Orchideen in der Rhön:
Hummel-Ragwurz
Ophrys fuciflora

Egal, ob Sie sich Sie sich zehn, hundert oder tausend Blüten der Hummel-Ragwurz ansehen: jede ist anders, und jede hat ihre eigene Farbe und Zeichnung. Freilich folgen sie alle dem gleichen Bauplan, doch auch ganz abgesehen von den Farb- oder Strukturvari­anten sind auch die »normalen« Blüten dieser Art von einer erstaunlichen Farben- und Formenvielfalt gekennzeichnet. Ein Blütenstängel trägt meist nur wenige der relativ großen Blüten, und davon sind in der Regel nur zwei bis drei in voller Blüte, die anderen dagegen noch knospig oder schon am Abblühen. Ganz zweifellos sind die Blüten der Hummel-Ragwurz außergewöhnlich schön, und deshalb ist der Wunsch vieler Naturfreunde, diese Art einmal zu sehen, gut nachvollziehbar.
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Orchideen in der Rhön:
Bienen-Ragwurz
Ophrys apifera

Obwohl die Bienen-Ragwurz an sich eine allogame Orchideenart ist, hat sie es geschafft, sich aus der Abhängigkeit ihres Bestäubers zu befreien. Dieser kommt im Mittelmeergebiet vor, jedoch nicht bei uns. In unseren Breiten bestäubt sich diese Orchidee selbst. Die Bienen-Ragwurz fasziniert viele Naturfreunde in ganz besonderer Weise.
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Orchideen in der Rhön:
Fliegen-Ragwurz
Ophrys insectifera

Im Gegensatz zu den anderen vier Ragwurz-Arten der Rhön ist die Fliegen-Ragwurz auch ohne genaue Ortskenntnis relativ leicht zu finden; sie ziert in großer Regelmäßigkeit und Konstanz die Kalk-Halbtrockenrasen im gesamten Gebiet. Sie ist die einzige Art ihrer großen Gattung, die ihren Verbreitungsschwerpunkt nördlich der Alpen hat, und die einzige die kühleres Klima bevorzugt. An den norwegischen Küsten erreicht sie den Polarkreis, im Mittelmeerraum ist sie dagegen selten.
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Orchideen in der Rhön:
Pyramiden-Orchidee
Anacamptis pyramidalis

An einem Berghang in der Kuppenrhön, südseitig vor dem Waldrand, liegt eine unscheinbare Magerwiese. Aus der Ferne ist ihr nichts Besonderes anzusehen, und doch blüht im Juni, zur Zeit der Sommersonnenwende, gerade hier eine Pyramiden-Orchidee. Ihren anfänglich spitzen Blütenstand hat sie auf einem schlanken Stängel hinauf in die oberste Etage der Wiese geschoben. Unübersehbar leuchtet der einsame Blütenlampion in der Wiese. Das singuläre Auftreten dieser Orchidee ist in unserer Gegend geradezu typisch. Unvermittelt tritt sie auf, bereichert eine Zeitlang ihren Wuchsort, um nach einigen Jahren wieder zu verschwinden.
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Orchideen in der Rhön:
Sumpf-Knabenkraut
Anacamptis palustris

Die Geschichte des Sumpf-Knabenkrautes in der Rhön ist schnell erzählt: 1977 wurden zwei Exemplare im Sinntal gefunden, nie zuvor und auch nie mehr danach gelang ein Fund. Diese schöne Orchidee wächst in feuchten bis nassen Wiesen, als eine von wenigen Orchideenarten verträgt sie auch Salz. Ihre Standorte liegen oft im Überflutungsbereich von Flüssen und Seen, daher gehören Schadstoffeinträge aus Gewässerverschmutzungen zu den unmittelbaren Ursachen für den dramatischen Rückgang der Art in ganz Mitteleuropa.
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Orchideen in der Rhön:
Wanzen-Knabenkraut
Anacamptis coriophora

Das ehemals weit verbreitete und heute in ganz Deutschland vom Aussterben bedrohte Wanzen-Knabenkraut war wohl die erste Orchideenart, die seit dem Beginn der botanischen Notizen aus unserer Gegend verschwand. Wechselfeuchte Riedwiesen der Flusstäler boten dieser Art früher auch in unserer Gegend geeignete Lebensbedingungen: Liebleins Fund bei Fulda wurde zwar angezweifelt, doch seine Beschreibung ist eindeutig. Heller fand die Art an der Fränkischen Saale, Rottenbach im Grabfeld. Vielleicht reichten schon die Luft- und Wasserimmissionen der ersten Industrialisierungswelle im 19. Jahrhundert aus, um dieser konkurrenzschwachen Orchidee den Garaus zu machen.
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Orchideen in der Rhön:
Kleines Knabenkraut
Anacamptis morio

