Provence

Die Provence – der Midi, der Süden Frankreichs, reicht von den Alpen bis zur Küste des Mittelmeeres. Diese unglaublich vielfältige und faszinierende Landschaft zieht seit jeher Reisende in ihren Bann, und Künstler ließen sich vom besonderen Licht der Provence inspirieren. Die provenzalische Landschaft, Kunst, Natur und natürlich auch die Küche haben auch für den heutigen Reisenden nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Südwärts reisen, gemeinsam mit dem Mistral: an Lyon vorbei führt die Fahrt an der Rhône entlang geradeaus in den Midi, den Süden Frankreichs. Bei Valence beginnt die Provence. Hinter Avignon baut sich im unteren Rhônetal die Hügelkette der Alpilles vor dem küstennahen Flachland auf. Sie steht quer zum kalten, starken Luftstrom des Mistral, der zwar strahlend blauen Himmel garantiert, aber auch mit konstanter Geschwindigkeit bläst. Zwischen den Felsen der Alpilles kann der Luftstrom so stark beschleunigt werden, dass Rucksäcke, Personen und kleinere Steine bergauf geweht werden – wir haben es am eigenen Leib erfahren.

Die Kalkkette der »kleinen Alpen« bietet eine reiche mediterrane Pflanzen- und Tierwelt. Zahlreiche Orchideenarten wie das Riesenknabenkraut Himantoglossum robertianum, der Dingel Limodorum abortivum und die Oster-Ragwurz Ophrys passionis sind in den Garigues am Fuß der Felshügel anzutreffen.


Riesenknabenkraut, Himantoglossum robertianum, vor der Kulisse der Alpilles

Der schöne Ort Eygalières ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren durch die Alpilles. Eine lohnende Wanderung führt über die Bergkette hinüber nach St-Rémy mit der Römersiedlung Glanum. Ein wenig außerhalb von Eygalières steht die romanische Kapelle St-Sixte, eingerahmt von Zypressen und Olivenbäumen. Sie wurde auf den Ruinen eines römischen Janustempels errichtet. Das kleine, archaische Bauwerk gehört zu den beliebtesten Fotomotiven der gesamten Provence.


Kapelle St-Sixte bei Eygalières

Die Festung Les Baux, auf einen Kalkfelsen der südlichen Alpilles gebaut, wurde im Mittelalter von einem mächtigen Adelsgeschlecht beherrscht. Am Fuß der Burganlage entstand der kleine Ort Les Baux, der später von Protestanten besiedelt und dann im 17. Jh im Zuge der Hugenottenverfolgung geschleift wurde. Erst mit dem aufkommenden Tourismus kehrte wieder Leben in die Ruinenstadt ein, die heute zu den bekanntesten Ausflugszielen der Gegend gehört.


Les Baux

Der Höhenzug der Alpilles findet seine Fortsetzung jenseits des Flusstales der Durance im Lubéron. Die Landschaft ist geprägt von karstigen Plateaus und tief eingeschnittenen Schluchten. Auf einem Ausläufer des Kleinen Lubéron liegt die Burg und das Dorf Oppède-le-Vieux, das – ähnlich wie Les Baux – verfallen war und seit etwa 1900 von Künstlern neu besiedelt wurde. Von hier führt eine Wanderung in die eindrucksvolle Comté-Schlucht und über die Hochflächen des Lubéron. Eindrucksvoll ist der Blick über die Vaucluse bis zum Mont Ventoux.


unterwegs auf den Höhen des Lubéron, Blick zum Mont Ventoux

Auf einer Hügelkuppe des östlichen Lubéron liegt das Dorf Bonnieux, dessen Häuser sich sehr malerisch um die Kirche scharen. Ein Wirrwarr von schmalen Gassen und Treppen überwindet die erheblichen Höhendifferenzen.


Bonnieux

Der Lubéron ist bekannt für seine Ockervorkommen. Hier wurden Farbpigmente besonders hoher Qualität gewonnen. In in Rustrel und Roussillon sind die ehemaligen Ockerbrüche heute zugänglich. Die Erosion hat aus dem weichen Ocker interessante Formationen gebildet. Das Dorf Roussillon steht ganz im Zeichen des Ockers und ist touristisch einer der frequentiertesten Orte im Gebiet.


Roussillon – ganz und gar geprägt vom Ocker

Das Dorf Fontaine-de-Vaucluse, im 11. Jahrhundert Wohnort des Dichters Petracra, bietet eine ganz besondere Natursehenswürdigkeit. Am Fuß einer über 200 m hohen Felswand entspringt der Fluß Sorque in einem See, dessen Wasserstand je nach Zufuhr stark schwankt. Der berühmte Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau erforschte das Quell- und Höhlensystem, und erst 1985 konnte geklärt werden, woher die immense Wassermenge stammt, die hier zutage tritt. Ein unterirdisches Becken sammelt Wasser vom Mont Ventoux, aus der Montagne de Lure und aus der Vaucluse, und der Siphon der Wasseransammlung reicht in 308 m Tiefe.


Die Quelle der Sorgue in Fontaine-de-Vaucluse

Unweit von Fontaine-de-Vaucluse liegt das Städtchen Gordes auf einer Anhöhe der Vaucluse mit weitem Ausblick über das Land. Neben seinem malerischen Stadtkern bietet Gordes noch zwei andere Sehenswürdigkeiten, nämlich die romanische Abtei Sénanque und die Bories, mörtellos gemauerte Steinhäuser.


