Europastraße nun ausgebaut wurde. Das hat Folgen für Mensch, Landschaft und Natur – ein schönes unberührtes Moor, das wir vor wenigen Jahren noch vorsichtig erkundet haben, ist nun ausgelöscht, zugeschüttet, einem neuen Straßendamm gewichen.

Das Bergmassiv der Lofoten wird »Lofotwand« genannt, steil ragen die Gipfel direkt aus dem Meer auf. Der Berg Vågakallen (942 m) auf der Insel Austvågøy, in der Nähe von Kabelvåg, ragt als gewaltige Felspyramide direkt aus dem Meer auf. Er gehört zu den lohnendsten und begehrtesten Gipfelzielen der Lofoten. Schon auf dem Normalweg ist er schwierig, und durch seine Nordwand führen äußerst schwierige Bigwall-Kletterrouten.

Blick zum Vågakallen
Blick zum Vågakallen

Ganz anders der Reinebringen: ein beliebter und spektakulärer Aussichtspunkt mit vergleichsweise kurzem Anstieg. Aufgrund des starken Besucherdrucks wurde hier der einstige steile Pfad, der bei Nässe rutschig und gefährlich wurde, mit einer Sherpa-Treppe entschärft. Auf den nach offiziellen Angaben 1978 Stufen geht es die 440 Höhenmeter steil, aber sehr gut begehbar hinauf. Allein ist man hier fast nie – noch nicht mal bei Regenwetter. Diese durchgehende Treppenanlage hat die Unfallgefahr erheblich reduziert und war letztlich die einzig sinnvolle Maßnahme, um hier die vielen Besucher zu lenken.

Die Sherpa-Treppe zum Reinebringen
Die Sherpa-Treppe zum Reinebringen

Blick vom Reinebringen
Blick vom Reinebringen

Der Morfjord auf der Insel Austvågøya gehört hingegen zu den stillen Winkeln der Inselgruppe, da er abseits der Hauptrouten liegt. Dieser Meeresarm ist von starken Kontrasten geprägt: Weißer Sand, eine salzige Brise der Atlantikluft, und dahinter die bleischweren, dunkelgrünen Berge.

Landschaft am Morfjord
Landschaft am Morfjord

Hier erlebten wir die beeindruckende Klarheit eines nordatlantischen Morgens, die Klaus Böldl in ‚Die fernen Inseln‘ so markant beschrieben hat:

»Am späten Vormittag hatte die Sonne an Kraft gewonnen, die milchigen Hochnebel binnen einer halben Stunde auszulösen, und alles war in jene nordatlantische Überdeutlichkeit gerückt, von der man aus der Erinnerung nicht mehr sagen kann, was den stärkeren Eindruck gemacht hat: die vor Wirklichkeit strotzenden Dinge oder das wie selten sonst wahrnehmbare Nichts zwischen diesen Dingen, in das man ja irgendwann eingehen wird.«Klaus Böldl in: Die fernen Inseln

Die Klarheit eines nordischen Morgens: Blick über den Grunnførsfjorden
Die Klarheit eines nordischen Morgens: Blick über den Grunnførsfjorden

Abgesehen von der atemberaubenden Landschaft haben die Lofoten aber auch für Naturfreunde viel zu bieten. Für Vogelfreunde sind die Lofoten eine besondere Adresse – bekannt ist die hohe Dichte an Seeadlern, aber auch viele andere Seevögel sind hier gut zu beobachten und zu fotografieren. Doch auch die Pflanzenwelt hat ihre Vorzüge – zu Unrecht gelten die Lofoten als eher artenarm. Wer auf den Reinebringen steigt, wird das überschaubare Artenspektrum der sauren Gneise und Granite vorfinden. Es gibt aber auch Moore mit sehr spezialisierten, seltenen Arten wie der winizigen Orchidee Weichwurz Hammarbya paludosa und eingestreute Gebiete mit Glimmerschiefern oder aber kalkreichen Sanddünen, in denen dann lokal artenreiche alpine Pflanzengesellschaften mit Silberwurz Dryas octopetala und Alpen-Zwergorchis Chamorchis alpina auftreten.

Weichwurz, Hammarbya paludosaAlpen-Zwergorchis, Chamorchis alpina
Zwei seltene Orchideen der Lofoten: Weichwurz, Hammarbya paludosa und Alpen-Zwergorchis, Chamorchis alpina

Bildgalerie: ein paar Eindrücke der Flora und Fauna auf den Lofoten

Moorschneehuhn, Lagopus lagopusSterntaucher, Gavia stellata am BrutgewässerEiderenten, Somateria mollissima, an der Küste bei Fredvang
Lofoten-Fingerwurz, Dactylorhiza fuchsii subsp. puniceaLofoten-Fingerwurz, Dactylorhiza fuchsii subsp. puniceaWeißzüngel, Pseudorchis albidaKorallenwurz, Corallorhiza trifidaNordischer Enzian, Gentianella aurea

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