Formen- und variantenreich, hell und dunkel, farbenfroh und gesellig versammelt: so präsentiert sich ein lustiges Völkchen Kleiner Knabenkräuter auf der Frühlingswiese. Das Pflänzchen ist ein Verwandlungskünstler, ein Clown – der Name morio führt hin zum griechischen moros, Narr. Der ordnende Mensch nennt die rosa blühenden Exemplare var. rosea und die weißen var. alba. Doch in einer bunten morio-Wiese mit allerlei Farbübergängen wird die Ordnungswut schnell als die wahre Narretei entlarvt.
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Orchideen in der Rhön:
Übersehene Stendelwurz
Epipactis neglecta

Die Übersehene Stendelwurz, Epipactis neglecta, ist von Epipactis leptochila durch die Blütengestalt (vor allem das zurückgeschlagene Epichil), die frühere Blütezeit und den etwas trockeneren, wärmeren Standort abgegrenzt. Zumindest in den zentralen, westlichen und südlichen Rhöngebieten ist sie häufiger als ihre Schwesternart, aber auch sie ist gefährdet aufgrund ihrer Seltenheit. Das Taxon neglecta ist untrennbar mit dem Rhöner Orchideenforscher Horst Kümpel verbunden. Er beschrieb sie 1982 zunächst im Unterartrang. Ein nachträglich vorgelegter Neotypus stammt aus der Rhön.
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Orchideen in der Rhön:
Schmallippige Stendelwurz
Epipactis leptochila

Die Schmallippige Stendelwurz ist an ihrem länglich herzförmigen, zugespitzten Epichil gut zu erkennen. Im Gegensatz zu den anderen Stendelwurz-Arten bevorzugt sie sehr schattige, nordseitige Standorte und Wälder mit altem Baumbestand. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist sie die seltenste Art ihrer Gattung in der Rhön. Sie ist zerstreut in der thüringischen Rhön zu finden, selten auch in der Kuppenrhön und im Bergwinkel sowie stellenweise auch im fränkischen Gebietsteil.
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Orchideen in der Rhön:
Müllers Stendelwurz
Epipactis muelleri

Halbtrockenrasen und Wacholderheiden gehören zum charakteristischen Landschaftsbild der Rhön, und sie bieten vielen Orchideenarten Lebensraum. Wenn aber die Weidenutzung oder die gezielte Pflege durch Entbuschung ausbleibt, gewinnen hier schnell­wüchsige Sträucher wie Schlehe und Weißdorn rasch die Oberhand und verdrängen die lichthungrigen Orchideenarten. Es gibt jedoch auch Arten, die gerade im gehölzreichen Übergangsstadium der Sukzession ihr ökologisches Optimum finden. Zu diesen halbschattenliebenden Orchideen gehört Müllers Stendelwurz.
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Orchideen in der Rhön:
Breitblättrige Stendelwurz
Epipactis helleborine

Als Carl von Linné 1753 in seinen »Species Plantarum« die Breitblättiges Stendelwurz als »Serapias helleborine« beschrieb, da war die Welt der Botaniker noch vergleichsweise übersichtlich. Ebenso 1757, als Johann Gottfried Zinn die Gattung Epipactis erschuf und die Art helleborine darin eingliederte. Doch bereits 1769 ging der Ärger los. Ein gewisser Heinrich Johann Nepomuk von Crantz sah sich die Breitblättrige Stendelwurz näher an und begann, Varietäten zu beschreiben. Er nannte sie rubiginosa, varians, viridans – Namen, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Generationen von Botanikern haben seither noch genauer hingesehen, neue Taxa beschrieben, alte umkombiniert, verworfen, zurückgestuft und wieder hervorgekramt.
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Orchideen in der Rhön:
Violette Stendelwurz
Epipactis purpurata

Im Hochsommer, wenn die Orchideensaison bereits dem Ende entgegen geht, blüht in schattigen, humusreichen Wäldern die Violette Stendelwurz. Ähnlich wie die Kleinblättrige Stendelwurz ist auch diese Art eher unscheinbar, da sie mit den Farbtönen des sommerlichen Hochwaldes verschwimmt. Aus der Nähe betrachtet, ist sie jedoch eine ungleich stattlichere Erscheinung. Die kräftig wachsenden, purpurviolett überlaufenen Pflanzen werden bis zu 90 cm hoch, haben dichte Blütenstände mit recht großen Blüten und wachsen gerne auch in Büscheln, die durch vegetative Vermehrung entstehen.
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