Gordes in der Vaucluse

In Aix-en-Provence, dessen Name aus dem römischen Aquae Sextiae Salluviorum abgeleitet ist, lebte Paul Cézanne (1839-1906), einer der Wegbereiter moderner Malerei. Er ließ sich vom unvergleichlichen Licht seiner Heimat inspirieren und malte die Montagne Ste-Victoire hundertfach.


Mohnfeld vor der Montagne Ste-Victoire; der Berg bei Aix-en-Provence war Paul Cézannes Lieblingsmotiv

Der eindrucksvolle Bergrücken erhebt sich jäh aus der Ebene und bietet eindrucksvolle Ausblicke vom Mittelmeer bis in die Savoyischen Hochalpen. Eine schöne Tour führt vom Lac du Bimont auf den Gipfel.


auf der Montagne Ste-Victoire

Im Hinterland der südlichen Provence gründeten 1136 Zisterziensermönche eine Abtei, die wenig später an den heutigen Ort verlegt wurde: Le Thoronet. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie während der Französischen Revolution aufgelöst. Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte eine grundlegende Restaurierung, bei der man den ursprünglichen Bauzustand wiederherstellte. Die Architektur der Abtei, ganz besonders aber der schlichte Innenraum der Abteikirche, folgt ganz den Idealen der zisterziensischen Architektur. Sie verzichtet ganz auf Schmuckelemente – allein die kraftvolle Architektur und der sorgfältig bearbeitete Stein schafft eine würdevolle monastische Atmosphäre.


Abteikirche Le Thoronet

Die Landschaft in der Haute-Provence ist viel rauer und wilder als in Küstennähe. Hier grenzt die Provence direkt an die Alpen. Insbesondere das Tal der Durance, rund um Sisteron, bietet eindrucksvolle Landschaftseindrücke, eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt und interessante Baudenkmäler.


Feld im Tal der Durance

Im Hochland der Provence tut sich zwischen Castellane und dem Lac du Sainte-Croix eine gewaltige Furche auf: der Grand Canyon du Verdon, eine 20 km lange und 700 m tiefe Schlucht. Das türkisblaue Wasser des Verdon hat sich seinen Weg durch die Kalkschichten gebahnt. Zwei Panoramastraßen (Rive Gauche und Rive Droite) bieten imposante Blicke in den gähnenden Schlund und auf das Band des Flusses. Vom Lac de Sainte-Croix aus kann man sogar mit dem Tretboot in die Schlucht einfahren, bis die Strömung so stark wird, dass man nicht mehr voran kommt.


Gorges du Verdon

Die Haute-Provence bietet einer großen Zahl an Pflanzen und Tieren Lebensraum, darunter auch zahlreichen Orchideenarten. Ein botanisches Hightlight ist Spitzels Knabenkraut Orchis spitzelii, eine Orchideenart mit vorwiegend mediterran-montaner Verbreitung. Jedoch hat sie kein geschlossenes Verbreitungsgebiet, sondern ein disjunktes Areal mit zum Teil sehr weit auseinander liegenden Fundorten. Gewisse Verbreitungsschwerpunkte liegen am französischen und italienischen Alpenrand sowie in den iberischen Hochgebirgen. Weiterhin kommt die Art weitab vom Hauptareal auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland vor. In der Gegend des Verdon fanden wir diese schöne und merkwürdige Pflanze in einem lichten, nordexponierten Kiefernwald zwischen flechtenbewachsenem Totholz.


Spitzels Knabenkraut, Orchis spitzelii

Auch die Ragwurze sind in der Haute-Provence mit einigen bemerkenswerten Arten vertreten: Eine regionale Besonderheit stellt die Durance-Ragwurz Ophrys druentica dar, eine großblütige Vertreterin der Hummel-Ragwurze, die erst vor kurzem als eigene Art beschrieben wurde. Auch die kleinblütige Ophrys linearis, aufgrund ihrer Variabilität manchmal nicht leicht zu bestimmen, ist am Verdon häufiger anzutreffen.


Ophrys linearis


Durance-Ragwurz, Ophrys druentica

Bilder aus der Provence auf flickr

Die Fotos der einzelnen Touren:
2001: Die Umgebung von Eygalières
2001: Wanderung über die Alpilles nach St-Rémy
2001: Vaucluse und Lubéron
2001: Petit Lubéron und Comté-Schlucht
2001: Pont du Gard
2001: Wanderung auf die Montagne Ste-Victoire
2001: Les Baux
2004: Rhônetal, Orchideen in der Vaucluse
2004: Lubéron, Vaucluse
2004: Eygalières, Alpilles
2004: Fontvielle, Arles
2004: Flamingos in der Camargue
2004: Montagne Ste-Victoire
2004: Côte d’Azur
2004: südliche Provence
2004: Abbaye du Thoronet
2004: Grand Canyon du Verdon und Umgebung
2004: Sisteron und Durance

Fotos, sortiert nach Orten und Themen:
Abbaye du Thoronet | Alpilles | Arles | Camargue | Comté-Schlucht | Côte d’Azur | Durance | Eygalières | Fontvieille | Gordes | Grand Canyon du Verdon | Haute-Provence | Les Baux | Lubéron | Montagne Ste-Victoire | Orchideen in der Provence | Pont du Gard | Roussillon | Sisteron | St-Rémy | Vaucluse | alle Fotos aus der Provence

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